"Hier werde ich akzeptiert wie ich bin"

"Hier werde ich akzeptiert wie ich bin"

Wohnangebote, ambulante Dienste und teilstationäre Betreuung - das sind die drei Säulen des Gemeindepsychiatrischen Betreuungszentrums (GPBZ) Schweich. Wir stellen die Einrichtung für psychisch kranke Menschen im Rahmen unserer Serie über den Schönfelderhof vor.

Schweich. Ohne das vor fünf Jahren aus der Taufe gehobene Betreuungszentrum der Barmherzigen Brüder am Neukauf-Markt in Schweich sähe der Tagesablauf von Robert Gläser (53, Name geändert) ganz anders aus. Vermutlich wäre der Mann, der Alkoholiker war und an Demenz leidet, stationär untergebracht. Das Leben in einer ihm vertrauten Umgebung, das ihm so wichtig ist und ihm Halt gibt, hätte er nicht.
Unter der Woche wird Gläser morgens abgeholt (er lebt im Elternhaus), bekommt sein Mittagessen und eine einfache Beschäftigung. "Hier ist meine Familie", sagt der 53-Jährige. Das Zentrum koordiniert die Arztbesuche, teilt die Medikamente ein und schaut, dass der Klient nicht über seine Verhältnisse lebt. Er muss mit 120 Euro, die er wöchentlich von der Bank abholt, über die Runden kommen. "Daheim würde ich nur alleine rumsitzen und in Versuchung kommen, wieder Alkohol zu trinken", sagt Gläser. Er war Handwerker, kam aber mit seinem Chef nicht klar, schmiss den Job, fand keinen neuen - das warf ihn aus der Bahn.
Knapp 40 Klienten aus dem Einzugsbereich der Verbandsgemeinde Schweich werden im GPBZ Schweich betreut. Weitere solcher Zentren der Barmherzigen Brüder vom Schönfelderhof gibt es in Bitburg, Hermeskeil, Prüm und Daun. "Wir wollen ihnen weitestgehend das Leben im gewohnten Umfeld ermöglichen", sagt der Leiter der Schweicher Einrichtung, Johannes Rohr. Das Angebot umfasst personenbezogene Hilfen im praktischen und sozialkommunikativen Bereich. Es gibt auf den 700 Quadratmetern eine Tagesstätte mit ergo- und arbeitstherapeutischen Angeboten.
Ziel ist die Rehabilitation - Menschen sollen wieder aktiv ihren Tag gestalten können und so ihr Selbstwertgefühl stärken. Auch gibt es eine Kontakt- und Beratungsstelle mit Freizeittreff, Teestube und Gruppenforen. Betreute Wohnangebote umfassen eine Intensivgruppe mit vier Plätzen, fünf Einzelappartements (werden vermietet) und die Betreuung in der eigenen Wohnung.
Leben in den eigenen vier Wänden - das bekommt auch Doris Wendner (54, Name geändert) wieder auf die Reihe. Die gelernte Goldschmiedin war erfolgreich im Beruf, hatte erst finanzielle Probleme, dann seelische und gesundheitliche. Der Halt in der Familie fehlte, Schlafstörungen führten zu Unkonzentriertheit, schließlich kam der Nervenzusammenbruch, dann die Einweisung in die Psychiatrie. Immer wieder versuchte die 54-Jährige, auf die Beine zu kommen, bildete sich weiter, suchte Arbeit - vergeblich. "Für mich war es die Rettung, hierherzukommen", sagt Wendner, "hier werde akzeptiert wie ich bin. Ich brauche kein Theater mehr zu spielen."
"Die größte Hürde ist es, Hilfe anzunehmen und zu uns zu kommen", weiß Rohr. Deswegen suche man auch die Öffentlichkeit, um aufzuklären; etwa mit einem Infostand bei der Stadtwoche, dem Tag der Pflege im Seniorenheim oder themenbezogenen Aktionen mit dem Dekanat oder der Volkshochschule. 2011 stand das Thema Depressionen im Blickpunkt, 2012 wandte man sich speziell an Kinder, die psychisch kranke Eltern haben.