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Haselhuhn bremst Windkraft aus - Neue Fläche in der Verbandsgemeinde Trier-Land schrumpft um mehr als 100 Hektar

Haselhuhn bremst Windkraft aus - Neue Fläche in der Verbandsgemeinde Trier-Land schrumpft um mehr als 100 Hektar

Zuerst hatten die Bürger das Wort. Als Konsequenz hat die Verbandsgemeinde Trier-Land ihre Pläne für neue Windkraftflächen angepasst. Vor allem das Haselhuhn sorgt für eine Verkleinerung der Gebiete. Vermutlich im Januar geht es bei der Bürgerbeteiligung in die zweite Runde.

Langsur/Franzenheim. Mathematik kann einfach und so schwierig sein. 17 565 Hektar groß ist die Verbandsgemeinde Trier-Land. Der Verbandsgemeinderat hatte sich auf 25 Kriterien geeinigt, die ein Gebiet erfüllen muss, damit dort Windräder gebaut werden dürfen. Unter anderem geht es um Entfernungen zu Wohnhäusern, um die Stärke des Winds oder das Vorkommen geschützter Arten. Legt man diese Kriterien auf das Gebiet der VG an, blieben bis zur jüngsten Sitzung des VG-Rats 696 Hektar übrig. Nach der Sitzung sind es noch 517 Hektar.
Rund 650 Anregungen und Einwände und daraus resultierende Erkenntnisse sind Grund dafür, dass die Pläne geändert worden sind. Zu diesem Plan können Behörden und Bürger nach Auskunft von Bürgermeister Wolfgang Reiland vermutlich ab Januar erneut Stellungnahmen abgeben.Diskussion um Kordel


Was sich ändert und was gleich bleibt:
Rund 230 Hektar groß sollte das Gebiet bei Franzenheim sein, auf dem Windräder erlaubt sein sollten. Doch hat ein Sachverständiger für den Artenschutz dort Haselhühner entdeckt. Dieser scheue Waldvogel ist selten und bedarf eines besonderen Schutzes. Deshalb wurde die Fläche am Mattheiser Wald um 106 Hektar verkleinert.
Gewachsen auf 34 Hektar ist die Fläche bei Kordel. Die Räte hatten sich bei den Vorberatungen mehrheitlich für dieses Gelände ausgesprochen. In der Sitzung wollte CDU-Fraktionschef Alexander Bohr eine Kehrtwende. Er verwies auf die Beeinträchtigung des Landschaftsbilds durch Windräder. Die seien unter anderem auch von der Burg Ramstein aus zu sehen. Auch Newels Ortsbürgermeister Willi Arnoldy (CDU) hatte Bauchschmerzen, da mögliche Windräder vom Ortsteil Butzweiler aus zu sehen seien.
Der als juristische Berater von der VG beauftragte Rechtsanwalt Paul Henseler machte deutlich, dass die 25 Kriterien auf die gesamte VG anzuwenden seien. Sie dürften nicht für einen Ort modifiziert werden. Zudem müsste eine Entscheidung gegen dieses Gebiet mit fachlichen Argumenten begründet werden, die stärker wiegen als die fachliche Begründung, die der Entscheidungsvorlage zugrunde liegt. Und auch Kordels Ortsbürgermeister Medard Roth (FWG) machte klar, dass seine Ortsgemeinde den Windkraftstandort will.
Am Ende setzten sich die Befürworter durch. Mit 18 zu neun Stimmen votierte der Rat dafür, das Gebiet auf dem Bergrücken oberhalb des Kylltals weiter zu verfolgen.
Grund für eine Protestaktion vor dem Versammlungsort in Langsur war die für Windkraft vorgesehene Fläche bei Zemmer. Das Gebiet war 63 Hektar groß und soll künftig 58 Hektar groß sein. Grund für die Veränderung ist ein Hinweis des Forstamts Trier auf alte Laubwaldbestände. Der Hinweis von Ratsmitglied Melitta Wallenborn (CDU) aus Zemmer-Schleidweiler auf das Landschaftsbild blieb ungehört.
Kleiner als bisher geplant wird das Gelände nördlich von Ralingen. Das schrumpft von 159 auf 89 Hektar, weil Planerin Anke Uhlig wegen der bereits vorhandenen Windrädern zum Schluss gekommen war, dass ein größeres Gebiet zu sehr das Landschaftsbild störe.
An einer kleinen Splitterfläche des Gebiets zwischen Igel und Langsur entzündete sich dann eine Diskussion um den Moselaufstieg. Die Fläche wurde aus dem Plan gestrichen, weil sie im Bereich einer möglichen Trasse für die Straße liegt. Trierweilers Ortsbürgermeister Matthias Daleiden (FWG) hätte die Fläche gerne im Plan gelassen, um die Straße zu verhindern. Doch es blieb beim Wunsch. Die Fläche (63 Hektar) wurde nur an anderer Stelle etwas verkleinert.
Keine Diskussion gab es über die neue Fläche bei Welschbillig-Ittel (weitere 20 Hektar). In unmittelbarer Nähe will die VG Bitburger-Land Platz für Windräder ausweisen. Ebenfalls Teil des Flächennutzungsplans sind die Gebiete bei Welschbillig (76 Hektar) und Trierweiler (53 Hektar), wo sich bereits heute Rotoren drehen.
Eine vergrößerbare Karte gibt es zu sehen unter dem Menüpunkt Flächennutzungsplan auf der Seite www.trier-land.deMeinung

Sonderwünsche sind kontraproduktiv
Die Mehrheit im Verbandsgemeinderat hat gut daran getan, trotz Sonderwünschen für die potenziellen Windkraftflächen im Kylltal und Meulenwald weiter mit diesen Gebieten zu planen. Denn ansonsten wäre die gesamte bisherige Arbeit für die Katz gewesen. Schließlich wird sich für jede der geplanten Flächen jemand finden, der damit nicht einverstanden ist. Dem hätte man dann auch nachgeben müssen. Die Ergebnisse der ersten Offenlegung haben gezeigt, dass die Vorstellungen der Räte nicht in Stein gemeißelt sind. Wo es gute und fundierte Argumente gab, wurde der Plan verändert. Es hat sich jedoch auch gezeigt, dass eine pauschale und grundsätzliche Anti-Haltung wenig erfolgversprechend ist. Kreuze auf Vordrucken mit pauschaler Kritik reichen eben nicht. An dieser Stelle muss der ein oder andere Windkraftgegner noch nachlegen. h.jansen@volksfreund.deExtra

Wo in der VG Schweich Vorranggebiete für Windräder ausgewiesen werden sollen, darüber berät der Verbandsgemeinderat Schweich am Montag, 7. Dezember, ab 16 Uhr im Bürgerzentrum in Schweich. Vorgestellt und abgewogen werden die Ergebnisse der zweiten Offenlage. Etwa 1600 Anregungen und Bedenken haben Bürger und Institutionen vorgebracht. Wie die Sitzung ablaufen soll, darüber wollen Verwaltung und Fraktionen am Montag sprechen. Nach der ersten Offenlage hatte es 472 Einwände gegeben; die damalige Beratung im VG-Rat dauerte acht Stunden. alf