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Hebamme warnt: Mangel an Geburtshelferinnen birgt enorme Gefahren

Hebamme warnt: Mangel an Geburtshelferinnen birgt enorme Gefahren

Der Mangel an Hebammen birgt enorme Gefahren – das sagt Ute Bösen, die Vorsitzende des Hebammen-Kreisverbandes Trier-Saarburg und Bitburg-Prüm. Sie fürchtet sogar einen Anstieg der Sterblichkeitsrate für Säuglinge. Stadt und Kreis melden steigende Besuche der im April gestarteten Hebammennotdienste in Konz und Trier.


Die Versorgung von Müttern nach der Geburt ist stark gefährdet - diese Warnung vieler Hebammen in der Großregion Trier ließ die Stadt Trier und den Landkreis Trier-Saarburg gemeinsam aktiv werden. Eine Koordinierungsstelle für Hebammen startete am 18. April .

Der Kreis beauftragte den Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) mit der Einrichtung dieser Stelle. Stadt und Kreis teilen sich den Zuschuss von 5000 Euro für ein Probejahr bis Mai 2017. Der SKF bietet auch einen Telefondienst an (siehe Extra). Die Stelle verzeichnet einen "stetigen Anstieg der Anfragen". Der SKF hat bereits eine genaue Statistik für den Jahreswechsel angekündigt.

Neben der Koordinierungsstelle wurden insgesamt vier offene Sprechstunden à zwei Stunden pro Woche eingerichtet. Der Landkreis stellt für die Hebammensprechstunde Räumlichkeiten in der Beethovengalerie in Konz zur Verfügung. Die Stadt Trier bietet eine Sprechstunde in den Räumen von Pro Familia an. Alle Sprechstunden in Konz und Trier können von Frauen aus der Stadt und dem Landkreis besucht werden. Beide Kommunen legen eine erste Statistik vor.
In Konz wurden seit dem Start im April 58 Sprechstunden angeboten. 83 mal wurden sie in Anspruch genommen, 50 Mütter wurden konkret von Hebammen betreut und kamen mehrere Male. Bei Pro Familia in Trier fanden 17 Notsprechstunden statt, zehn Mütter wurden versorgt. Sie kamen überwiegend aus Trier.

Seit Ende Juli besuchen bis zu vier Mütter jede Sprechstunde. Deshalb soll es nach dem Probejahr weitergehen. "Eine Weiterführung des Projektes erscheint sinnvoll, da sich perspektivisch am Hebammennotstand nichts verändern wird und durch die offenen Sprechstunden zumindest eine Notversorgung der Frauen und Kinder gewährleistet werden kann" - das verrät eine vom Jugendamt erstellte Informationsvorlage für den Ausschuss des Sozialdezernats. Noch gibt es keinen festen Beschluss.

Der Hebammennotdienst muss aus Sicht von Ute Bösen, der Vorsitzenden des Hebammen-Kreisverbandes Trier-Saarburg und Bitburg-Prüm, unbedingt weitergeführt werden. "Denn es kommen immer wieder Familien in die Sprechstunde, denen zu Hause die zu geringe Gewichtszunahme, Gelbsucht oder entzündete Bauchnabel bei Säuglingen nicht aufgefallen sind." Das liege daran, dass es zu wenig Nachsorgeheb-ammen gebe. Auch Ausbildungsplätze würden nicht besetzt. "Der Hebammenberuf wird eben wegen sehr hoher Versicherungsbeiträge immer unattraktiver." Eine Einzelbetreuung von Familien mit Neugeborenen sei schon lange nicht mehr gegeben.

Die Situation wirke sich auch auf Kliniken aus, betont Bösen. So habe das Mutterhaus in Trier bei Geburten zuletzt eine Kaiserschnittquote von 43 Prozent gehabt. "Es muss dringend politisch etwas geschehen", sagt die Hebamme. "Es wird gefährlich. Wenn es so weitergeht, ist es sogar möglich, dass die Sterblichkeitsrate von Säuglingen in Deutschland ansteigt."

Die Sterblichkeitsrate gilt laut Zahlen der Ärztezeitung im Vergleich schon jetzt als hoch. In Deutschland stirbt laut dieser Statistik jedes 303. Kind vor dem ersten Geburtstag, in Luxemburg ist es nur jeder 666. Säugling. Das Großherzogtum hat damit weltweit die niedrigste Säuglingssterblichkeit. Auch in Griechenland, Spanien, Italien, Schweden und Norwegen liegt die Rate niedriger als in der Bundesrepublik.

20 Hebammen betreuen die Notdienste in Konz und Trier. In der Beethovengalerie Konz finden drei Sprechstunden statt: montags und mittwochs von 9 bis 11 Uhr sowie samstags von 13 bis 15 Uhr. In Trier wird eine offene Sprechstunde donnerstags von 15 bis 17 Uhr bei Pro Familia angeboten.

Der Telefondienst des Sozialdiensts Katholischer Frauen berät die Anrufer und hilft zum Beispiel bei der Suche nach einer Hebamme. Auskunft gibt diese Hotline montags bis freitags, 10 bis 12 Uhr, sowie mittwochs von 14 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 0651/9496-555.