Hart, aber herzlich

Beim kleinen Punk-Festival im Exhaus traten "Randy", "Pascow", "Kafkas" und "Versus You" auf. Headliner aber waren die Kanadier von "Propagandhi". Ihr leidenschaftliches Engagement stieß im ausverkauften Exhaus auf entsprechende Zuhörer.

Trier. (fgg) Im Keller des krachvollen Exils im Exhaus pöbelt "Propagandhi"-Sänger Chris Hannah einen Fan an, der ebenfalls wenig zurückhaltende Zwischenrufe macht. Doch der rüde Ton ist nur Spiel. Was sich liebt, das neckt sich eben auch. Ein Australier sieht seine Heimat von der kanadischen Band vernachlässigt: "Someday, my friend", verspricht der Sänger beschwichtigend einen Besuch "down under", um dann mit seinen zwei Mitstreitern einen weiteren rotzigen Dreiminutenkracher zu zünden, zu dem vor der Bühne der altbekannte Kollisionstanz zelebriert wird.

In "Hallie Sallassie Up Your Ass" wird die Reggae-Religion der Rastafari ebenso mit dem F-Wort bedacht wie alle anderen Glaubensrichtungen (wobei die Band-Homepage brav erklärt, dass man religiöse Menschen nicht etwa hasse).

Die 1986 gegründeten "Propagandhi" schneiden selbst für Hardcore-Verhältnisse in Sachen "linkes Selbstverständnis und Progressivität" ganz dicke Bretter und definieren sich als antifaschistisch und antiimperialistisch.

Ob alle Zuhörer, die mit der vegan lebenden Band eben noch "Stop consuming animals!" (Hört auf, Tiere zu essen!") gebrüllt haben, tatsächlich konsequent auf sämtliche Tierprodukte verzichten, sei dahingestellt. Auch lautstarke Kritik an der amerikanischen Außenpolitik ist hierzulande nicht wirklich revolutionär. Dennoch sind solche emanzipatorischen Inhalte wohltuend in einer Zeit, in der anderswo die Homophobie und der Sexismus aus so mancher Box schallen. Musikalisch hatte das Publikum sowieso nichts auszusetzen: Bis zum Ende des Auftritts blieb der Gewölbekeller des Exhauses dichter gefüllt als eine Legehennen-Batterie - und Applaus gab es auch reichlich.