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Haus Franziskus: Stadt mietet Hinterhaus für Seniorenbüro und sagt: Mehr geht nicht - AfD und Stiftung sagen: Ginge doch

Haus Franziskus: Stadt mietet Hinterhaus für Seniorenbüro und sagt: Mehr geht nicht - AfD und Stiftung sagen: Ginge doch

Es klang wie eine gute, kaum zu toppende Nachricht, als Bürgermeisterin Angelika Birk die Anmietung der Haus-Franziskus-Remise als neues Domizil des Seniorenbüros verkündete. Im Stadtrat bügelte sie die AfD-Fraktion ab, als diese forderte, das gesamte Haus für Seniorenarbeit zu mieten: Geht nicht! Ginge wohl, sagt hingegen die Herbert-und-Veronika-Reh-Stiftung, der das Haus gehört.

Raus aus den beengten Verhältnissen des Turms Jerusalem im Palais Walderdorff - rein in die ehemalige Remise (Kutscherhaus) des Hauses Franziskus. Das ist für die Mitarbeiter des städtischen Seniorenbüros und ihre "Kunden" tatsächlich eine gute Nachricht. Aber offenbar auch nur die halbe Wahrheit.
Man muss nicht einmal ein Schelm sein, um da an Zufälligkeiten zu denken. Es war 16.20 Uhr am Dienstag, als das städtische Presseamt diese Nachricht per E-Mail an die Medien verschickte (der TV berichtete in der Mittwochausgabe). 40 Minuten später begann die Sitzung des Stadtrats, der sich ebenfalls mit dem Haus Franziskus befassen sollte - auf Antrag der Alternative für Deutschland (AfD).

Die Mini-Fraktion (zwei Mitglieder) hatte beantragt, die Stadt solle das gesamte Gebäude mieten und es zum "Haus der Senioren" machen. Das wäre nach der Schließung des vor allem von älteren Menschen besuchten "Begegnungsforums Haus Franziskus" doch eine sinnvolle Lösung. Diesen Vorschlag betrachtete Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Angelika Birk (Grüne) mit Hinweis auf die Anmietung des Hinterhauses als obsolet und zudem unrealisierbar: Die Herbert-und-Veronika-Reh-Stiftung, der das Haus Franziskus seit dem 27. Oktober gehört, habe andere Pläne mit dem für die Stadt ohnehin "unerschwinglichen" Gebäudetrakt. Nach fast halbstündiger Debatte zog AfD-Vormann Michael Frisch den Antrag zurück. Aber wohl nur, um ihn bei passender Gelegenheit erneut zu stellen, was im Falle einer bereits erfolgten Abstimmung frühestens nach sechs Monaten wieder möglich gewesen wäre. Frisch war nach eigenem Bekunden "sehr erbost über das Verhalten der Verwaltung".

Die TV-Nachfrage bei der gemeinnützigen Stiftung von Herbert (85, Cousin von Günther Reh) und Veronika Reh (wird am 5. Dezember 72) ergab in der Tat ein anderes Bild als das von Angelika Birk geschilderte.
"Die Stadt hat nicht über eine Nutzung des Vorderhauses mit uns gesprochen", sagt Stiftungsvorstandsmitglied Manfred Bitter. Gleichwohl könne sich die Stiftung die Stadt sehr gut als Mieter vorstellen: "Wenn Interesse besteht, würden wir uns einer guten städtischen Nutzung nicht verweigern." Zudem sei eine "entgegenkommende Miete" denkbar. Die von Birk angesprochenen anderweitigen Pläne gebe es "noch nicht. Wir führen jedoch Gespräche mit Interessenten."
Michael Frisch bleibt dabei: "Wir wollen das ganze Gebäude als Haus für Senioren und werden weiterhin dafür kämpfen."