Hermeskeiler Artilleristen müssen abziehen

HERMESKEIL. Die Bundeswehr, seit mehr als 40 Jahren in Hermeskeil zu Hause, wird die Hochwaldstadt verlassen. Das Raketenartilleriebataillon 52 wird aufgelöst, mehr als 60 zivile Angestellte und über 700 Soldaten sind betroffen. Die Schließung der Hochwaldkaserne wird sich voraussichtlich bis 2010 hinziehen, einen definitiven Zeitplan gibt es noch nicht.

Für den strukturschwachen Hochwaldraum ist die Entscheidung des Verteidigungsministers Peter Struck ein vernichtender Schlag. Michael Hülpes (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, schätzt die Wirtschaftskraft der Garnison auf jährliche zehn Millionen Euro. Außerdem sei die Bundeswehr ein wichtiger Arbeitgeber. "Wir haben natürlich befürchtet, dass es uns treffen könnte", sagt Hülpes dem TV . "Ich werfe der Landesregierung vor, dass sie uns bis zuletzt Hoffnung gemacht hat. Innenminister Walter Zuber und Ministerpräsident Kurt Beck wollten sich persönlich einsetzen."Konversionsprojekt vor den Stadttoren

Auch direkt vor Ort kämpften die politischen Leistungsträger um ihr Bataillon. Resolutionen in allen politischen Gremien, ständige Appelle an die Abgeordneten auf Landes- und Bundesebene, sich ebenfalls einzusetzen, und die Sammlung von fast 5000 Unterschriften haben die Schließung des Standortes, die gestern offiziell verkündet wurde, nicht verhindern können. Was kommt, wenn die Bundeswehr weg ist? Michael Hülpes muss ebenso wie Hermeskeils Stadtbürgermeisterin Ilona König (CDU) in den nächsten Jahren mit einem massiven Konversionsprojekt vor den Toren der Stadt fertig werden. Hülpes fordert vom Land Konversionsmittel in Höhe von 70 Prozent. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir die frei werdende Fläche für regenerative Energien nutzen, ein Beispiel wäre ein Biomassekraftwerk. Vielleicht realisieren wir auch ein attraktives Tourismusprojekt. Doch das ist Zukunftsmusik." Stadtbürgermeisterin Ilona König bestätigt: "Wir werden sofort damit beginnen, nach Alternativen zu suchen, und wir werden jemanden damit beauftragen, eine Planung zu erarbeiten." Die dafür notwendigen Gelder sollen bereits in den nächsten Haushalt eingestellt werden. "Man gewinnt den Eindruck, dass das vom Abzug der US-Truppen stark betroffene Baumholder auf Kosten von Hermeskeil und anderer Standorte gesichert werden sollte", sagt Landrat Richard Groß (CDU). "In früheren Zeiten wäre es wahrscheinlich gelungen, eine solche Entscheidung abzuwenden, doch es gab wohl nicht genügend Fürsprecher für Hermeskeil an den entscheidenden Stellen." Die Aussage des Landrats macht es deutlich: Karl Diller (SPD), parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesfinanzministerium, steht in der Kritik. Er habe sich lange Zeit nicht in der Öffentlichkeit für den Erhalt des Standortes eingesetzt, sagt auch Bürgermeister Michael Hülpes. Diller weist diesen Vorwurf zurück: "Es ist nicht meine Art, jeden Brief und jedes Gespräch öffentlich zu machen", sagt er. "Doch meine Bemühungen zum Erhalt des Standortes laufen seit Monaten. Leider hatten sie kein positives Ergebnis." Es gibt mit hoher Wahrscheinlichkeit niemanden, der die Geschichte der Bundeswehr im Hochwald besser kennt als Gisela Schirra. Die 57-Jährige arbeitet seit 41 Jahren in der Hochwaldkaserne und saß im Vorzimmer von 16 Kommandeuren. "Ich bin sehr getroffen", sagt sie dem TV . Oberstleutnant Michael Nold, seit Juni Kommandeur des Hermeskeiler Bataillons, betont: "Es gibt keine einzige betriebsbedingte Kündigung. Ein Zeitplan für die Abwicklung der Schließung wird nicht vor dem Frühjahr 2005 vorliegen." Die Entscheidung des Verteidigungsministers sei "bedauerlich".