Herbert Albers-Hain hat 30 Jahre lang die Berufsfeuerwehr Trier geleitet.

Abschied : Der Mann für die großen Katastrophen - Triers Feuerwehrchef sagt Adieu

Herbert Albers-Hain leitet seit fast 30 Jahren die Trierer Berufsfeuerwehr. Ende Mai wird er in den Ruhestand gehen. Mit dem TV spricht er offen über Notfälle, die ihn bewegt haben – und über Situationen, die man nicht trainieren kann.

Der Chef der Trierer Berufsfeuerwehr war selbst nie ein einfacher Feuerwehrmann. Herbert Albers-Hain (59) hatte von Anfang an die Chefebene im Visier. „Ich habe in Braunschweig Chemie studiert und habe danach die zweijährige Ausbildung für eine Laufbahn im höheren feuerwehrtechnischen Dienst begonnen“, sagt der Leiter der Berufsfeuerwehr. Mit den Absolventen dieser Ausbildung besetzen die Feuerwehren in Deutschland ihre Spitzenpositionen.

Berlin, Hamburg, Karlsruhe, Koblenz und Münster gehörten zu den Stationen von Albers-Hains Ausbildung. Damals konnte er noch nicht wissen, dass sein Weg ihn schließlich nach Trier führen würde, wo er die Menschen in der Stadt und auch im Landkreis Trier-Saarburg zusammen mit seinen Mitarbeitern und den Freiwilligen Feuerwehren fast drei Jahrzehnte lang vor Not, Gefahr und Chaos beschützen würde.

„Als ich meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hatte, war gerade die Stelle des Leiters der Berufsfeuerwehr in Trier ausgeschrieben worden“, erzählt er. Albers-Hain bewarb sich und schaffte es.

Ein derartiger Karrieresprung direkt nach dem Ausbildungsende ist nicht unbedingt die Regel. Oft werden die Kandidaten zuerst in Führungsstäben eingesetzt, übernehmen Einsatzleitungen oder Direktionen. Herbert Albers-Hain wurde dagegen direkt nach seiner Ausbildung Leiter des Amts für Not- und Katastrophenschutz der Stadt Trier, so lautet die amtliche Bezeichnung der Berufsfeuerwehr. Das war 1990. Damit ist der Feuerwehrchef der dienstälteste Amtsleiter der Stadt Trier, wenn er zum 1. Juni, dann 60 Jahre alt, in den Ruhestand wechselt..

30 Jahre als oberster Brandbekämpfer der Stadt Trier – das bedeutet Verantwortung für heute 240 Berufsfeuerwehrleute in mittlerweile zwei Wachen, elf Freiwillige Wehren mit weiteren 350 Kräften und auch die Jugendfeuerwehr mit mehr als 150 Mitgliedern. „All das ist eine Einheit“, sagt Albers-Hain. „Wir trennen nicht zwischen Berufsfeuerwehr und Freiwilligen Wehren. Wir alle sind die Feuerwehr.“

Das Leben eines Feuerwehrmanns scheint ein einziger langer Alarm zu sein, diesen Eindruck erweckt das Studium der jährlichen Einsatzberichte. Im Schnitt mindestens fünf Mal pro Tag rückt die Feuerwehr aus, das Spektrum reicht von der brennenden Mülltonne oder dem falschen Alarm eines Brandmelders bis zum Großbrand.

„Die körperlichen und mentalen Anforderungen sind sehr hoch“, sagt Albers-Hain. „Und die Gefahren sind real. Das weiß jeder, der im Einsatz ist.“ Wieder eine kurze Pause. „Ich kann mit Freude sagen, dass während meiner Amtszeit kein Kollege ernsthaft zu Schaden gekommen ist.“

Wer nach einem harten oder lebensgefährlichen Einsatz Hilfe brauche, erhalte sie auch. „Neben Gesprächen mit Kollegen auf der Wache oder auch den Führungskräften bietet die Stadt Trier im Fall eines posttraumatischen Stresssymptoms auch professionelle psychologische Hilfe an, wenn diese gewünscht wird“, sagt der langjährige Feuerwehrchef. „Niemand wird alleine gelassen.“

Gab es besonders schlimme Fälle, harte Einsätze, große Gefahren? Eine subjektive Frage, denn ein für Außenstehende alltäglich aussehender Wohnungsbrand bedeutet für die Einsatzkräfte vor Ort vielleicht Lebensgefahr. Aber dennoch hat Albers-Hain natürlich viele Erinnerungen an große Fälle, die Schlagzeilen machten. „Das 93er Hochwasser“, sagt er. Während der Weihnachtstage 1993 traten Mosel und Saar über ihre Ufer und überschwemmten Straßen und Häuser. In der Stadt Trier galt Katastrophenalarm, komplette Straßenzüge wurden evakuiert, Wohnungen und Geschäfte zerstört.

1995 zerstört ein Großbrand das Holzland Leyendecker, das damals in der Saarstraße im Trierer Süden zu Hause war. Nur 2000 Quadratmeter rauchende Trümmer blieben zurück. Auch andere Brände wurden zu großen Problemen. „Ich war noch nicht lange in Trier, als wir zur Pizzafabrik Peppinos Pizza nach Euren ausgerückt sind“, erzählt Albers-Hain. „Es war November und so kalt, dass uns das Wasser in den Schläuchen gefroren ist.“

Noch eine Eskalationsstufe weiter oben stehen die Katastrophen, die derart gewaltige Ausmaße haben, dass man nur hoffen kann, sie mögen niemals eintreten. Auch für diese muss die Feuerwehr trainieren oder, wenn das nicht realistisch machbar ist, planen und vorbereiten. Das Paradebeispiel dafür ist ein Gau im französischen Kernkraftwerk Cattenom – eine tief sitzende Angst vieler Menschen in der gesamten Region.

„Wenn in Cattenom etwas passiert, dann muss die gesamte Stadt Trier geräumt werden“, sagt Herbert Albers-Hain. Alle Häuser, Geschäfte, Schulen, Krankenhäuser, Pflegeheime und Behörden. „Das können wir nicht trainieren.“ Aber planen. „Ein Evakuierungsplan liegt vor“, sagt der Feuerwehrchef. Es gibt auch Pläne für den Ausbruch einer Pandemie. Anthrax. Ebola. Albträume, die wahr werden könnten – jederzeit.

Auch nach dem Wechsel in den Ruhestand wird Herbert Albers-Hain mit seiner Familie in Trier bleiben, was ihn in die Lage versetzt, die Eröffnung der neuen Hauptwache in der Südallee voraussichtlich 2024 zumindest als geladener Gast zu erleben. Ärgert es ihn, dass die schon seit sehr langer Zeit geforderte neue Hauptwache nicht mehr in seiner Dienstzeit realisiert wurde?

Diese Frage bringt ihn dann doch noch zum Lachen. „Ich hatte in meinen fast 30 Dienstjahren die Chancen, eine neue Leitstelle aufzubauen, die Nebenwache in Ehrang zu verwirklichen und die neue Hauptwache in der Südallee zumindest vorzubereiten. Ich bin also sehr zufrieden, es gibt keinen Ärger.“

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