"Hausaufgaben gehasst"

TRIER. Professor Dr. med. Bernd Krönig, Leitender Arzt der Inneren Abteilung des Evangelischen Elisabeth Krankenhauses in Trier, wurde am 20. Oktober 1939 in Wiesbaden geboren.

Ob das Foto, auf dem Professor Bernd Krönig neun Monate alt ist, in Ludwigshafen oder Wiesbaden aufgenommen wurde, weiß er nicht. Umzüge, auch unfreiwillige, bedingt durch die Kriegswirren, hat er einige miterlebt. Unvergesslich bleibt ihm die Situation, als er als Vierjähriger, die von der Mutter zubereitete Lieblingsspeise, einen Pudding, nicht essen durfte. "Er war nach einem Fliegerangriff voller Glasscherben und nicht mehr genießbar." Der Krieg war turbulent. Schlimme Szenen sind bis heute im Gedächtnis geblieben.Risikobereit und tierlieb

Trotz schlechter Bedingungen sei er ein zufriedenes und fröhliches Kind gewesen. Das verrate auch das Foto. Und: Kontaktfreudig, "Risikobereit und sehr tierlieb, so charakterisiert der Professor den kleinen Bernd Krönig. Draußen am Bach hat er leidenschaftlich gerne gespielt und Auf-Bäume-Klettern hat ihm Spaß gemacht. Mit neun Jahren engagierte er sich im Tierschutzverein. Der Vorsitzende, dessen Namen er nicht mehr weiß, war sein Idol. "Ich habe sein Engagement, sein Organisationstalent, und dass er uns Kinder ernst nahm und uns vieles zutraute, sehr geschätzt", erinnert sich der dreifache Vater und Großvater. Mit 13 Jahren leitete er eigenständig die erste Gruppe im Verein und rauchte (!) die beiden ersten und letzten Zigaretten. Die Folge: eine Lektion fürs Leben. "Mir wurde sehr übel." Nachhaltig gestärkt hat den Jungen die intensive Zuwendung der Eltern, "besonders die der Mutter". Und die Korrektheit des Vaters, eines erfolgreichen Chemikers. "Es musste stimmen", hat sowohl ihm als auch dem älteren Bruder sehr imponiert. Der Volksschüler und Gymnasiast Bernd Krönig war "nicht furchtbar strebsam". "Erst kurz vor dem Abitur habe ich mich berappelt." Wiederholt hat er keine Klasse. Und: "Schule schwänzen wäre undenkbar gewesen." Gehasst hat er die Hausaufgaben. "Nur unter Druck habe ich sie erledigt." Geliebt hat er die naturwissenschaftlichen Fächer - und Anne- Marie, seine erste große Liebe, ein Mädchen aus der Nachbarschaft. "Sie war ein oder zwei Jahre älter. Ich weiß gar nicht, was aus ihr geworden ist."Die Erzählung des Geschichtslehrers

Frühzeitig war Bernd Krönig klar, dass er einen Beruf mit Menschen und für Menschen ergreifen will. Das Schlüsselerlebnis war die Erzählung seines Geschichtslehrers, der in russischer Gefangenschaft war: Eine alte Bäuerin hatte den "Dr. phil." auf einer Liste entdeckt. Inständig hoffte sie, dass er dem sehr kranken Vater helfen könnte. "Dr phil." musste die verzweifelte Frau enttäuschen. "Ich wäre besser Mediziner geworden", hatte er gesagt. Die Schilderung hat Bernd Krönig lange bewegt: "Vielleicht kann ich mein Leben so gestalten, das ich helfen kann." In Köln, München und Düsseldorf studierte Krönig Medizin. Heute ist er Chefarzt der Inneren Abteilung des Krankenhauses und setzt sich unter anderem für das Nichtrauchen ein.