Heimat klappt auch ohne "ch"

Der Verein Ehranger Heimat hat sein 20-jähriges Bestehen mit einem Mundart- und Geschichtsabend in der Henry-Zingen-Halle gefeiert. Die derzeit 130 Mitglieder starke Gemeinschaft betreut eine gleichnamige Schriftenreihe und setzt sich für den Erhalt von Kulturdenkmälern ein.

Trier-Ehrang. Trierer können kein "ch" sprechen, stellte Horst Schmitt in seinem kurzen Dialekt-Überblick fest: "Wir sagen 'weeisch', wenn es ,weich' sein soll." Macht aber gar nichts, schob er nach einer Auflistung weiterer Sprach-Besonderheiten direkt hinterher. Die Trierer sollten ebenso stolz auf ihre Mundart sein wie etwa die Bayern oder Schwaben, die mit diesem Alleinstellungsmerkmal sogar werben.
Bei den versammelten Festgästen zur 20-Jahr-Feier der "Ehranger Heimat" rannte er mit diesem Appell offene Türen ein. Erhalt und Pflege der ortseigenen Sprache ist schon seit der Vereinsgründung 1996 ein Anliegen. Sogar ein Mundart-Wörterbuch wurde bereits herausgegeben. "Wir sehen es als unsere Aufgabe an, die Geschichte unserer Heimat lebendig zu halten, Traditionen zu pflegen und mit neuen Akzenten zu versehen", fasste Vorsitzender Horst Orth die Ziele des Vereins zusammen.
Dies geschieht zum einem über Veröffentlichungen. Seit 1929 erscheint die "Ehranger Heimat" zunächst als heimatkundliche Vierteljahrsschrift, seit 1974 als Jahresband. Der gleichnamige Verein setzt diese Tradition fort und hat seit der Gründung sieben Jahrbücher herausgegeben. Dazu sind sieben weitere Sonderbände und ein Bildband veröffentlicht worden. Ton- und Bilddokumente werden ebenfalls gesammelt und restauriert.
Heinz Hellenbrand führte beim Festabend ein Ergebnis solcher Arbeit vor und entführte mit dem Film "Ehrang - anno dazumal" in die frühen 1960er Jahre. "Film war damals sehr teuer, und so hat man nur aufgenommen, was man für wirklich wichtig hielt", erklärte er. Dazu zählt etwa die Fronleichnamsprozession 1963: Die Originalaufnahmen vom Zug durch Ehrang wurden von Hellenbrand aufgearbeitet und mit erläuterndem Kommentar nachvertont. Auch die Inthronisation eines Schützenkönigs und die Grundsteinlegung für die Adolph-Kolping-Siedlung wurden so auf DVD erneut erlebbar.
Zusätzlich zur dokumentierenden Arbeit ist der Verein denkmalpflegerisch in der Ehranger Heimat aktiv: Die Liste der restaurierten Wegkreuze und Gedenktafeln ist lang. "Stolpersteine" zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus wurden verlegt, ein Ersatz für die gefällte Dorfeiche gepflanzt und Baudenkmäler mit Informationsschildern für die Öffentlichkeit erfahrbar gemacht. Auch die Tradition des Klepperns vor Ostern wurde wiederbelebt: Am Karfreitag und Karsamstag ziehen Kinder mit den lauten Holzinstrumenten durch die Straßen und ersetzen so das Glockengeläut der Kirche St. Peter, das an diesen Tagen schweigt.