Heiraten an Himmelfahrt

TRIER. Wonnemonat trifft Schnapszahl: 30 Paare geben sich im Kreis Trier-Saarburg und in der Stadt Trier heute, am 5. 5. 2005, das Ja-Wort. Doch nicht alle Standesämter haben ihre Tore am Feiertag geöffnet.

Paris ist die Stadt der Liebe und der Mai der Monat der Verliebten. Was könnte also besser passen, als nach einem Heiratsantrag an der Seine sich im Wonnemonat das Ja-Wort zu geben? Nichts! Zumindest nicht für das Schillinger Pärchen Jürgen Henrich und Natascha Edlinger. "Als nach unserem Paris-Urlaub im vergangenen Herbst klar war, dass wir heiraten, haben wir im Kalender nach einem passenden Datum geschaut. Der 5. 5. 2005 war perfekt!", erzählt Henrich. Zuerst einmal, weil der Mai ein schöner Monat zum Heiraten sei, und dann, weil am Feiertag die Freunde frei hätten und ohne Urlaub nehmen zu müssen zur Trauung kommen könnten. "Und natürlich weil man ein solches Datum gut behalten kann", gibt der Bräutigam zu und fügt lachend an: "Was natürlich nicht heißen soll, dass ich ein anderes Hochzeitsdatum je vergessen würde!" Wenn sich die beiden heute im Alten Bahnhof in Kell am See das Ja-Wort geben, dann mit genau 29 weiteren Paaren im Kreis Trier-Saarburg und in der Stadt Trier. Fünf der acht Standesämter in Kreis und Stadt haben trotz Feiertag geöffnet. Nur in den Verbandsgemeinden Konz, Saarburg und Schweich bleiben die Trauzimmer geschlossen. "Wir hatten zwar zwei oder drei Anfragen", sagt die Konzer Standesbeamtin Beatrix Schwebach, "aber bestanden hat niemand auf das Datum." Auch vom Saarburger Amt heißt es: "Nicht an Feiertagen!" Bei der Verbandsgemeinde (VG) Schweich gab es ebenfalls Anfragen. "Wir haben uns zwar entschlossen, nicht zu öffnen", sagt VG-Sprecher Gerhard Spieles, "aber uns mit der VG Trier-Land abgesprochen und die heiratswilligen Paare dorthin verwiesen." Die serviceorientierte VG-Verwaltung Trier-Land hatte sogar annonciert, dass sie auch am Feiertag traut. "Nach der Veröffentlichung gingen innerhalb einer Stunde fünf Trautermine ein", sagt Standesbeamter Folker Gardain. "Schon im Oktober gab es Anfragen, aber auch ein paar Kurzentschlossene sind bei unseren neun Paaren heute dabei." Verglichen mit Trier-Land, in der auf 21 000 Einwohner neun Trauungen am heutigen Tag kommen, sieht es in der 100 000-Einwohner-Stadt Trier zwar mager aus, doch die Zahl der heutigen Eheschließungen ist auch dort rund doppelt so hoch, wie an einem normalen Wochenende: "14 Trauungen finden heute im Turm Jerusalem statt", sagt Ralf Frühauf. "Natürlich haben wir für Leute, die Schnapszahlen lieben oder die ein schlechtes Gedächtnis haben das Standesamt an solchen Daten geöffnet", scherzt der städtische Presse-Sprecher.Größerer Ansturm im vergangenen Jahrhundert

"Bei uns heiraten drei Pärchen", sagt Gerd Werhan, Standesbeamter bei der VG Ruwer. "Bei einem weiß ich, dass sie sich am 5. Mai auch kennen gelernt haben und sie sich ihren Jahrestag zum Heiraten ausgesucht haben", sagt er. In Kell am See war ebenfalls klar, dass Heiratswillige nicht zurück gewiesen werden; drei Trauungen stehen heute an. "Wir trauen auch an Samstagen, Sonntagen und anderen Feiertagen", sagt Bürgermeister Werner Angsten. "Wir freuen uns doch, wenn unsere jungen Einwohner Familien gründen wollen." In der zweiten Hochwald-VG, in Hermeskeil, verheiraten sich heute zwei Pärchen. "Ende des vergangenen Jahres haben die Paare angefragt", erzählt Standesbeamter Wolfgang Nellinger. "Am Vormittag traue ich, aber der Nachmittag des Vatertags gehört mir - schließlich bin ich ja nicht nur Standesbeamter sondern auch Papa", erklärt er lachend den Kompromiss, den seine Verwaltung gefunden hat. Im vergangenen Jahrhundert sei der Ansturm auf die Schnapsdaten noch größer gewesen, erinnert sich der Hermeskeiler Beamte. "Am 9. 9. 1999 hatten wir neun Trauungen. Aber jetzt gibt's ja jährlich eine Schnapsdatum, da verteilt es sich mehr." Und vielleicht sei die Vorliebe für solch prägnante Daten auch genetisch bedingt: "Bei einem der Pärchen, die ich heute traue, haben die beiden Elternpaare am 7. 7. und am 6. 6. geheiratet", verrät Nellinger augenzwinkernd.