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Herr Direktor auf Heimatbesuch

Herr Direktor auf Heimatbesuch

TRIER/MÜNCHEN. Mit Albert Fußmann (51) durch Triers Fußgängerzone zu spazieren, erweist sich als äußerst kurzweilige Angelegenheit. Spätestens alle 50 Meter großes Hallo: "Hey, schön Dich zu sehen" und "Arbeitest Du jetzt wieder hier?" Aber der ehemalige Leiter des Exzellenzhauses ist nur auf Kurzbesuch in der Stadt. Seinem 1998 angetretenen Direktoren-Job in München-Gauting will er weiterhin treu bleiben.

"Albert fragen!" In den späten 80er- und den 90er-Jahren hatten in der offenen Jugendarbeit und in kulturellen Fragen Problemlösungs-Ansätze eine Namen: Albert Fußmann. Erst Mitarbeiter und dann Leiter des Jugend- und Kulturzentrums, Vorsitzender des Stadt-Jugendrings, (Mit-) Organisator von Konzerten, Mitgründer der Suchtberatungsstelle "Die Tür" und und und - eine Institution eben und ein prägender Faktor. Bis 1998 - da ging der gelernte Erzieher, der nach dem Studium noch eine Schreiner-Lehre absolvierte, nach München-Gauting und leitet bis heute das dortige Institut für Jugendarbeit unter Trägerschaft des Bayerischen Jugendrings. Offizieller Titel: Direktor - "auch wenn man das einem Langhaarigen nicht unbedingt zutraut", lacht Fußmann. Die Entscheidung, "in der Lebensmitte beruflich noch einmal völlig neu anzufangen", hat er nicht bereut - im Gegenteil. Der Wechsel nach Bayern habe sein Leben ungemein bereichert: "Er brachte und bringt berufliche Erfüllung und persönliche Weiterentwicklung." Im Gegensatz zum Ex-Haus, wo der Chef ungezählte Nachtschichten schieben und als Mädchen für alles herhalten musste, ist Fußmann in München-Gauting sein eigener Herr. Mit der Möglichkeit, seine Arbeitszeit relativ frei einzuteilen, und dem Vorteil, "fast 180 Tage im Jahr daheim in Tawern sein zu können - ein Teil meiner Aufgaben lässt sich auch von dort aus erledigen". Ehefrau Christa und die Kinder Dario (15) und Linda (12) wissen's zu schätzen. Das Institut für Jugendarbeit ist ein Bildungs- und Wirtschaftsbetrieb mit Seminarhaus, das jeder buchen kann. Dort finden Tagungen, Seminare und berufliche Weiterbildungen (von bis zu zwei Jahren Dauer) statt. Dort ist Fußmann, schon in Trier ein eifriger Konzepte-Stricker und Programm-Macher, in seinem Element: "Wir müssen uns am Markt behaupten und etwa 40 Prozent unserer Ausgaben selbst erwirtschaften." Die Eingeborenen hat der gebürtige Eifler aus Buchet (bei Bleialf) so richtig lieb gewonnen - von Kulturschock jenseits des Weißwurst-Äquators keine Spur. "Der Bayer inszeniert sich nach außen gerne und kommt damit ziemlich krachledern und wenig kooperativ rüber. In Wirklichkeit aber ist er jemand, der die Ärmel hochkrempelt und in zupackender Art Dinge lösen will und kann. In Gauting ist mir erst aufgefallen, dass wir Rheinländer eine ziemlich larmoyante Art haben und uns damit oft selbst im Weg stehen." Fußmann geht keiner Diskussion aus dem Weg: "Ich schätze, deshalb wollte der Bayerische Jugendring mich haben. Ich kann verkrustete Strukturen aufbrechen, gut verhandeln und Leute über Lager-Grenzen zusammenführen." Das brachte dem 51-Jährigen bundesweite Meriten ein. Er gehört zum Kuratorium der (in Kulturpädagogik führenden) Akademie Remscheid und sieht sich nun "auf Augenhöhe mit Fachleuten, die ich zum 25-jährigen Bestehen des Ex-Hauses einladen wollte und dankend abgelehnt haben". Weiterer Pluspunkt des Jobs in der Münchner Vorstadt: Fußmann wohnt nur 300 Meter vom Institut entfernt. Viele Fernsehzuschauer kennen das Haus von der Mattscheibe: eine Jugendstil-Villa, in der Edgar Reiz die München-Szenen in der zweiten "Heimat"-Staffel drehte, auch "Derrick" und "Der Alte" ermittelten dort schon. "Das Haus gehört dem SchauspieIer Christian Dörner. Er hat mir eine Bedienstetenwohnung unterm Dach vermietet."Teilzeit-Heimat in "Heimat"-Villa

Apropos Heimat: "In Trier bin ich immer wieder gerne. Hier hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Einige Schmuckstücke wie der Domfreihof wurden fein herausgeputzt. Nun aber sollte Stadtentwicklung auch einmal außerhalb des Alleenrings Akzente setzen." Und wann kommt er ganz wieder zurück? "Ich denke, so schnell nicht."