Hauptstraße als Wahlkampf-Keule

Wie erreichen wir, dass unsere Hauptstraße zur Kreisstraße aufgestuft wird und Kasel nicht für die teure Sanierung aufkommen muss? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Sitzung des Gemeinderates Kasel.

Fast nur Durchgangsverkehr: Die Kaseler Hauptstraße ist eine Verkehrsader. TV-Foto: Friedhelm Knopp

Kasel. Die Hauptstraße bildet für rund 8000 Bewohner des unteren Ruwertals die kürzeste Anbindung an die B 52 auf der Höhe und damit an das Fernstraßennetz der Region. Rund 1500 Fahrzeuge durchfahren täglich den Ort. Die strapazierte Gemeindestraße müsste dringend für 1,4 Millionen Euro saniert werden. Doch die Zeche hätten derzeit die Gemeinde und ihre Bewohner über die wiederkehrenden Beiträge zahlen. Nach einer Aufstufung zur Kreisstraße würde hingegen der Kreis Trier-Saarburg zum Kostenträger. Doch jahrelange Bemühungen der Gemeinde, die Heraufstufung auf politischer und rechtlicher Ebene zu erreichen, sind bisher gescheitert. Den Schlusspunkt setzte das Oberverwaltungsgericht (OVG). Es bestätigte die Auffassung des Landes und des Landesbetriebes Mobilität (LBM), wonach die Straße im Gesamtwegenetz von untergeordneter Bedeutung sei und nicht heraufgestuft werden sollte (der TV berichtete).

Soll Kasel nun vors Bundesverwaltungsgericht ziehen und auf Zulassung einer Revision klagen? Einstimmig entschied sich der Ortsgemeinderat dagegen, nachdem Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Ewald vor diesem teuren wie aussichtslosen Schritt gewarnt hatte.

Als weitere Option wurde eine Sperrung der Straße für den Durchgangsverkehr diskutiert - diese Möglichkeit hatte auch das OVG empfohlen. Die Folge wäre, dass der ebenfalls mit Durchgangsverkehr belastete Nachbarort Mertesdorf rund 1500 Fahrzeuge mehr ertragen müsste. Die Mehrheit hielt es für sinnvoller, beim Kreis erneut die Aufstufung der Hauptstraße zu beantragen, dabei Mertesdorf und Waldrach mit ins Boot zu holen und politischen Druck auszuüben.

"Uns wird der Kommunal-Wahlkampf im kommenden Jahr sehr gelegen kommen", meinte Ortsbürgermeister Ewald - und das meinten auch alle Ratsmitglieder, die ihre volle Unterstützung zusagten. Außerdem wird Ewald auf Vermittlung des SPD-Landtagsabgeordneten Manfred Nink ein Gespräch mit Verkehrsminister Hendrik Hering führen. Ewald: "Ob es hilft, weiß ich nicht. Aber ich kann wenigstens mal die Meinung des Ministers einholen."

Meinung

Kasel braucht Mitstreiter

Im Streit um die überlastete Kaseler Ortdurchfahrt stehen die Zeichen auf (Wahl-)Kampf. Ob die Kommunalwahl 2009 jedoch als Hebel für genügend politischen Druck ausreicht, ist fraglich. Letztlich steht Kasel doch alleine da und es geht um viel Geld. Auf den Versuch sollte man es jedoch ankommen lassen. Scheitert er, bleibt den Kaselern nur noch die Schließung der Straße als letztes Mittel. Insbesondere Mertesdorf als möglicher Hauptbetroffener sollte daher an einer Lösung mitarbeiten. f.knopp@volksfreund.de