Hauptsache handgemacht

TRIER. Konserve war nicht erlaubt: "Handgemacht" lautete das Prädikat, das die Musiker von sich und ihren Kollegen erwarteten. So griffen sie beherzt in die Saiten und boten akustische Einblicke in das Alltagsleben. Von Kanzem bis Bitburg waren sie angereist, um das gut besuchte achte Gipfeltreffen der Liedermacher in der Tufa zu begehen.

Sein Name könnte passender nicht sein: Walter Liederschmitt, alias "Woltähr" hat auch in diesem Jahr musikalische Mitstreiter zusammengetrommelt und schmiedet im kleinen Saal der Tufa ein buntes Programm mit Überraschungseffekt. "Es ist nie klar, was der Nächste machen wird, aber am Ende passt alles zusammen", ist sich Woltähr sicher. Drei Lieder pro Künstler sind nicht viel, reichen aber doch, um einen Einblick in das Repertoire zu bieten. Nachdenkliche Töne

Uwe Reinhard alias "Jimi Berlin" singt von Autobahn-Gedanken. Asphaltierte Straßen in Kombination mit Klassikern aus dem Autoradio kurbeln sein Erinnerungskarussell so rasant an, bis er sich "Kopfüber in unübersichtlichen Kurven" wieder findet. Im Anschluss an den "Man in Black" ist Achim Weinzen absolutes Kontrastprogramm: Während seine hellblonden Haare und die tiefrote Gitarre aus dem schwarzen Bühnenbild herausstechen, schleicht sich seine Stimme auf eher dezenten Wegen in die Gehörgänge. Gerstenbrauer würden ein solches Phänomen wohl als "sanftes Blondes" bewerben. Kein Vergleich zu Reinhard, der seinem Naturell entsprechend provokativ mit Verstärker und Publikum spielt. Nachdenkliche Töne schlagen Karin Otto und Jürgen Trunczik an. Sperrig wirken ihre anklagenden Songs jedoch nur im ersten Moment. Das Duo spielt sich merklich frei und unterlegt seinen Traum von einer besseren Welt mit einem Klangteppich, der aufhorchen lässt. In seinem Soloprogramm überzeugt Trunczik auch als "Einzelklampfer". Äußerst augenzwinkernd berichtet er vom preußischen Putzfimmel und übertriebenem Körperkult, der Männerhintern schrumpfen und Muskelpakete potenziell anwachsen lässt. Als Patric Ludwig die Bühne betritt und schüchtern seine Notenkladde aus dem ökologisch wertvollen Stoffbeutel zieht, ahnt niemand, dass er das Publikum als Erster des Abends zu Zugabe-Rufen hinreißen wird. Je länger er mit seinem provinziellen Charme um sich wirft, desto stärker zucken die Lachmuskeln der Zuschauer.Nicht nur in Deutsch

Ein vermeintlich schwerer Stand für Markus Mich, der direkt nach dem skurrilen Saarburger auftritt. Doch mit der Unterstützung von "Frau Hotte" und "Mister Kanister" bestätigt er, dass auch das "Wengert-Stompers"-minus-drei-Prinzip aufgeht - der Nitteler singt solo recht solide. Wer glaubt, dass die häufig idealistisch angehauchte Spezies der Liedermacher sich stets als Einzelkämpfer aufspielt, liegt falsch, wie das anschließende Programm beweist. So entführt die noch recht junge Formation "Why didn't they ask Evans" (Agatha Christie lässt grüßen) mit ihren Klängen auf grüne, irische Wiesen, besingt Windräder als "freundliche Riesen" oder beugt mit "Stuck" das ungeschriebene Gesetz, dass sich Liedermacher ausschließlich des Deutschen bedienen.