"Heiligkreuzer bleibt eben Heiligkreuzer"

Trier · Weil es sich in Heiligkreuz gut leben lässt, interessieren sich auch immer mehr junge Familien für den Stadtteil. Die Frage ist, wie sehr sich dessen fast schon dörflicher Charakter dadurch verändert.

Trier. Der Reporter auf Stadtteiltour muss sich beeilen: Die Müllers haben zwar zum Gespräch in die Rotbachstraße geladen, der Hausherr Paul hat aber nur begrenzt Zeit: Beim Nachbarn stehen Rasenmähen und Heckenschnitt an. Der Mann ist schon ein wenig älter, darum springt Paul Müller helfend ein. "Das gehört hier einfach dazu", sagt Müller. "Man kennt und hilft sich!"
Er und seine Frau sind im Stadtteil aufgewachsen und nach Wohnausflügen ins nähere Umland wieder zurückgekehrt in das Elternhaus von Paul in der Siedlung, dem alten Ortskern in der Rotbachstraße.TV-Stadtteiltour Heiligkreuz


"Heiligkreuzer bleibt eben Heiligkreuzer", ist er überzeugt. Obwohl schon vor mehr als 100 Jahren eingemeindet, verstehe man sich hier oben immer noch als eigene Einheit. "Die Leute sagen auch: Ich gehe ins Dorf einkaufen", sagt Gaby Müller.
Ihr Mann nickt und ergänzt: "Das Grundstück von unseren Nachbarn ist mit unserem durch ein Törchen verbunden - wenn die im Urlaub sind, gehen wir rüber und gießen die Blumen und umgekehrt." Berührungspunkte gibt es aber nicht nur am Gartenzaun - sondern etwa auch beim privat organisierten Flohmarkt, der seit acht Jahren jährlich gegen Sommeranfang stattfindet: "Dieses Jahr haben da zehn Häuser mitgemacht -, und obwohl es durchgehend geregnet hat, kamen doch so einige Leute!", freut sich Gaby und gibt noch ein weiteres Beispiel fürs lokale Lebensgefühl: "Im Winter müssen wir uns nach einem Schneefall immer beeilen, dass wir auch mal zum Schneekehren kommen, weil unsere Nachbarn sonst immer schon vor uns unsere Einfahrt mit gemacht haben." Ehemann Paul ist optimistisch, dass der Stadtteil seinen Charakter auch behält: "Zumindest hier in der Siedlung."
Vielleicht liegt das daran: Wer es von außerhalb hierhin geschafft hat, musste das auch wirklich wollen - auch in finanzieller Hinsicht: Denn die geradezu paradiesischen Zustände wecken natürlich auch viele Begehrlichkeiten: "Wenn man hier ein Haus verkaufen will, muss man es eigentlich gar nicht groß inserieren", sagt Gaby Müller.
Das Interesse ist groß, die Preise also hoch - das können auch Anne und Uwe Heil nur bestätigen: Die Erzieherin und der Baumarktmitarbeiter, der in der Region durch seine Rockmusik bekannt ist, sind vor einigen Jahren in den Stadtteil gezogen, damals noch unabhängig voneinander. Dann haben sie sich hier gefunden und sind dank Söhnchen Linus inzwischen zu dritt. Begeistert definieren sie sich als "eingefleischte Heiligkreuzer". "Hier oben kann man sich einfach nur wohlfühlen", sagt Uwe Heil. "Man ist schnell in der Natur, man hat den schönen Weiher direkt in der Nähe, auf einem der letzten Bauernhöfe von Trier kräht morgens der Hahn!"
Und sie pflegen auch das, was für die Müllers den Ortsteil ausmacht: das nachbarschaftliche, unkomplizierte Miteinander. Beispielsweise trifft sich der rockende Papa einmal die Woche mit anderen Vätern auf dem Spielplatz am Weiher, danach geht\'s mit den Kindern zum Frühschoppen auf den Minigolfplatz. Wo man sich so wohlfühlt, möchte man auch gerne Wurzeln schlagen: Gerne würde die kleine Familie zu Wohneigentum kommen, doch die wenigen Angebote lagen bisher weit außerhalb ihrer Möglichkeiten. Trotzdem wollen die Eltern nicht aufgeben. "Dann warten wir eben noch ein bisschen", sagt Anne Heil. Die passende Gelegenheit kommt sicher noch. Nur eins sei klar: "Wir wollen hier auf gar keinen Fall wieder weg!"
volksfreund.de/stadtteiltour