Heimkehr nach 64 Jahren

WALDRACH/LAMPADEN/NIEDERSTADTFELD. (dis) Genau 64 Jahre nach dem Tod von Alfons Minn ist in Waldrach das Kruzifix seines Rosenkranzes aufgetaucht. Im Haus seiner Schwester Maria Meyer und ihres Mannes Martin wird es einen Ehrenplatz erhalten.

Das Kreuz ist oxidiert und leicht beschädigt. Kein Wunder, lag es doch 64 Jahre in russischer Erde. Die aus Lampaden stammende Maria Meyer, geborene Minn, ist ergriffen, als sie die Geschichte ihres Bruders und des Rosenkranzes erzählt. Im Herbst 1941 wurde ihr Bruder zur Wehrmacht einberufen. Er war gerade einmal 19 Jahre alt und wähnte sein ganzes junges Leben noch vor sich. Doch es sollte schnell beendet werden. Beim Packen steckte Alfons Minn auch ein Sterbekreuz ein. Als seine Mutter dies bemerkte, gab sie ihm anstatt dessen den Rosenkranz. Nach seiner Ausbildung in Landau/Pfalz verschlugen ihn die Kriegswirren zunächst nach Frankreich. Schon wenig später wurde seine Kompanie über Ulm nach Russland in Marsch gesetzt. Maria Meyer erzählt: "Unser Vater war damals Bürgermeister in Lampaden. Daher hatten wir schon ein Telefon und konnten gelegentlich mit Alfons sprechen." Seinen letzten Brief an die Angehörigen in der Heimat schrieb er im April 1942. Als seine Post im Juni in Lampaden ankam, wusste die Familie noch nicht, dass er bereits einen Monat vorher, am 18. Mai 1942, nach einer schweren Verwundung in einem Feldlazarett bei Kertsch auf der Halbinsel Krim gestorben war. Gewissheit vom Tod des 20-Jährigen erlangte die Familie erst im Juli 1942. "Sein Nachlass, einschließlich eines Notizbuches, wurde uns übersandt. Der Rosenkranz blieb in Russland", sagt die Schwester. Sie erinnert sich an Oskar Lorenz aus Lampaden, den Freund ihres Bruders. Er suchte damals als Soldat in Russland vier Friedhöfe ab und fand schließlich das Grab von Alfons Minn. Ein Foto zeigt ihn vor dem Grab kniend, die Hände zum Gebet gefaltet. Das Kruzifix wurde bei der Umbettung der sterblichen Überreste des Gefallenen vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sichergestellt. Zunächst an die ehemalige Adresse in Lampaden gesandt, landete es wenig später bei Cäcilia Häp, der Schwester von Maria Meyer, in Niederstadtfeld. In Waldrach soll es nun einen Ehrenplatz erhalten. Alfons Minn ist auf dem Deutschen Soldatenfriedhof Sewastopol/Ukraine, Block 10, Reihe 14, Grab 1017 beigesetzt. "Ich bedaure, Sie damit an Ihren schmerzlichen Verlust zu erinnern, hoffe aber auf Ihr Verständnis", lautet der letzte Satz im Schreiben der "Deutschen Dienststelle für die Benachrichtigung der nächsten Angehörigen von Gefallenen der ehemaligen deutschen Wehrmacht" in Berlin. Maria Meyer und Schwester Cäcilia Häp sagen: "Alle Erinnerungen holten uns wieder ein. Wir sind froh und traurig zugleich."