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Heiligabend auf der Geburtstation: Babys kennen keine Feiertage

Weihnachten : Kreißsaal statt Krippe an Heiligabend? Ein ganz normaler Geburtstag

Der 24. Dezember ist ein besonderer Tag. Jesus ist aber bei weitem nicht das einzige Kind, das an diesem Tag geboren wurde. Einblicke in die weihnachtliche Geburtshilfe.

Kern des weihnachtlichen Geschehens ist die Geburt eines Kindes, das Gott und Kind gleichzeitig ist. Dises kam – folgt man der Bibel – nur einmal in der Menschheitsgeschichte vor. Dass am 24. Dezember Babys zur Welt kommen, ist aber gar nicht selten. Der US-Luftfahrtpionier Howard Hughes (1905), der deutsche Politiker Hans Eichel (1941), Motörhead-Frontmann Lemmy Kilmister (1945) oder Twilight-Autorin Stephenie Meyer (1973) – sie alle feiern am selben Tag wie Jesus Geburtstag. Und damit sind sie nicht alleine. Auch in Trier werden alljährlich etliche Kinder am 24. Dezember geboren.

Wie sich die Geburtstation des Mutterhauses Trier auf Heiligabend vorbereitet

Das bestätigt der Leitende Oberarzt der Geburtsstation im Klinikum Mutterhaus der Borromäerinnen in Trier, Dr. Gerd Lenninger. In der größten Geburtsklinik der Region kamen dieses Jahr bis zum 20. Dezember 2211 Kinder zur Welt. Und auch an Heiligabend werden wohl weitere Geburten hinzukommen.Die Wahrscheinlichkeit einer Geburt sei genauso groß wie an jedem anderen Tag. Lenninger sagt: „Neugeborene richten sich nicht nach Feiertagen.“ 2020 sind beispielsweise zwischen 0 Uhr am 24. Dezember und 6 Uhr am 25. Dezember 13 Kinder im Mutterhaus geboren worden, darunter einmal Zwillinge.

Wegen dieses Aufkommens haben einige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Mutterhaus-Geburtsstation an diesem Tag, an dem die meisten im Kreis ihrer Familie feiern, alle Hände voll zu tun. „An Heiligabend sind pro Schicht drei Hebammen, ein Facharzt, zwei Assistenzärzte und ein Oberarzt sowie Schwestern und Ärzte der pädiatrischen sowie der anästhesiologischen Abteilung im Dienst“, sagt Lenninger. Der OP sei in Dauerbereitschaft.

Kreißsaal und Stall – ein Vergleich vom Leitenden Oberarzt Dr. Gerd Lenninger

Und der Kreißsaal ist aus Lenningers Sicht der „authentischste Ort, um Weihnachten zu feiern“. In Analogie zu der Weihnachtsgeschichte komme dort ein Wunder zur Welt, „aus zwei Zellen wird ein Kind in seiner Vielfalt und Komplexität geschaffen. Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk für die Eltern“, sagt der Leitende Oberarzt.

Die Geburt eines Kindes im Stall vergleicht der Mediziner mit einer Hausgeburt im ursprünglichen Sinn. Grundsätzlich werde eine solche Geburt noch auf vielen Kontinenten – etwa in Afrika oder Asien – praktiziert. „Dass eine Frau in Deutschland ihr Kind allein zur Welt bringt, ist sicherlich selten“, sagt Lenninger. „In Deutschland hat sich die Geburtshilfe stark gewandelt, nicht zuletzt dank medizinischen Fortschritts.“ Das Bedürfnis nach Sicherheit sei sehr groß. Nach einer Geburt in der Klinik könnten die Frauen mit Kind bei unkompliziertem Verlauf aber noch am selben Tag wieder nach Hause.

Auch die werdenden Väter spielen heute in der Geburtsbegleitung eine wichtige Rolle. „Wie sich ein Mann während der Geburt verhält, ist sehr individuell und hängt sicherlich auch mit der eigenen Persönlichkeit und Dynamik der Partnerschaft zusammen“, sagt Lenninger. „Die Nähe und das Dasein des Mannes sind in der Regel essentiell für die Frau während einer Geburt.“

Der Mann könne auch für eine Hebamme eine große Unterstützung sein.Oft freuten sich die Väter, wenn sie eingebunden würden und den Müttern aktiv helfen könnten. Da seien zum Beispiel entspannende Massagen, wärmende Kirschkernkissen oder die Unterstützung von Gebärpositionen möglich. Und: „Wie möglicherweise Josef im Stall, so bestaunen viele Väter das Wunder der Geburt und zeigen sich zutiefst gerührt.“