Harte Kritik an Trierer Flüchtlingsheim

Harte Kritik an Trierer Flüchtlingsheim

Ein Flüchtling dokumentiert Dreck in der Aufnahmeeinrichtung in Euren. Die Leitung räumt Versäumnisse ein.

Verschmutzte und demolierte Toiletten, Müllsäcke in den Gängen, unidentifizierbarer Dreck auf dem Boden - das sind keine schönen Bilder. In 19 Fotos auf acht Seiten hat ein türkischer Flüchtling, der laut eigenen Angaben Journalist ist, seinen Eindruck von der Aufnahmestelle in Euren festgehalten und anschließend auf der Plattform Word Online im Internet veröffentlicht .

"Ich habe in Gießen Asyl beantragt und kam am 18. September nach Trier", schreibt er als Einleitung seiner Dokumentation in englischer Sprache. "Vom ersten Moment an musste ich bedauerlicherweise feststellen, dass Flüchtlinge hier nicht willkommen sind."

Es folgen detaillierte Schilderungen stark verschmutzter sanitärer Anlagen. "Es ist für ein menschliches Wesen wirklich schwer, diese Toiletten und Waschräume zu benutzen, da sie niemals sauber gemacht werden", schildert der türkische Flüchtling und betont, dass er damit beide Aufnahmeheime in Euren und Trier-Nord meint. "Ein Plastiksack mit Müll wurde auch Wochen nach meiner Ankunft nicht entfernt."
Der Mann aus der Türkei kritisiert auch die Haltung und das Auftreten des Sicherheitspersonals vor Ort. "Manche von ihnen schreien die Flüchtlinge immer wieder an." Ein Mitarbeiter habe einer hochschwangeren Frau verboten, sich hinzusetzen. Auch er selbst habe erlebt, wie Sicherheitsmitarbeiter ihn "entwürdigend und herablassend" behandelt haben und ihn anschrien, als er auf die Hygienemängel hinweisen wollte.
Die Aufnahmeeinrichtung Euren gibt es seit dem 26. Oktober nicht mehr. Sie wurde geschlossen, das frühere Bundeswehr-Areal wandert zurück in den Besitz des Bundes. Die Dokumentation des türkischen Journalisten steht weiterhin online.
Ein direktes Gespräch mit ihm kommt nicht zustande, da er sein Handy nur zur Kommunikation über die Plattform Whatsapp mit Freunden und Familie in seiner Heimat nutzt. Doch er hat einen Fürsprecher, der für die Korrektheit seiner Darstellungen bürgt: Erkan Pehlivan aus Offenbach, Redakteur des Deutsch-Türkischen Journals und Autor für Plattformen wie die Huffington Post und Zeit Online. "Die Glaubwürdigkeit des Autors steht nicht infrage", bestätigt Pehlivan im Gespräch mit dem TV.
Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) und der Leiter des Aufnahmeheims, Thomas Pütz, weisen die Kritik des türkischen Journalisten in großen Teilen zurück. Doch einige der dokumentierten Missstände räumen sie ein. "Ich glaube nicht, dass es sich hier um Fälschungen handelt", sagt ADD-Sprecherin Miriam Lange. "Die Fotos sind authentisch, man erkennt das Heim in Euren."
In den Erstaufnahmeeinrichtungen Euren und Trier-Nord setzt das Land Rheinland-Pfalz externe Reinigungsunternehmen ein. "Die Sanitäreinrichtungen sollen zweimal täglich gereinigt werden", sagt Lange. "Unsere Mitarbeiter werden die Kontrollen verstärken, um Missstände umgehend abzustellen."
Afa-Leiter Thomas Pütz bestätigt, dass es in Euren "Nachlässigkeiten" dieser externen Firmen gegeben habe. "Diese wurden dann auch angemahnt." Im Aufnahmeheim in Trier-Nord habe die ADD zum 1. Oktober eine neue Reinigungsfirma beauftragt.
Pütz betont: "Szenen, wie sie in der Dokumentation festgehalten worden sind, wollen wir so nicht haben. Die Leute sollen sich hier wohlfühlen."
Die Kritik am Ton und Auftreten der Mitarbeiter und Sicherheitskräfte wollen Pütz und Lange so nicht stehen lassen. "Wir legen viel Wert auf Kommunikation und Schulung", betont der Afa-Leiter. "Dabei geht es um interkulturelle Kompetenz und auch Deeskalation." Pütz betont, er habe keine direkte Beschwerde des türkischen Journalisten erhalten. Er räumt aber ein: "Es gibt Regeln und Verbote, und manchmal müssen die Mitarbeiter diese auch deutlich machen und durchsetzen. Das klingt dann nach Schikane, hat aber einen Hintergrund."
Das Fazit des Leiters: "Wir nehmen jede Kritik ernst. Wenn Missstände auftreten, ist es unser Ziel, sie schnell zu beheben."Link

Artikel des Journalisten Extra: DER STARTSCHUSS FÄLLT IM MAI 1992

So hätte es auch in Euren laufen sollen: Ibrahim Adam (l) aus dem Sudan und Adesiyan Wale Abanikanda aus Nigeria reinigen ein Zimmer in der Aufnahmeeinrichtung Dasbachstraße. Foto: Friedemann Vetter (Ve._) ("TV-Upload Vetter"

Die Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (Afa) Trier besteht seit Mai 1992. Sie ist zuständig für die Aufnahme, Unterbringung, Betreuung und Verteilung von Asylbewerbern auf die Kommunen in Rheinland-Pfalz. Die Flüchtlinge werden dort maximal drei Monate lang untergebracht, während das Bundesamt für Migration über ihren Asylantrag entscheidet. Im Fall einer Ablehnung wird der Bewerber in sein Heimatland zurückgeschickt. 2013 einigen sich die Stadt Trier und das Land Rheinland-Pfalz darauf, die ehemalige General-von-Seidel-Kaserne in Euren als zusätzliches Auffangheim für Asylbewerber zu nutzen. 2015 erreicht die Flüchtlingskrise ihren Höhepunkt. Die Stadt Trier funktioniert auch die ehemalige Geschwister-Scholl-Schule in Trier-Nord zum Notquartier um. Außerdem mietet die Stadtverwaltung Privatwohnungen an, um auch dort Flüchtlinge unterzubringen. Danach gehen die Zahlen der Asylbewerber stark zurück, die Notquartiere werden nicht mehr gebraucht.

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