Musik: Hier spielen die ganz Großen

Musik : Hier spielen die ganz Großen

Beim Regionalwettbewerb Jugend musiziert durften begabte Kinder und Jugendliche ihr Können unter Beweis stellen. Für einige Gewinner geht es nach dem Wettbewerb noch weiter.

Am Sonntagmorgen in der Karl-Berg-Musikschule, Paulinstraße 42. Die Uhr zeigt 10:08. Vor Raum 2.08 hat sich eine kleine Menschentraube versammelt. Gesprochen wird nicht.

Die Stille wird von Klavier- und Violinklängen abgelöst, die hinter der verschlossenen Tür erklingen. Die sechsjährige Maia und ihre achtjährige Schwester Polina geben im Duett ihr Bestes. Von ihren Zuhörern wissen sie nichts. Staunen, Sprachlosigkeit, Faszination, Emotion – die Gesichter der Zuhörer als Spiegel der Musik, deren Mimik genauso schnell wechselt wie Tempo, Lautstärke und Tonhöhe der Stücke.

In einer klassischen Philharmonie stehen zwei, drei Stücke in zwei Stunden auf dem Plan. Hier sind es in derselben Zeit 16 oder 17. Zwischen sechs und 20 Minuten bleiben den Musikern, um die Jury von ihrem Können zu überzeugen. Gewählt wird daher ein breites Repertoire, auf ruhige, romantische Stücke folgen Volkstänze, Sonaten oder Allegri.

Beeindruckend ist nicht nur die Bandbreite der Stilrichtungen, sondern auch die Altersspanne zwischen den einzelnen Teilnehmern. Auf der Violine spielt Jannika Lauterbach, 16, ein Stück von Michail Glinka – dort, wo eine Stunde früher noch Maia Marinova, sechs, Joseph Haydn zum Besten gab. Der Zuschauer des 55. Jugend-musiziert-Regionalentscheids wird Teil einer Reise durch die musikalische Entwicklung der Heranwachsenden. Das Spiel einer Sechsjährigen verglichen mit dem einer Zehnjährigen – dazwischen liegen Welten.
Selten merkt man den jungen Musikern, viele noch Kinder, die Aufregung an. Ein erleichtertes, heimliches Lächeln nach einem Stück oder einer schwierigen Passage, tiefes Durchatmen, Handabwischen – man muss schon genau hinsehen, um Zeichen von Nervosität zu erkennen.

Der Leistungsdruck scheint vielen Kindern nichts anzuhaben: „Ich war schon aufgeregt“, sagt die sechsjährige Maia nach ihrem Auftritt mit der Violine.“ Aber als ich es zu Ende gespielt hatte, wollte ich noch mal spielen.“ „Es geht darum, dass die Kinder Erfahrung sammeln“, sagt Vater Vasil Marinov, 39, aus Daun. Seine beiden Töchter sind bei dem Wettbewerb vertreten, doch genauso wie die Kinder wirken auch die Eltern entspannt und gelassen.

Kurze Spielpause zwischen zwei Gruppen: Mit blitzenden Augen beugt sich Wolfgang Kopp, 84, Musikkenner aus Merzig, zur Journalistin und sagt: „Das hier ist doch ein kollossal hohes Niveau! Das klingt alles sehr vielversprechend.“ Eine „Kinderveranstaltung“, da ist er sich sicher, „ist das hier ganz bestimmt nicht“.
Als am Ende des Vormittags Yu-Mi Kim auf der Violine im Duett mit dem Klavier auftritt, wird der Eindruck von Wolfgang Kopp bestätigt: Voller Gefühl, Ausdruck und Sicherheit trägt sie alle drei Stücke vor – mit geschlossenen Augen.

Teilgenommen haben an dem Wettbewerb etwa 70 Musiker aus der Region Trier in den Wertekategorien Blasinstrumente Solo, Gitarre Solo, Schlagzeugensembles, Klavier vierhändig, Duo Klavier und Streich­instrument. Für die 37 Gewinner des Regionalentscheids geht es ab der Altersgruppe zwei (geboren 2006, 2007) zum Landeswettbewerb nach Mainz. Wer sich auch auf Landes­ebene gegen die gleichaltrigen Konkurrenten durchsetzen kann, darf sein Glück bei dem Bundeswettkampf versuchen. Die ersten Preisträger des Regionalentscheids vom Wochenende präsentieren ihr Wettbewerbsprogramm in dem Preisträgerkonzert am 11. März, 17 Uhr, im Rokokosaal des Kurfürstlichen Palais.

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