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"Herr Minister" ist noch ungewohnt

"Herr Minister" ist noch ungewohnt

Der neue rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hat am ersten Arbeitstag gleich Trier einen Besuch abgestattet. Zu den großen Verkehrsprojekten im Land, die zu seinem Aufgabengebiet gehören, will er sich zunächst eine eigene Meinung bilden, ehe er konkrete Aussagen macht.

Wer ist wohl der Mann im dunklen Anzug, der von Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen und Generalvikar Georg Holkenbrink begleitet über den Domfreihof schreitet, Pressefotografen im Schlepptau? Touristen wie Einheimische können noch wenig anfangen mit Roger Lewentz. Als Landesminister ist man halt nicht gleich auch ein Prominenter, schon gar nicht am ersten Arbeitstag. Dabei mischt Roger Lewentz schon lange mit in der Landespolitik, aber erst seit Mittwoch mit dem neuen Titel. "Ich zucke noch zusammen, wenn jemand sagt Herr Minister", lacht Lewentz. "Da muss man sich erst dran gewöhnen." Vertrauter als der Titel ist ihm das Ministerium selbst. Fünf Jahre arbeitete der Sozialdemokrat als Staatssekretär im Innenministerium. Das ist nun das Ministerium für Inneres, Sport und Infrastruktur, und neben dem Thema Polizei/Stellenabbau birgt vor allem der letztere Bereich Brisanz. Hinter Infrastruktur verbergen sich die Verkehrsprojekte. Klar, dass der 47-Jährige in Trier daher mit Fragen zu Moselaufstieg, Hochmoselübergang und A 1-Lückenschluss gerechnet hat. "Ich bin keiner, der am ersten Tag gleich alle Wahrheiten aus seiner Sicht verkündet", sagt Lewentz dazu. Er wolle sich bis zum Beginn der Sommerferien die großen Projekte ansehen, mit Bürgern sprechen, Kommunalpolitikern und Fachleuten. "Dann will ich mir eine eigene Meinung bilden." Zum Moselaufstieg zwischen Trier-Zewen und der A 64 sagt Lewentz: "Wir haben den Auftrag, sehr genau zu untersuchen, ob es alternative Möglichkeiten gibt, und wir werden dieses Untersuchungsverfahren sehr zügig abschließen." Dabei sollten auch Stadt und Landkreis einbezogen werden, sagt Lewentz und kündigt an, dies im Anschluss an den offiziellen Besuchstermin noch mit OB Jensen zu besprechen.
Verkehr: vorerst keine Meinung


Wie wichtig der Verkehr ihm ist, zeigt der Minister auch mit seinem ersten Termin des Tages, einem Treffen mit den Führungskräften des Landesbetriebs Mobilität. Die 4000 Mitarbeiter dürfte stark interessieren, wie die künftige Landesregierung konkret bei der Verkehrspolitik umsteuern will. Statt in neue Straßen soll primär in den Erhalt der vorhandenen investiert werden. Ein typischer Ministertermin erwartet Lewentz dann bei der Buga in Koblenz, wo er der 555 555. Besucherin einen Blumenstrauß überreicht. Und auch der Marsch über den Trierer Domfreihof und der Blick auf den neu entstehenden künftigen "Bischof-Stein-Platz" gehört wohl eher zu den angenehmen Pflichten. 1,66 Millionen Euro kostet der Umbau des Platzes, 360 000 Euro schießt das Land zu. Ein Projekt, das vor allem im Hinblick auf die Besucher der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 forciert wurde. Mit Wallfahrten kennt sich Lewentz aus, er war 16 Jahre Bürgermeister des Dorfes Kamp-Bornhofen im Rhein-Lahnkreis, und die dortige Marienkirche lockt alljährlich 200 000 Wallfahrer an. Er lobt das Trierer Projekt als "wichtig wegen der hohen Bedeutung des Kulturgutes Dom" und für das Bild, das die vielen Besucher aus aller Welt von der Stadt bekämen. Die Bauarbeiten gehen gut voran. Statt Ende des Jahres wird wohl schon Ende Oktober ein Band zur Einweihung zu durchschneiden sein. Mutmaßlich dann mit einem schon deutlich bekannteren Innenminister Lewentz.