Hexenjagd - auch heute noch ein Problem

Trier · Wer das Wort Hexenjagd hört, denkt meist an das europäische Mittelalter - an Scheiterhaufen und die spanische Inquisition. Dass in Teilen Afrikas auch heute noch vermeintliche Hexen verfolgt und getötet werden, wissen wenige. Die Trierer Klaus Jensen Stiftung will helfen, diese Verbrechen und den Aberglauben, der ihnen zugrunde liegt, zu überwinden.

„Der Glaube an Hexerei ist in Ghana weit verbreitet“, sagt Ethnologe Felix Riedel bei seinem Vortrag in der Stadtbibliothek. TV-Foto: Christian Altmayer

Foto: Christian Altmayer (cha) ("TV-Upload Altmayer"

Trier. Felix Riedel hat viel gesehen auf seiner Reise durch Ghana. Der Marburger Ethnologe verbrachte Monate in den sogenannten Hexendörfern im Norden des Landes. In diesen Slums wohnen vor allem Frauen, die wegen des Verdachts auf Hexerei aus ihrer Heimat fliehen mussten. Sie leben in ärmlichen Verhältnissen, zusammengepfercht in Lehmhütten. Das Wasser ist schmutzig, die Medikamente sind knapp. Riedel hat diesen Frauen zugehört. Einige ihrer Geschichten erzählt er bei einem Vortrag in der Trierer Stadtbibliothek.
Darunter auch die von Martha, die er in einem der Ghettos kennenlernte. Eine an Gelbsucht erkrankte Frau habe im Fieber von Martha geträumt, sagt Riedel. Die Dorfbewohner beschuldigten Martha deshalb, sie verhext zu haben. Sie musste ihre Tiere opfern und ihr Geld abgeben - daraufhin floh sie in eines der Hexenghettos. Viele der Frauen berichten Ähnliches. Sie wurden für Unglücke verantwortlich gemacht - für Epidemien, Dürren und Unfälle. Manchmal treibe auch Armut und Neid den Dorfmob zur Lynchjustiz. Gerade wohlhabende Frauen und Männer würden oft der Hexerei bezichtigt. Ebenso aber auch Straßenkinder, Behinderte und andere Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben.
In Ghana, aber auch in Nigeria und Madagaskar sei Aberglaube weit verbreitet. Riedel schätzt, dass in den vergangenen 50 Jahren in Afrika mehr vermeintliche Hexen ermordet wurden als in 500 Jahren europäischer Inquisitionsgeschichte. Meist werden sie gesteinigt oder bei lebendigem Leib verbrannt. Der Völkerkundler Riedel gründete die Organisation "Hilfe für Hexenjagdflüchtlinge", um die Verfolgten zu unterstützen.
Dieses Projekt möchte auch der ehemalige Trierer Oberbürgermeister Klaus Jensen mit seiner Stiftung unterstützten - in erster Linie finanziell, aber auch beratend. Während seiner Amtszeit hatte Jensen sich dafür eingesetzt, dass die Stadt sich ihrer dunklen Vergangenheit stellt - eine Gedenktafel an der Porta Nigra erinnert heute an die Opfer der Hexenjagd in der Region. Zum Erinnern gehöre aber immer eine Warnung für die Zukunft, sagt Jensen. "Wer der Opfer der Hexenverfolgung gedenkt, darf nicht die Augen vor der Situation in Ghana verschließen." cha
Weitere Informationen über die Organisation von Felix Riedel unter: <%LINK auto="true" href="http://www.hexenjagden.de" class="more" text="www.hexenjagden.de"%>
Extra

Die Stiftung des ehemaligen Trierer Oberbürgermeisters Klaus Jensen fördert Formen gewaltfreier Konfliktlösungen. Sie unterstützt internationale und regionale Projekte, beispielsweise gegen Rassismus und Cybermobbing in Rheinland-Pfalz. Die Organisation hat aber auch Seminare für Sozialarbeiter in Ruanda veranstaltet, die traumatisierten Menschen helfen sollen, wieder in die Gesellschaft zu finden. Weitere Infos: <%LINK auto="true" href="http://www.klaus-jensen-stiftung.de" class="more" text="www.klaus-jensen-stiftung.de"%> cha