1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Heimatforscher Adolf Welter stiftet seine Sammlung dem Stadtarchiv Trier

Heimatforschung : Nach 55 Jahren: Mission erfüllt!

Krönender Abschluss einer langen und ehrenamtlichen Heimatforscher-Tätigkeit: Adolf Welter überlasst seine gesammelten historischen Dokumente dem Stadtarchiv Trier.

Es war kein leichter Gang für ihn und dennoch auch ein befreiender. Alle seine gesammelten Dokumente hat der Heimatforscher Adolf Welter (86) der Stadt Trier überlassen. 12 000 historische Fotos und viele weitere Dokumente, transportiert in 15 Kartons von der Eurener Reulandsraße ins Stadtarchiv an der Weberbach, wo sie nun Regale auf fast acht Metern Breite füllen. Dazu kommt ein detailliertes Inhaltsverzeichnis.

Rund 55 Jahre lang hat Adolf Welter alles gesammelt, was mehr Licht in die jüngere Geschichte Triers und seines Umlandes bringt. Sich von all dem Material zu trennen, das zu seinem Alltag gehörte, hat auch etwas Gutes: „Im Stadtarchiv ist alles bestens aufgehoben und für die Nachwelt gesichert.“

Ganz in seinem Sinne. Den größten Teil seiner Freizeit hat der frühere RWE-Angestellte in den Dienst der historischen Wahrheit gestellt – „Weil sonst in ein, zwei Generationen vieles vergessen ist.“ Also befragte der Heimatforscher Zeitzeugen, sammelte Urkunden, Fotos, Schriftstücke. Und wurde dabei auch zum Heimathistoriker mit exzellentem Ruf.

„Welter fragen!“ — ein geflügeltes Wort mit hohem Sinngehalt. Wer lokalhistorische Fragen insbesondere zum 20. Jahrhundert hatte und nicht weiterkam, wandte sich eben an Adolf  Welter. Und wurde dort meist fündig. Auch der Trierische Volksfreund stand regelmäßig bei ihm „auf der Matte“.

Die Suche nach den Fakten als eine der Triebfedern für ein unermüdliches und außergewöhnliches Engagement. Und ein Hobby als Berufung. Ehrenamtliche Tätigkeit als Ehrensache: „Ich habe viel Geld ausgegeben, eigenes, wohlgemerkt, und Idealismus und Herzblut investiert“, sinniert Welter.

Er hat in in- und ausländischen Archiven geforscht, sich mit Forscherkollegen ausgetauscht, Dokumente wie Postkarten und Akten gekauft – und Bemerkenswertes herausgefunden. Nachzulesen in zwölf selbst finanzierten und längst vergriffenen Büchern sowie zahlreichen Beiträgen unter anderem für Jahrbücher.

Darin räumt er mit vielen Irrtümern auf: „In die Trierer Geschichtsschreibung vor allem der Jahre 1939 bis 1948 hatten sich enorm viele Unrichtigkeiten eingeschlichen. Und die wurden anfangs immer weitertransportiert.“ Ein Beispiel: Es gab im Dezember 1944 nicht drei, sondern vier schwere Bombenangriffe auf Trier, und es wurde dabei auch nicht nur die Altstadt angegriffen. Die Zahl der Toten lag deutlich höher als lange angenommen“ Welter listete in seinem 1998 erschienenen Buch „Trier 1939 bis 1945 – Neue Forschungsergebnisse zur Stadtgeschichte“ in chronologischer Reihenfolge der Angriffe und alphabetisch geordnet von Gisela-Margarete Adam bis Michel Warin die Namen von 420 Menschen auf, die bei den Bombardements am 19., 21., 23. und 24. Dezember 1944 ums Leben kamen.

Ein weiteres Herzensanliegen des 86-Jährigen: „Ich war und bin für Frieden und Aussöhnung unterwegs.“ Für sein Schaffen im Sinne der Völkerverständigung hat der Mann, der viele Vermisstenschicksale aufgeklärt hat und sich auch für das Stolpersteine-Erinnerungsprojekt des Kölner Bildhauers Gunter Demnig (73) engagiert, zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten.

Auch seine Heimatstadt weiß, was sie an dem emsigen und akribischen Welter hat. 2013 zeichnete sie ihn für sein ehrenamtliches Engagement mit dem Ehrenbrief aus. Im Gegenzug kündigte  der Geehrte an, seine umfangreiche Sammlung dereinst dem Stadtarchiv als Stiftung Welter zu überlassen. Nun also ist es soweit.

Michael Embach (64), Direktor der Wissenschaftlichen Stadtbibliothek (der das Archiv angegliedert ist), nennt die Stiftung „einen Glücksfall“; der zugleich verpflichte: So sei sichergestellt, dass das Sammelgut als Ganzes zusammenbleibt und jedermann die Dokumente einsehen kann, allerdings unter Aufsicht.

„Die Sammlung ist von außerordentlich hohem Wert für uns“, betont Archivleiter Bernhard Simon (64), der zudem die stets gute Zusammenarbeit lobt: „Adolf Welter hat sehr oft helfen können, wenn wir nicht weiterkamen, weil die amtliche Überlieferung Lücken aufweist. Vor allem im Zweiten Weltkrieg sind viele Rathaus-Akten verloren gegangen. Auch dafür gebührt ihm großer Dank.“

Welter gibt den Dank auch von OB Wolfram Leibe weiter – an seine Frau Maria (84): „Ohne sie wäre all mein ehrenamtliches Tun nicht möglich gewesen. Sie hat alles mitgetragen, und manchmal auch ertragen.“

Unermüdlich im Dienste der historischen Wahrheit: Adolf Welter, hier im Januar 2005, in seinem Arbeitszimmer. Die Schreibmaschine (Triumph Gabriele 10) nutzt er heute noch. Foto: Morgen Roland
2. März 1945: Die Amis sind da! Viele Erkenntnisse und Dokumente über das Kriegsende in Trier sind  Adolf Welter zu verdanken. Foto: Stadtarchiv Trier/Stiftung Welter

Die Stiftung Welter bleibt der Nachwelt erhalten. Auch der Name des Stifters soll in dauerhafter Erinnerung bleiben. „Ich glaube, dass der Ortsbeirat eines Tages eine Straße nach ihm benennen wird. So wie es bei anderen großen Eurenern wie Ludwig Steinbach oder Nikolaus Theis der Fall war“, prophezeit Eurens Ortsvorsteher Hans Alwin Schmitz (67).