Heiliger Ort der Treverer
TRIER-WEST. Auf dem Weg durch den Wald hinauf zum Mohrenkopf plätschert Wasser aus den Felsen. Daran, dass der Wanderer auf Wegen wandelt, die für die alten Treverer heiliger Boden waren, denkt heute kaum noch jemand. Eine Projektgruppe, die über das Programm Lokales Kapital für soziale Zwecke (Los) gefördert wird, will die alte Quelle wieder mehr ins Bewusstsein der Trierer rücken.
Trier-West hat nicht nur marode Gebäude zu bieten. Das zeigt ein Projekt, das sich darum bemüht, dass Stadtteilbewohner ihr Umfeld und den historischen Grund und Boden, auf dem sie leben, wieder neu zu schätzen lernen. Damit betreiben die Projektleiter Thomas Willinger und Linde Andersen sowie die acht fleißigen Männer und Frauen auch Imagearbeit für den Stadtteil, der im Schutz des Markusberges schon vor Jahrtausenden von Kelten und Römern besiedelt war und Raum für weitläufige Tempelanlagen bot. Der Name Heidenborn, also die Quelle der Heiden, der Nicht-Christen, zeigt, dass das aus den Tiefen des Markusberges ans Tageslicht drängende Wasser schon vor der Christianisierung Triers Bedeutung für die Menschen hatte. Die Kelten hatten unterhalb des Borns ihr Heiligtum, später übernahmen die Römer den Kultplatz. Dem Wasser werden heilende Kräfte nachgesagt, die wohl auch noch im Mittelalter genutzt wurden. Der Trierer Erzbischof und Kurfürst Balduin von Luxemburg (1307-1354), der vehement gegen heidnische Bräuche vorging, soll seine Augenkrankheit mit dem kühlen Nass aus dem Heidenborn gelindert haben. In den kommenden Jahrhunderten verläuft sich die Bedeutung. Bis vor rund 20 Jahren kümmerte sich Heinz Reiland, der auf dem Markusberg wohnte, um die Quelle. Nach seinem Tod verkam das ehemalige Heiligtum zusehends, die Einfassungen des Wasserbeckens moderten vor sich hin, Schlamm, Blätter und Äste machten es unattraktiv, die Abflussrinne war verstopft. "Ich wusste um den historischen Wert der Quelle. Früher haben wir als Kinder rund um die Quelle gespielt, im Wald Esskastanien gesammelt und uns am köstlichen Nass erfrischt", sagt Thomas Willinger. Ob das Wasser heute noch Trinkwasserqualität hat und welche Inhaltsstoffe es enthält, ist unbekannt und den Projekt-Beteiligten weniger wichtig. Beweggrund für die Maßnahme im Rahmen des Los-Programms war, dass "die Menschen aus Trier-West wieder mehr darauf schauen, welche Werte sie hier im Stadtteil haben", erklärt Linde Andersen. Qualifikation für Arbeitslose
Zweiter Aspekt ist, arbeitslosen Menschen eine befristete Beschäftigung als zusätzliche Arbeitsqualifikation zu bieten. "Das ist ein historischer Ort und eine wichtige Quelle für dieses Gebiet. Ich arbeite gerne hier, denn es gibt nicht immer Arbeit", sagt der ehemalige Pilot Pavlo Vynokurov (62), der mit seiner Frau vor drei Jahren aus der Ukraine nach Deutschland gekommen ist. Gemeinsam haben die acht Beteiligten das Wasserbecken gesäubert, es mit Kies ausgelegt, Zu- und Abflüsse gereinigt und die Umfassungsmauer ausgebessert. Eine Sitzbank soll aufgestellt werden, "damit sich die Menschen wieder an der Quelle aufhalten und erfreuen können", so Willinger. Unterstützung bei dem Vorhaben bekamen die Projektleiter von der städtischen Denkmalpflege und dem Landesamt für Denkmalpflege sowie von Försterin Kerstin Bendiks. Neben den handwerklichen Arbeiten steht noch ein Hinweisschild, das über die historische Bedeutung informiert, auf der Wunschliste. Dies ist aber nicht Teil der Los-Förderung und muss über Spenden finanziert werden. Linde Andersen, Thomas Willinger und ihre Gruppe hoffen auf die Mithilfe aus Reihen der Bevölkerung. Wer für das Hinweisschild spenden will, wende sich an Linde Andersen, Telefon: 0651/ 9981263.