1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Heißer Tanz um die Kultur-Taxe

Heißer Tanz um die Kultur-Taxe

Während die Stadt Trier Einzelheiten zur geplanten Kulturtaxe ausarbeitet, ist das Hotelgewerbe skeptisch. Misstrauen herrscht vor allem in Bezug auf die Verwendung der Einnahmen.

(hsc) Im Stadtrat gelobt, vom Hotel- und Gaststättengewerbe misstrauisch beäugt - die geplante Abgabe für Kultur- und Tourismusförderung von einem Euro pro Übernachtungsgast führt in Trier inzwischen zu Unstimmigkeiten.

Bislang verlief die Diskussion um die neue Einnahmequelle, die der Stadt etwa 570 000 Euro bringen soll, relativ ruhig. Doch vor allem der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) sieht das Thema kritisch. "Wir hören im Moment nur negative Dinge über die Kulturabgabe", sagt der Kreisvorsitzende Helmut Scheuering. Sie sei in die Menge geworfen worden, ohne dass sich vorher jemand Gedanken gemacht habe.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) beklagt zudem, dass der Kultur-Euro keine gerechte Lösung sei. Es stelle sich die Frage, ob es überhaupt rechtens sei, nur die Übernachtungsgäste zur Kasse zu bitten, sagt der Zuständige für den Geschäftsbereich Wein und Tourismus, Albrecht Ehses. Außerdem sehe die IHK keinen finanziellen Spielraum für weitere Abgaben. Dem schließt sich auch Andrea Weber vom Hotel Deutscher Hof an: "Es geht hier um das Prinzip, es kommt nicht auf die Summe von einem Euro an." Die Gäste würden eine solche Abgabe generell als negativ empfinden.

Unmut ruft auch das geringe Mitspracherecht der Gastronomen hervor. Laut Scheuering hat es zwar informative Gespräche mit Oberbürgermeister Klaus Jensen und Kulturdezernent Thomas Egger gegeben - aber zu wenige.

Als größtes Problem sehen die Hoteliers die Verwendung der Abgabe. Sie bleiben skeptisch, ob die Einnahmen ausschließlich für Kultur- und Tourismusprojekte aufgewandt werden. "Es gibt zwar Äußerungen über alle Fraktionen hinweg, dass das Geld für Werbung und Tourismus ausgegeben werden soll, aber im Nachhinein ist es damit wieder vorbei", sagt Ehses.

Es werde nicht garantiert, wohin die Gelder fließen, sagt auch Monika Tonkaboni vom Hotel Blesius Garten. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion hat die Abgabe als Deckungsbeitrag für Ausgaben im Kultursektor wohl zumindest akzeptiert.

Neben dem genauen Verwendungszweck ist allerdings auch noch unklar, wie die Kulturtaxe erhoben werden soll.

Laut Stadt-Pressesprecher Ralf Frühauf werden die offenen Fragen aber spätestens in der Vorlage für den Satzungsbeschluss im Stadtrat beantwortet. Für Montag, 7. Juni, 19.30 Uhr, lädt die Trierer CDU zu einer Podiumsdiskussion zum Kultur-Euro in das Modehaus Marx ein.

Pro: Recht und billig
Ein Euro pro Nacht pro Gast - das ist nicht mehr als recht und eigentlich noch zu billig. Die Stadt hat schließlich nur wenige Möglichkeiten, ihre Einnahmen aus eigener Kraft zu erhöhen. Wenn es eine gibt, muss sie diese nutzen - egal ob das Geld der Kultur zugutekommt oder das Haushaltsloch stopft. Zumal die geplante Abgabe den Charme hat, nicht die eigenen Bürger zu belasten. Dass ein Euro pro Nacht Gäste in Scharen vertreibt, ist unwahrscheinlich. Wer sich hier einen schönen Urlaub leistet, macht das sicher nicht von ein paar Euro abhängig. m.schmitz@volksfreund.de

Contra: Ungerecht
Der Stadt fehlt das Geld, und die Übernachtungsgäste sollen dafür zahlen. Selbst bei nur einem Euro pro Nacht und Besucher ist das eine ungerechte Sache. Auch Tagestouristen nutzen das kulturelle Angebot. Die müssen dafür aber nicht tiefer in die Tasche greifen. Wahrscheinlich, weil die Übernachtungslösung für die Stadt die einfachste ist. Abwicklung, zusätzlicher Aufwand und Ärger mit den Gästen werden einfach abgeschoben. Damit bekommt das Hotel- und Gaststättengewerbe den Schwarzen Peter, und die Stadt ist fein raus. hannah.schmitt@volksfreund.de