Helm ab, Sandalen aus, Gürtel auf

WINTRICH. Die Wintricher Passionsspiele machen zwei Wochen Pause. Am Freitag, 20. April, hebt sich erneut der Vorhang für weitere 14 Aufführungen im "Festspielhaus", der Pfarrkirche St. Stephanus.

 Jetzt haben sie erst mal zwei Wochen Pause: Die Teilnehmer der Wintricher Passionsspiele freuen sich schon, wenn sich am 20. April erneut der Vorhang hebt. TV-Foto: Marita Blahak

Jetzt haben sie erst mal zwei Wochen Pause: Die Teilnehmer der Wintricher Passionsspiele freuen sich schon, wenn sich am 20. April erneut der Vorhang hebt. TV-Foto: Marita Blahak

In der Zeltstadt an der Wintricher Kirche herrscht reges Treiben: Nach und nach treffen Darsteller und Chorsänger ein. Ein (vorerst) letztes Mal werden Sandalen geschnürt, Gewänder gewickelt und Tücher festgesteckt, Schleier auf dem Haarschopf befestigt, die Darsteller geschminkt, Rüstungen angelegt und Helme aufgesetzt. Ein letztes Mal zieht das Volk mit Jesus an Palmsonntag in Jerusalem ein. Denn die Passionsspiele haben nach Ostern bis Weißen Sonntag Spielpause. Passionsspiele bringen Übernachtungsgäste

Diese Ruhephase diene auch dazu, Ferien zu machen und ein wenig zu entspannen, erklärt Spielleiter Dirk Kessler. Denn die bisherigen 15 Aufführungstermine bei jeweils viereinhalb Stunden Spieldauer haben allen Akteuren auf, vor und hinter der Bühne enorm viel abverlangt. Bevor sich aber der Vorhang vorerst zum letzten Mal hebt, machen die begehrten und bewährten Wintricher "Prost"-Kamellen die Runde, denn jeder muss stets gut bei Stimme sein. Im Zelt sind neben den Akteuren auch viele unentbehrliche Helfer anzutreffen - von Maskenbildnerinnen über Näherinnen bis zur Verpflegungsstation. Hier geht mal eine Naht auf, dort fehlt eine Sicherheitsnadel oder reißt ein Band. "Dann müssen wir schnell mit helfender Hand zur Stelle sein", sagt Bärbel Beicht, die mit Mechthild Reis und Annemarie Martini dafür sorgt, dass die Akteure "ordentlich" auf die Bühne gehen. Vor den Schminkstühlen von Monika Kilburg und ihren Mitarbeiterinnen stehen Männer, Frauen und Kinder Schlange, um den perfekten (Gesichts)Schliff zu bekommen. Trotz der bisher 15 Aufführungstermine hat sich bei den Darstellern noch keine Routine breit gemacht. "Es ist immer wieder wie eine Premiere", kommt es wie aus einem Munde. Mit Spannung fiebern die Mitwirkenden jeder einzelnen Aufführung entgegen.Ralf Caspari mimt Jesus

"Man muss sich immer wieder neu auf seine Rolle einstimmen", sagt Reinhold Beicht. "Wenn man locker und cool die Bühne betritt, dann spielt man schlecht", sagt auch Ralf Caspari, einer der beiden Jesusdarsteller. Er selbst brauche eine kurze "In-sich-gehen"-Phase, bevor er nach "draußen" gehe. Mit jeder neuen Aufführung fühle man sich mehr und mehr dem Geschehen der Leidensgeschichte Jesu verbunden, bestätigt Chorsängerin Helga Gerten. "Von Tag zu Tag steigert sich unsere Einsatzfreude und keiner wird müde, sich mit voller Energie einzubringen und die Botschaft der Passion dem Publikum nahe zu bringen", sagt "Barrabas" Josef Thielen aus Minheim. Die Resonanz des Publikums sei überwältigend. Thielen: "Die meisten können nicht glauben, dass hier ausschließlich Laien am Werk sind. " Julia Schäfer spielt in der Kinderschar mit. Sie sagt: "Ich freue mich besonders auf den Einzug in Jerusalem." Auch wenn die Passions-Spiele ruhen, werden in Wintrich traditionell in der Ostermontagsmesse zwei Szenen aus der Passion Christi dargestellt und gesungen. Für den Moselort sind die Passionsspiele ein voller Erfolg. Gäste aus ganz Europa und selbst aus Amerika lassen sich dieses Erlebnis nicht entgehen. Da werden in manchem Haus Gäste vom Nachmittags-Kaffeetisch früher verabschiedet, wenn der Gastgeber kurzfristig noch Karten über die Warteliste ergattert hat, erzählt Cornelia Engelhardt. Das große Interesse schlägt sich nicht nur in den Besucher-, sondern auch in den Übernachtungszahlen im Ort nieder.10 000 Zuschauer sehen die Aufführungen

"Von den 10 000 Besuchern der Passionsspiele haben mit der Eintrittskarte mindestens die Hälfte eine oder mehrere Übernachtungen gebucht", sagt Dirk Kessler froh. Er freut sich darüber in mehrfacher Hinsicht - als Spielleiter, Mitwirkender und Ortsbürgermeister. Auch der Kongress der "Europassion", der in Wintrich an "Christi Himmelfahrt" stattfindet und zu dem Delegierte aus ganz Europa anreisen, wird im Passionsspielort an der Mosel für "volles Haus" sorgen. Kartennachfrage: Telefon 06534/93003.