Herrscher über das Comedy-Chaos
Sechs Stühle, zwei Männer, wenige Requisiten - das Stück "Mord im Panini-Express" kommt mit spärlichen Mitteln aus. Es lebt von Genie und Wahnsinn des Komiker-Duos "The Tadbrothers".
Trier. Kino-Atmosphäre in der "Produktion". Der Duft von Popcorn liegt in der Luft, die Werbung läuft, ein Eisverkäufer dreht seine Runde, und der Jingle eines Filmverleihs erklingt. Nur die Kinosessel sind spartanische Bierbänke und die Leinwand eine Bühne. Den Vorspann spielen die deutsch-jüdischen Brüder Avi und David Toubiana ebenso selbst, wie sie als kongeniales Paar die 18 Rollen des Stücks selbst besetzen."Panini, Panini", ruft der Zugbegleiter. "Bambini, Bambini", murmelt der Geistliche im homoerotischen Traum. Mit ihm im Zugabteil sitzen ein indischer Rosenverkäufer, ein Stotterer, eine kreischende Dame und ein dümmlich kicherndes Zwillingspärchen. Und eine Leiche. Alle Passagiere sind verdächtig, alle gestehen den Mord. Inspektor Brio und sein Gehilfe Jean Püps Picard ermitteln. Bei jeder Fahrt durch einen dunklen Tunnel enthüllen sich die Lebensgeschichten eines jeden Verdächtigen und mögliche Mord-Motive.Durch das blitzschnelle Wechseln von Requisiten verwandeln sich die Toubiana-Brüder in die verschiedenen Charaktere, die sie mit Geschick überzeichnen. Das dabei entstehende Chaos beherrschen die Multifunktions-Darsteller so gut, dass sie das wahnwitzige Tempo bis zum Schluss durchhalten und mehr als Klamauk bieten.Ihr Comedy-Bühnenstück "Mord im Panini-Express" hat seine Vorlage in Agatha Christies Krimi "Mord im Orientexpress". Anleihen nehmen die Tadbrothers auf ihrer "kriminell witzigen Reise durch das Comedy-Universum" außerdem bei Komiker-Größen wie Louis de Funès, Laurel und Hardy, den Marx-Brothers oder Jerry Lewis. Die beiden Kommissare Inspektor Brio (David Toubiana) und Jean Püps Picard (Avi Toubiana) vereinen das trottelige Temperament von Inspektor Closeau, den Scharfsinn des Gentleman-Schnüfflers Hercule Poirot und die Weitsicht eines Kapitäns Jean Luc Picard vom Raumschiff Enterprise.Tabus kennen die Tadbro thers keine. Dem Geistlichen mit dem Vorleben eines Boxers werden homosexuelle Neigungen auf den Leib geschrieben, und Jesus wird persifliert. Dem Zugchef Adi verpassen die Brüder Führungsqualitäten und Hitler-Attitüden, die an Chaplin in "Der große Diktator" und Rick Kavanians Darstellung des Darth Vader in "Raumschiff Surprise" erinnern. Anstoß daran nehmen kann niemand. Wer, wenn nicht Künstler mit Wurzeln in Israel, dürften diese Art von Parodie mit viel Sarkasmus und Selbstironie spielen?