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„Hier gehören keine Windräder hin“

„Hier gehören keine Windräder hin“

Die Empörung über neun Windrad-Riesen, die oberhalb des Moseltals bei Mehring und Riol (Kreis Trier-Saarburg) geplant sind, wächst. 120 Besucher wurden bei einem Info-Abend in Longuich die Dimensionen des Projekts vor Augen geführt. Die Anlagen sind kilometerweit einsehbar – von Fell bis Mehring.

Der Verbandsgemeinde (VG) Schweich werden vermutlich in den kommenden Wochen etliche Widerspruchs-Schreiben auf die Schreibtische flattern. Und zwar von Bürgern, die die Verwaltung dazu bewegen wollen, den Bau von Windrädern auf einem Moselberg zu verhindern. Wie berichtet, plant die Firma Juwi gemeinsam mit den Stadtwerken Trier (SWT) neun Anlagen des Typs "Vestas 112" . Sie sind samt Rotor 200 Meter hoch. Die vorgesehenen Standorte liegen oberhalb des Triolago-Freizeitsees und der Molesbach-Autobahnbrücke auf den Gemarkungen Riol und Mehring. Weiter in Richtung Hochwald existieren entlang der A.1 bereits Windräder - sie stehen auf Mehringer Bann.

Juwi und SWT haben die Bauanträge schon vor Monaten gestellt, doch genehmigt sind die jetzt zur Diskussion stehenden Windräder noch nicht. Ob sie aufgestellt werden dürfen, hängt vom Flächennutzungsplan (FNP) der VG Schweich ab. Dieser legt Vorrangflächen für Windkraft fest und wird derzeit geändert. Hintergrund ist, dass das Land die Kommunen aufgefordert hat, geeignete Windkraftstandorte auszuweisen. Rheinland-Pfalz hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 den Strombedarf aus erneuerbaren Energien zu decken. Damit das erreicht werden kann, sind Windräder in Wäldern und auf Höhenrücken von Flusstälern nicht mehr von vorneherein tabu. Auch die Moseltalschutzverordnung ist kein Ko-Kriterium mehr für Windkraft.

Die VG Schweich zäumt in der Windkraft-Frage das Pferd von hinten auf: Sie legt zunächst Gebiete fest, in denen Rotoren absolut tabu sind - weil damit Schäden für Mensch, Tier oder Umwelt verbunden wären. Das gilt beispielsweise für Naturschutzgebiete, die Refugien seltener Tier- und Vogelarten oder Siedlungszonen. Windräder dürfen nicht zu nah an bewohnten Gebieten stehen. Der von der VG Schweich favorisierte Abstand von 1000 Meter sei zu gering, sagen Kritiker.

"Die Mosel-Kulturlandschaft ist Grundlage unseres Wohlstandes, sie darf nicht zerstört werden", forderte Longuichs Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder kürzlich bei einem Infoabend im voll besetzten Longuicher Bürgerhaus. Sie bemängelt, dass das Moseltal im Bereich der zur Disposition stehenden neun Windräder in Riol und Mehring nicht mehr als "landesweit bedeutsame historische Kulturlandschaft" (dort dürfen keine Windräder stehen) angesehen wird. Oberhalb der Autobahn, also mitten im Berg, ende unverständlicherweise diese Tabuzone. "Longuich ist nicht gegen regenerative Energie", stellte Schlöder klar, "aber hier gehören keine Windräder hin."

Wertverlust bei Immobilien

Ähnlich argumentiert der Verein "Feller Gegenwind". Von den südlich von Fell stehenden Waldracher Windrädern gingen optische Beeinträchtigungen und gesundheitliche Belastungen aus, sagten die Vorsitzenden Helmut Schneiders und Erwin Britz. Sie warnten vor Nachteilen im Fremdenverkehr und bei den Immobilien. Deutsche Maklervereinigungen rechnen mit 25 bis 40 Prozent Wertverlust für Häuser und Grundstücke. Ferner befürchten die Gegenwindler, dass die hohen Abbaukosten (rund 150.000 Euro pro Anlage) bei den Kommunen und damit der Allgemeinheit hängen bleiben. Man werde alles daran setzen, die "Einkesselung" von Fell durch Windkraftanlagen zu verhindern, sagte Schneiders. Fell hat Widerspruch gegen die Änderung des Flächennutzungsplans eingelegt.

Auch viele Bürger meldeten sich zu Wort (siehe "Stimmen"), nachdem Gegenwind-Vereinsmitglied Peter Gemmar vorgeführt hatte, wie die geplanten Windräder später einmal von verschiedenen Standpunkten an der Mosel aussehen könnten. Gemmar, Informatiker an der Trierer Hochschule, befasst sich hobbymäßig mit Geodaten. Er entwickelt maßstabsgetreue Geländemodelle und erzeugt mit Hilfe von Computerberechnungen perspektivische Bilder. Die Zuhörer waren überrascht, wie dominant die Windräder wirken. Ob von der Huxlay in Mehring, dem Fahrradweg in Riol, der Longuicher Brücke oder aus Blickrichtung Lörsch und Longen.Meinung

Der Lockruf des Geldes

Von Albert Follmann

Viele Moselaner sind empört, dass man ihnen nun Windräder vor die Nase setzen möchte. Zurecht. Der Schaden für die Moselregion wäre nicht wieder gutzumachen und stünde in keinem Verhältnis zum Nutzen. Schuld an dem Dilemma um Windkraft-Standorte ist die Landesregierung, und hier insbesondere das grüne Wirtschaftsministerium. Statt landesweit den Weg vorzugeben, sollen Kommunen geeignete Plätze ausweisen. Das Ergebnis: hier Goldgräberstimmung, dort Frust. Riol und Mehring folgen dem Geld, andere sind die Leidtragenden.
a.follmann@volksfreund.deExtra: Flächennutzungsplan

Das Verfahren zur 11. Änderung des Flächennutzungsplans "Windkraft" der VG Schweich läuft derzeit. Umweltberichte, Gutachten und Stellungnahmen von Behörden und Verbänden werden offen gelegt. Die Dokumente sind noch bis zum 30. November für die Öffentlichkeit einsehbar, auch auf der Internetseite der VG Schweich unter dem Oberpunkt "Planverfahren". Widerspruch können Bürger und Kommunen noch bis zum 10. Dezember bei der VG Schweich einlegen. Wenn die Hälfte der Gemeinden der VG Schweich den Flächennutzungsplan nicht mitträgt, ist er abgelehnt - vorausgesetzt, in diesen Gemeinden leben mindestens die Hälfte aller VG-Bewohner. alfStimmen


Rosi Schmitt (Longuich): "Wir sind in Longuich doch schon durch die Autobahn und die Deponie genug gebeutelt."
Markus Longen (Gastwirt und Winzer aus Longuich): "Ich habe gegen die Windräder Einspruch eingelegt. Wir müssen auch an die Generationen nach uns denken, sie sollen in einer intakten Landschaft leben."
Engelbert Johaentges (Winzer aus Schweich): "Die Gemeinden, die von Windrädern profitieren, müssten Geld für den Rückbau zurücklegen, das würde ihren Gewinn schmälern."
Rudolf Schöller (Föhren, Projektentwickler Stadtwerke Trier): "Wir wollen das Projekt erfolgreich für die Region entwickeln. Das schafft Arbeitsplätze und ist gut für den Klimaschutz."
Uwe Spanier (Fell, wohnt unweit der Waldracher Windräder): "Ich kann nicht mehr ruhig schlafen, der Lärm ist so, als würde dauernd ein Flugzeug auf der Stelle stehen."
Rainer Müller (Revierförster von Fell, Longuich und Riol): "Ein Bürgerentscheid oder ein Bürgerbegehr ist möglicherweise der einzige Hebel, den man noch ansetzen kann." alf