Harte Kritik an Trierer Kulturdezernent Thomas Egger

Harte Kritik an Trierer Kulturdezernent Thomas Egger

Nach dem neuerlichen Debakel rund um Theaterintendant Karl Sibelius weht Kulturdezernent Thomas Egger ein eisiger Wind ins Gesicht: „So kann es nicht weitergehen“, sagt Parteifreund und SPD-Chef Sven Teuber. Die FDP wirft dem Dezernenten „Versagen“ vor. Egger selbst räumt Fehler ein.

Das private Glück hat Thomas Egger in seinen sechseinhalb Jahren als Beigeordneter im Stadtvorstand offenbar gefunden: Er heiratete eine Mitarbeiterin, zwei kleine Kinder gehören mittlerweile zur Familie. Beruflich ist seine Zeit im Trierer Rathaus alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Etliche Projekte sind unter seiner Regie nicht gut gelaufen.

Beispiel Straßenprostitution: Fünf Jahre feilte Egger daran, wie mit den Trierer Straßenprostituierten umgegangen werden soll - um dann ein so schlichtes wie nicht umsetzbares Konzept vorzulegen . Nämlich, das gesamte Stadtgebiet bis auf die außerhalb gelegene Bitburger Straße zum Sperrgebiet zu erklären. Der Stadtrat wehrte sich. Schließlich hatte Egger selbst dieses Komplettverbot 2011 noch als juristisch nicht durchsetzbar bezeichnet. Der Volljurist musste nacharbeiten. Ergebnis nach fünf Jahren Bearbeitungszeit: Alles bleibt beim Alten, der umstrittene Straßenstrich in der Ruwerer Straße besteht weiter, einzig mit der Auflage, dass die Damen nur noch nachts arbeiten dürfen.

Wirtschaftsförderung: Ebenfalls 2011 hatte der Stadtrat Egger beauftragt, ein regionales Wirtschaftsförderungskonzept zu erarbeiten. Zwei Jahre später rechtfertigte Egger Verzögerungen mit "schwierigen Vertrags- und Gesellschaftskonstruktionen". 2015 entlastete Neu-Oberbürgermeister Wolfram Leibe ihn von diesen Schwierigkeiten - und übernahm von seinem Beigeordneten gleich das gesamte Wirtschaftsressort.

Antikenfestspiele und Brot & Spiele: Beide Highlights im Kulturkalender wurden unter Eggers Ägide eingestampft. Brot & Spiele sollte 2014 wiederauferstehen, doch daraus wurde nichts. Das als Ersatz geplante "Nukleus"-Spektakel wurde auch 2015 aufgeschoben. Die Pleite gipfelte im Frühjahr 2016: Weil Egger zwei Hauptsponsoren – Sparkasse und Stadtwerke – von der Fahne gingen, sagte er das „NeroHero“-Open-Air-Musical kurzfristig ab . Auf den 160.000 Euro, die bis dato für Regiearbeit und Vorbereitung bereits ausgegeben waren, blieb die Stadt sitzen.

Trierer Tourismus und Marketinggesellschaft TTM: Weil noch keine Bilanz für 2015 vorliegt, hatte Oberbürgermeister Leibe im Juli eine Sondersitzung des städtischen Aufsichtsrats der TTM einberufen. Nun steht fest: Obwohl das operative Geschäft ein Plus von etwa 80.000 Euro gebracht hat, weist die Bilanz ein Minus von 190.000 Euro aus . Nicht nur grobe Fehler in der Buchhaltung sind dafür verantwortlich. TTM-Prokurist Becker hat in seiner Zeit als Chef des ehemaligen Vereins Tourist-Info Trier offenbar über Jahre kaum Urlaub genommen. In der privaten GmbH TTM müssen dafür in der Bilanz Rückstellungen ausgewiesen werden - die das Ergebnis unterm Strich ins Minus ziehen. Dabei hatte Egger seit 2011 an der Überführung des TiT-Vereins in die TTM GmbH gearbeitet. Das offensichtliche Problem Urlaubs- und Überstundenüberhang war dabei offenbar weder Egger als Geschäftsführer noch dem Prokuristen Becker noch dem zusätzlich beauftragten Steuerberater aufgefallen.

Größte Baustelle Eggers ist allerdings das Theater. Statt die Fragen rund um Führung, Sanierung, Umbau, zweiten potenziellen Standort und Finanzierung Schritt für Schritt systematisch aufzuklären, wird das Schlamassel nur immer noch größer. Jüngstes Beispiel: Egger lässt seinen Intendanten Karl Sibelius alleine ans Frankfurter Bühnenschiedsgericht fahren , um dort die Stadt im Arbeitsstreit um den fristlos gekündigten Schauspieldirektor Ulf Frötzschner zu vertreten - dabei hat Sibelius gar keine Verhandlungsbevollmächtigung in dieser Sache. "Das hätte der Gegenseite bei der Verhandlung auffallen können", versuchte Egger bei einem Pressegespräch die Schuld zumindest ein bisschen von sich zu schieben. Der Gegenseite? Warum nicht ihm, dem studierten Volljuristen? Sibelius hatte ihn schließlich am Morgen der Gerichtsverhandlung über seinen bevorstehenden Alleingang informiert. Egger hätte da noch Nein sagen können.

1,5 Jahre ist Egger noch im Amt. Dass er Fehler gemacht hat, räumt der 46-Jährige ein. "Manches ist aber auch hinter den Kulissen viel komplizierter, als es in der Öffentlichkeit dargestellt wird", sagt er im Gespräch mit dem TV. Bei den Dingen, die schiefgelaufen sind, habe einiges nicht in seinem Einflussbereich gelegen. Die Schuld auf andere schieben wolle er allerdings nicht. "Es ist mir bislang noch nicht gelungen, mein Dezernat so aufzustellen, dass es gut läuft. Vieles habe ich zur Chefsache gemacht, was ich besser delegiert hätte. Ich hätte mich auch manchmal wohl besser durchsetzen und auch mal ein hartes Wort finden müssen." In seiner restlichen ersten Amtszeit - und auch einer eventuellen zweiten - wolle er daran arbeiten. "Ich muss mehr zum Manager werden und weniger Sachbearbeiter sein, der alles selbst regeln will."

Gut geklappt hat das bei der Einführung der kommunalen Geschwindigkeitskontrollen unter Eggers Federführung: statt der eingeplanten schwarzen Null wird die Stadt im ersten Jahr aus den Knöllchen wohl einen Gewinn von 800.000 Euro erzielt. Bitter, dass diese Summe nicht mal annähernd reicht, das 2,6 Millionen Euro-Loch im Etat des Stadttheaters zu stopfen.Das sagen Triers Kommunalpolitiker:

Die Geduld der Fraktionen im Trierer Stadtrat mit Dezernent Thomas Egger (SPD) ist offenbar ausgereizt:
"Der Ärger über den Dezernenten ist bei uns schon länger groß", sagt SPD-Chef Sven Teuber. "Wir haben ihm auch schon deutlich gemacht, dass es so nicht weitergehen kann. Wir wollen konstruktiv daran arbeiten, dass es in den nächsten 1,5 Jahren seiner Amtszeit besser läuft, dass wir die Herausforderungen - wie Theater, Theatersanierung, Neubau der Feuerwehrhauptwache - angehen können - und diese nicht immer noch größer werden."

CDU-Chef Udo Köhler findet noch deutlichere Worte: "Wir werfen Herrn Egger mangelnde Führung vor, in seinem Dezernat herrscht Chaos. Es findet zudem gar keine Kommunikation mit den politischen Gremien statt, was uns in unserer Arbeit behindert. Ob seine Verzögerungstaktik daraus resultiert, dass er Infos bewusst zurückhält oder er selbst über diese gar nicht verfügt, ist mir unklar. Fest steht, dass er in beiden Fällen dringend etwas ändern muss."

Petra Kewes, Fraktionschefin der Grünen im Stadtrat, fordert: "Egger muss jetzt in die Gänge kommen, so kann es nicht weitergehen. Es ist immer das Gleiche: Er informiert den Stadtrat einfach nicht. Offenbar, weil er selbst über vieles keine Kenntnis hat. Es ist eindeutig zu sehen, dass er dringend Unterstützung für seine Arbeit braucht."

"Nicht begeistert": So drückt Tobias Schneider, Fraktionschef der FDP, aus, was er von Thomas Eggers Arbeit hält. "Dass Intendant Karl Sibelius alleine zum Schiedsgerichtstermin nach Frankfurt fahren konnte, ist auch ein Versagen des Dezernenten, das hätte nicht passieren dürfen. Herr Egger ist offenbar völlig blauäugig an die Sache herangegangen. Er muss in Zukunft dringend mehr kommunizieren - und sehr darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, er wolle seine letzten eineinhalb Amtsjahre im Stadtvorstand einfach nur absitzen", warnt Schneider.

Auch Christiane Probst, Fraktionsvorsitzende der FWG, wählt harte Worte: "Es ist einfach nur ungeheuerlich, was in Herrn Eggers Dezernat zurzeit abläuft. Wir sind in der Vergangenheit von ihm schon oft vor vollendete Tatsachen gestellt worden und konnten nur noch reagieren statt agieren. Das Nein zum Feuerwehrbau an der Spitzmühle, die Finanzlage der TTM, der Frötzschner-Gerichtstermin - dass wir diese Dinge aus der Presse erfahren und nicht von Egger selbst, ist unwürdig. Offenbar mangelt es ihm an fachlicher Kompetenz für sein Amt. Wir waren allerdings auch schon bei seiner Wahl vor knapp sieben Jahren nicht von ihm überzeugt." Mehr zum Thema


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