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Heimischen Obstsorten auf der Spur

Heimischen Obstsorten auf der Spur

Proben von 23 Apfelbaumbesitzern hat der Pomologe Richard Dahlem für die TV-Leser untersucht. Wer bei der Aktion im Rahmen der Viezwoche mitgemacht hat, weiß jetzt, ob er Pleiner Mostbirne, Triumph aus Luxemburg oder Goldparmäne im Garten stehen hat. Zwei Unbekannte aus dem Krimiland Eifel muss der Fachmann für Obstbau noch identifizieren.

Trier. (kf) Die letzten Äpfel erreichen Richard Dahlem in einem kleinen Paket. "Brettacher" wird der Pomologe, der für die TV-Viezwoche unbekannte Obstsorten bestimmt hat, dem Absender aus Hörschhausen in der Eifel antworten. "Dreimal war ‚Wintergoldparmäne' dabei", sagt Dahlem. Diese Sorte werde auch "Englische Goldparmäne" genannt. Der Name weise auf die Einfuhr der seit 500 Jahren bekannten Apfelsorten aus England in die Großregion Trier um 1800 hin.

Bei alten Apfelsorten sind Namen mitnichten Schall und Rauch - das zeigt auch die Geschichte des ebenfalls bestimmten "Triumph aus Luxembur". Dieser hat seinen Ursprung in der Gastwirtschaft Finsterwald in Junglinster. Einem Herrn Feith wird damals ein Schüsselchen wohlschmeckender Äpfel zum Nachtisch serviert. Der ehemalige Baumschulbesitzer aus Vichten ist begeistert, will einen Baum des mildsüßen Tafelobsts. Das ist einfach. Zu der Zeit, um 1936, besitzt bereits halb Junglinster den "Schousterapfel". Benannt nach seinem Finder, einem Schuster, der bei Waldarbeiten auf den Wildsämling aufmerksam geworden war und ihn in seinen Garten gepflanzt hatte, nimmt Herr Feith vom Schusterapfel Pfropfreiser mit und tauft die Sorte "Wildling von Junglinster".

"Der ungehobelte Name erschien ihm für den Handel jedoch keine Zugkraft zu besitzen", erzählt Experte Richard Dahlem. So feierte er als "Triumph von Luxemburg" Markterfolge. Die am weitesten verbreitete Streuobstsorte bleibt der "Rheinische Winterrambour". "Mit fünf eingereichten Proben kam er am häufigsten vor", sagt Dahlem. Das stimmt mit der Beliebtheit des mehr als 200 Jahre alten Küchen- und Tafelapfels, der bis Februar hält, überein. Der Laie könnte ihn mit dem ebenfalls abgegebenen "Roten Bellefleur" verwechseln. Im Frühling ist der leicht zu erkennen: Dann steht der "Siebenschläfer" unter all den überschäumend blühenden Apfelbäumen wie abgestorben in der Streuobstwiese. Sein später Austrieb, oft erst Ende Mai, bringt Vorteile. Erstens entgeht die Sorte Spätfrösten, zweitens den gelegentlich auftretenden Frostspannerplagen.

Ein Phänomen an Robustheit ist die als "Schöner aus Boskop" identifizierte Apfelsorte. Im Gegensatz zu dem "Allerwelts-Apfel" handelte es sich bei der abgegebenen "Pleiner Mostbirne" um eine echte Einheimische. Plein bei Wittlich gab ihr den Namen. Ihr Verbreitungsgebiet beschränkt sich auf Mosel und Saar. Aus dem wärmebegünstigten Weinbaugebiet wurde auch "Baumanns Renette" eingereicht. Die Lagersorte hängte man früher gerne als rot leuchtenden Weihnachtsapfel an den Christbaum.

Zwei Wünsche auf der Liste der neugierigen TV-Leser blieben jedoch offen: "Unter den 23 abgegebenen Proben sind zwei Unbekannte", zieht Dahlem Bilanz. Mit einem Baumbesitzer aus Irrel, der seit Jahren versucht, den Apfelbaum seiner Großeltern zu identifizieren, hat er Kontakt aufgenommen. "Das ist ein interessanter Fund", sagt Dahlem. Die kleinen, flach gedrückten Früchte hätten Ähnlichkeit mit einem "Edelborsdorfer". Der aber reife spät, anders als die abgegebene Probe. Von der mittelfrühen Sorte will Dahlem im Februar Reiser nehmen. Der andere Unbekannte gehe in Richtung "Boikenapfel". Um ihn zu bestimmen, werde er sich mit anderen Pomologen austauschen.