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Heiligenfiguren: Wie Johannes und Paulus nach Korlingen kamen

Heiligenfiguren : Wie Johannes und Paulus nach Korlingen kamen

Bernhard Hoffmann erzählt Neues vom Pitter, der zuletzt erreicht hatte, dass Korlingen eine größere Kapelle bekam. Doch dort fehlen noch Heiligenfiguren. Nötig ist mal wieder eine zündende Idee.

Die Kapelle in Korlingen wurde nach dem Bau 1769 den Heiligen Johannes und Paulus geweiht. Da hatte der Abt Lejeune vom Kloster St. Martin in Trier den Korlingern zwei Statuen der Patrone versprochen. Oh, wie sie ihm da die Hand küssten und sich so schön angemalte lebensgroße Figuren vorstellten. Oder war es nicht so, dass der eine einen Krieger mit Schwert und der andere einen lockigen Jüngling in Samt und Seide vor sich sah? Bei Letzterem schwebte noch eine Taube darüber. Wunderschön musste das werden.

Auch der Pitter hatte dem Abt die Hand geküsst und ganz frech gefragt: wann? Er müsse sich in Geduld fassen, das sei eine christliche Tugend, belehrte ihn der Abt. Nun ja, erwiderte der Pitter, eine menschliche Geduld habe er schon, aber zu einer himmlischen fehle ihm der Faden. Da schaute ihn der Abt nur pikiert an und ging seines Weges.

Ja, und dann war der Sommer vorüber, der Herbst kam. Der Pfarrer sollte wieder nachfragen. Aber der war immer schon sehr vergesslich. Herr Pfarrer, sagte der Pitter, erklären sie dem Abt, dass ohne den Heiligen Johannes unseren Hirten der Patron fehlt und ohne den Heiligen Paulus die Lehre unseres katholischen Glaubens in Gefahr geraten könnte, die Ketzer stünden schon in der Pfalz. Der Pfarrer war erschüttert und lief nach Trier – und hatte es scheinbar schon wieder vergessen. Es kam nämlich nichts.

Versprochen ist versprochen, maulte der Pitter bei seiner Katharina, mit der er sich mal wieder heimlich hinter der Scheune traf. Warten ist nicht deine Stärke, sagte sie nur. Und da sie ihn jetzt küsste – zum ersten Mal! –, tja, da waren die Gedanken beim Pitter erst mal verscheucht. Noch einen Kuss.

Ich warte eine Woche, sagte er, als sie sich verabschiedeten und sein Verstand wieder herauskam aus der Ecke, in den der Pitter ihn beim Küssen verbannt hatte. Und seine Wut war wieder da.

 Auf den Altar der Kapelle gehören keine Holzklötze! 
Auf den Altar der Kapelle gehören keine Holzklötze!  Foto: Christina Bublitz

Und sie biss und bohrte die ganze Woche über, bis dann, oh ja, jetzt langt es! Dann ging er nach Trier zum Kloster. Dort traf er nur den Kaplan – und das war schlecht. Der hatte die Abrechnungen falsch geführt und war beim Abt in Ungnade gefallen. Jetzt musste er die Frühmesse halten, wo er doch Langschläfer war. Ui, der hatte auch so eine Wut im Bauch; und so prallten sie aufeinander.

Erst geht’s ja noch gesittet zu. Es sei versprochen. – Sie hätten andere Sorgen. – Zum Abt! – Nicht da! – Seit Monaten nichts getan! – Schweig! – Untätiger Pfaffe! – Dummer Bauer! – Scher dich zum Teufel! – Oha, mit diesem wahrhaft nicht christlichen Gruß endet der Disput. Der Pitter zurück, über Filsch den Berg hoch, stapft und stapft, stapft sich die erlittene Demütigung aus dem Kopf. Und das ist gut so, denn da hat der Pitter schon wieder so eine Idee.

Am nächsten Sonntag stehen zur Messe zwei Holzklötze auf dem Tisch, der den Altar bildet; einen echten haben die Korlinger nämlich noch nicht. Klötze, wie gerade aus dem Wald genommen. Eiche, dick wie ein kleines Fass und hoch wie ein Stuhl. Der Pfarrer bleibt in der Tür stehen. Pitter, was ist das? Unsere Heiligen, Ehrwürden, links der Heilige Johannes, rechts der Heilige Paulus. Pitter, das sind Götzen! Aber Hochwürden, sie sollen ja noch geschnitzt werden. Nimm sie herunter! Aber der Pitter hatte es im Kreuz und der Johann auch. Der Nikla hob sie, aber sie waren viel zu schwer.

So standen sie also. Und der alte Pfarrer sagte sonntags, sie sollten weg. Aber der Pitter und der Johann hatten es immer noch im Kreuz, andere Männer waren nach der Messe plötzlich weg. Naja, so standen sie, die ungeschnitzten Heiligen.

Solche Merkwürdigkeiten sprechen sich schnell herum, schneller als die gute Tat, die du diesem oder jenem tust. Jedenfalls erfuhr der Bischof in Trier davon, kam, sah und schimpfte. Die Bibel hatte er dabei und las mit wütender Stimme aus Jesaja, Kapitel 44, über das Holz und das Götzenholz im Besonderen: „Die eine Hälfte vom Holz verbrennt der Heide im Feuer, da brät er und wärmt sich. Aber die andere Hälfte macht er zum Gott, dass es sein Götze sei, vor dem er kniet und niederfällt und betet: Errette mich, denn du bist mein Gott!“ Woher sollte der Pitter das denn wissen?

Seltsam, wegschaffen konnte sie keiner, ihr wisst ja, das Kreuz heilt langsam. Der mitgereiste Kaplan bekam die Dinger nicht herunter. Wie auch, wo der Pitter sie von unten verschraubt hatte.

So ging das jetzt also seinen geordneten Gang: Der Bischof schalt den Abt, der Abt den Kaplan, der Kaplan den Pfarrer – na, der schmunzelte nur zur Seite, denn der hatte die kleine Erpressung längst durchschaut. Tatsächlich kamen dann nach einer Woche in einer Fuhre aus Trier zwei schöne Statuen vom Heiligen Johannes und vom Heiligen Paulus für die Korlinger Kapelle. Und da stehen sie heute noch, nicht lebensgroß, aber immerhin. Bloß, das war sicher, so schnell brauchte sich der Pitter beim Abt nicht mehr blicken zu lassen.

Und was geschah mit den Holzgötzen? Die bewiesen ihren zweiten biblischen Nutzen, indem sie sonntags die gute Stube wärmten.