Hartnäckige Hängepartie

Die Hängepartie um das künftige Polizeipräsidium Trier dauert an. Bis Anfang 2011 soll die Kriminaldirektion das durch das Land angemietete ehemalige Post-Hochhaus am Hauptbahnhof beziehen. Wie es mit den anderen Abteilungen aussieht, steht in den Sternen.

Trier/Mainz. Fast zehn Monate ist es her, da ließ Innenminister Karl Peter Bruch auf TV-Anfrage die Katze aus dem Sack. Das neue Polizeipräsidium werde im ehemaligen Post-Hochhaus am Hauptbahnhof entstehen. Polizei und Denkmalschützer atmeten damals auf, denn damit war der umstrittene Neubau nebenan auf landeseigenem, aber archäologisch sensiblem Terrain in unmittelbarer Nähe der einstigen Abteikirche St. Maximin vom Tisch. Nun sollte es also deutlich schneller möglich sein, die auf acht Standorte im Stadtgebiet verteilten Polizeidienststellen wieder unter einem Dach zu vereinen.

Bis Ende September 2009 scheint man aber noch nicht so richtig vorangekommen zu sein, denn im Ex-Post-Hochhaus deutet noch nichts auf eine künftige Polizei-Nutzung hin.

"Wir sind aber fleißig am Planen", beteuert Markus Ramp, Pressesprecher des zuständigen Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) in Mainz. Wilfried Biewer, Vorstandsmitglied des Immobilienbesitzers Triwo AG, bestätigt, dass sich etwas tut: "Der Mietvertrag mit dem Land läuft seit 1. Juni. Ich gehe davon aus, dass der Umbau Ende des Jahres beginnt."

Doch nicht alles unter einem Dach?



Beim Polizeipräsidium Trier plant man den Umzug der zurzeit in der Güterstraße untergebrachten Kriminaldirektion ins Hochhaus "termingerecht für Ende 2010", erklärt Sprecherin Monika Peters. Ein detaillierter Zeitplan für eine Gesamt-Unterbringung der Präsidiums-Abteilungen (insgesamt 400 Leute) könne aber "derzeit nicht erstellt werden, da die erforderlichen Grundlagen wie zum Beispiel Baurecht und Umgang mit dem Denkmal St. Maximin nicht abschließend geklärt sind". Einen konkreten Bauzeitenplan könne man erst "nach Abschluss der Planungen bezüglich des Hochhaus-Bezugs" erarbeiten. Sprich: nicht vor Januar 2010.

Genau da liegt der Hase im Pfeffer, denn mithin schmilzt der vermeintliche Zeitgewinn dahin, ohne dass es eine Aussage gibt, wie der über die Kapazitäten die des Hochhauses hinaus gehende Platz-Bedarf - rund 3000 Quadratmeter - am Ex-Post-Standort gedeckt werden soll, geschweige denn, bis wann.

Das nährt die Vermutung, das Land wolle gar kein "Alles unter einem Dach"-Präsidium mehr. Dem widerspricht der LBB butterweich: "Das Ziel der Komplett-Unterbringung hat sich zwischenzeitlich nicht geändert."

Weiterhin ungewiss ist die Zukunft des ehemaligen Polizeipräsidiums an der Südallee. "Über eine neue Nutzung und Veräußerung des Geländes können wir noch nichts sagen. Deshalb gibt es auch noch keine Gespräche mit potenziellen Investoren", erklärt LBB-Sprecher Ramp.

An der erklärten Absicht der Stadt Trier, das Ex-Präsidiums-Areal in ihre Überlegungen zum neuen Standort für die Berufsfeuerwehr mit einzubeziehen, scheint aber aus Mainzer Sicht nicht viel dran zu sein. Ramp: "Die Stadt hat hierüber noch keine Gespräche mit dem LBB geführt."

Meinung

Es dauert und dauert und dauert

Trierer Polizisten sind nicht zu beneiden. Erst müssen sie raus aus dem alten Präsidium, das zumindest teilweise als mit gesundheitsgefährdenden Stoffen belastet gilt. Vielen von ihnen werden muffige und beengte Ersatz-Büros zugewiesen, verteilt übers ganze Stadtgebiet. Es folgt ein Wechselbad der Gefühle. Erst sollte ein kompletter Präsidiums-Neubau kommen - fein, aber dann erwies sich der ausgesuchte Standort gegenüber von St. Maximin als denkbar ungeeignet. Dann zaubert Innenminister Bruch zur kollektiven Freude einen Plan B aus der Tasche: Wir ziehen eine Hausnummer weiter zur Miete in ein komfortables Hochhaus. Das muss zwar erst noch hergerichtet werden, aber statt "2013 plus X" könnte die Zusammenführung aller Abteilungen bis 2011 über die Bühne gehen. Doch auch dar aus dürfte nichts werden, zumindest nicht aus der Komplettlösung. Denn die braucht mehr Platz, als das Hochhaus bietet, die Überlegungen für Erweiterungsbauten sind noch gar nicht angestellt. Woran liegt's? Höchstwahrscheinlich am Behörden-Dickicht. Am Projekt "Präsidium Trier" sind nebst Landes-Baubetrieb und der Stadt Trier (Baugenehmigungsbehörde) das Innenministerium (Nutzer) und das Finanzministerium (muss Miete und Neubauten zahlen) beteiligt. Und schließlich mischt auch noch der Landesrechnungshof mit. "Schneller als die Polizei" - das ist woanders. r.morgen@volksfreund.de