Helfen statt wegsehen

In Trier haben sich Zivilcourage-Trainer aus ganz Rheinland-Pfalz getroffen. Das Treffen wurde von der Arbeitsgemeinschaft Frieden in Kooperation mit der Leitstelle Kriminialprävention im Innenministerium Rheinland-Pfalz ausgerichtet, es dient zum Austausch und der kollegialen Beratung der Trainer.

Trier. Das Zivilcourage-Training sei ein wichtiger Baustein für ein demokratisches und friedliches Miteinander, beschreibt die AG Frieden. Das Bildungsangebot kann in ganz Rheinland-Pfalz gebucht werden. "Es geht um ein aktives Eintreten für Demokratie und Menschenwürde, gegen Diskriminierungen und Gewalt in Alltag, Beruf, Schule und Freizeit" erläutert Markus Pflüger von der Koordinierungsstelle den aktuellen Bedarf. "Gewaltfrei handeln, ohne sich selbst zu gefährden" ist das Motto der Zivilcourage-Trainings für Jugendliche und Erwachsene. "Oft sind es kleine Alltagssituationen, in denen wir Zivilcourage zeigen können: der rassistische Spruch auf der Arbeit, das Schubsen im Bus, jemand schlägt ein Kind im Supermarkt oder in der Fußgängerzone wird ein Obdachloser attackiert", erzählt Mechthild Schüler, Zivilcouragetrainerin aus Trier.
Hermann Annell, ebenfalls Trainer für Zivilcourage, sagt weiter: "Es kann jeden treffen, und jeder hofft auf Menschen, die eingreifen. Wie das geht, kann jeder in unseren Trainings lernen."
Die Nachfrage nach den Trainings aus der Bevölkerung zu erhöhen ist neben Weiterqualifizierung eines der Ziele des Netzwerks in Rheinland-Pfalz. Nach mehreren Ausbildungen besteht es inzwischen aus 40 Trainerinnen und Trainern für Zivilcourage, bei denen Tages- und Kurztrainings für Gruppen und Klassen gebucht werden können.
Das Netzwerk stellte beim Treffen in Trier fest, dass viele Menschen Zivilcourage zeigten, ohne dass jemand davon erfahre. Das wollten sie ändern. Berichte und Hinweise, wann und wo Menschen zivilcouragiert handelten, beispielsweise gegen rassistische Bemerkungen eines Vorgesetzten, angesichts von Diskriminierungen im öffentlichen Raum, bis zur politischen Aktion für demokratische Werte, werden gesucht. Jeder Bürger kann diese Hinweise an das Netzwerk senden. Die AG Frieden Trier fungiert dabei als Kontaktstelle und vermittelt auch die Zivilcourage-Trainer in Rheinland-Pfalz für Interessierte.
Um was es bei Zivilcourage geht, beantworten die Zivilcourage-Experten bei ihrem Treffen so: "Bei Zivilcourage geht es um den öffentlichen Einsatz für demokratische Werte angesichts (passiver) Zuschauer. Dabei ist die Bereitschaft, Nachteile in Kauf zu nehmen und gegebenenfalls auch ein Risiko einzugehen, ein entscheidendes Merkmal. Zivilcourage zeigen heißt zudem, aus einer Minderheitenposition oder einer Unterlegenheit heraus zu handeln und damit trotz Anpassungsdruck und trotz Abhängigkeit heraus für höhere Werte zu handeln und damit gegebenenfalls auch gegen gängige Normen zu verstoßen." red

Extra

Laut AG Frieden und Leitstelle Kriminalprävention kann Zivilcourage geübt werden. Im Training werden sozialpsychologische Erkenntnisse vermittelt, Verhaltensweisen erlernt und in Rollenspielen konkrete Tipps erarbeitet, dazu gehören beispielsweise: "Fordern Sie andere direkt auf, mit Ihnen gemeinsam einzugreifen, beauftragen Sie jemanden, Hilfe bzw. die Polizei zu rufen, meiden Sie Körperkontakt mit dem Angreifer, duzen, beleidigen und drohen Sie nicht, kritisieren Sie die Situation, nicht die Person." Es gelte, für Möglichkeiten der Zivilcourage im Alltag zu sensibilisieren und das Verhaltensrepertoire für gewaltfreies Handeln zu erweitern. Das Netzwerk Zivilcourage hofft auf verstärkte Nachfrage von (Hoch)Schulen und Jugendeinrichtungen, aber auch von Vereinen und Parteien, aus den Kreis- und Kommunalverwaltungen und für alle zivilgesellschaftlichen Gruppen, denen Demokratie und Menschenrechte etwas bedeuten. Die Ausbildung von weiteren Trainern für Zivilcourage wird von der Leitstelle Kriminalprävention im Innenministerium RLP unterstützt. Die erste Ausbildung von vierzehn Zivilcouragetrainern in Trier erhielt 2010 den Weiterbildungspreis des Landes Rheinland-Pfalz. Seitdem fanden drei weitere "Train the Trainer"-Seminare statt. Informationen zum Projekt und den Zivilcourage-Trainings unter <%LINK auto="true" href="http://www.agf-trier.de" class="more" text="www.agf-trier.de"%> red