1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Hilde Horchler hat die Partnerschaft zwischen Fort Worth in Texas und Trier initiiert.

Trier/Fort Worth : Die Trierer nennen sie Texas-Mama

Römische Scherben in einer 170 Jahre jungen Stadt, ein Oberbürgermeister, der den besten texanischen Wein „ausbaufähig“ nennt, und viele private Freundschaften: Ohne Hilde Horchler gäbe es die Partnerschaft zwischen Trier und Fort Worth nicht.

Sie bezeichnet sich als Frau mit amerikanischem Pass und deutschem Herzen: Ihre Liebe zu Deutschland hat Hilde Horchler nie verloren. 1982 zog die gebürtige Freiburgerin mit ihrem Mann und den beiden Kindern nach Fort Worth – und sehnte sich im flachen Texas nach ihrer alten Heimat.

Sie suchte nach einer Verbindung zu ihrem Geburtsland. Auf einer Betriebsfeier ihres Mannes lernte Horchler den Bürgermeister der Stadt, Bob Bolen, kennen. Fort Worth war zu dieser Zeit auf der Suche nach Partnerstädten, und Horchler überzeugte ihn von der Idee, eine passende Stadt in Deutschland zu finden.

Eine ähnlich große Stadt mit passender Einwohnerzahl in Deutschland ausfindig zu machen, war schwierig, die meisten Großstädte waren bereits in festen Händen. Schließlich wurde Horchler auf die Stadt Trier aufmerksam. Der damalige Oberbürgermeister Felix Zimmermann zeigte Interesse.

Erinnert stark an John Wayne: Triers Oberbürgermeister Felix Zimmermann 1987 in der texanischen Partnerstadt Fort Worth.  Foto: roland morgen (rm.)

Horchler machte sich auf die Reise. Der Oberbürgermeister selbst zeigte ihr die Stadt von ihrer schönsten Seite. Schnell sei ihr klar geworden, dass sie keine bessere Partnerstadt als Trier finden werde, erzählt Horchler beim Interview über Skype.

In Fort Worth wurde beschlossen, eine Partnerschaft einzugehen, die bis heute andauert. Die „Trauung“,die in beiden Städten vor 32 Jahren stattfand, gehöre zu einer ihrer schönsten Erinnerungen, sagt Hilde Horchler, die als Künstlerin arbeitet und viele ihrer Werke in Trier und Fort Worth ausgestellt hat.

Als Komitee-Leiterin kümmert sie sich seither um das Austauschprogramm zwischen Schülern, Studenten und Geschäftsleuten. Darüber, wie die erste Reisegruppe von rund 40 Fort Worthern die Trierer Bevölkerung 1987 in Staunen versetzte, lacht Horchler noch heute: In ihren authentischen Hüten, Gürteln, Jeans und Röcken unternahmen die Amerikaner damals ihren ersten Stadtspaziergang.

Ein solches Bild hätten die Trierer bis dahin höchstens aus der Serie Dallas gekannt. Auch ein weiterer Höhepunkt des Austauschs ist unvergessen: Die Besucher nahmen an einer Ausgrabung teil und brachten ein paar Scherben aus der Römerzeit zurück in das 170 Jahre junge Fort Worth.

Auch kulinarisch wurden die Gäste aus Fort Worth verwöhnt. Besonders der Wein aus der Region hat es vielen Teilnehmern angetan. Oberbürgermeister Zimmermann, der im Gegenzug mit einer Gruppe Trierer Fort Worth besuchte, habe den besten texanischen Wein als eher ausbaufähig bezeichnet, erinnert sich Hilde Horchler. Was den Fort Worthern an Wein fehle, machten sie aber mit ihren weltberühmten Steaks von texanischen Rindern gut.

Die historischen, kulturellen und architektonischen Unterschiede zogen über die Jahre viele Teilnehmer in die jeweiligen Partnerstädte. Hilde Horchler erzählt von Anrufen, Briefen und Mails von den Teilnehmern aus Trier, in denen sie liebevoll Texas-Mama genannt wird.

Viele Freundschaften sind entstanden zwischen Menschen, die sich ohne Horchler nie begegnet wären. Projekte wie das Bier „Wild Acre Kraft Haus“ wurden durch die Zusammenarbeit zwischen den Brauereien Kraft Bräu und Wild Acre möglich.

Alles, was es an Verständigung zwischen den mehr als 8000 Kilometern voneinander entfernten Städten gibt, beruht auf Hilde Horchlers Engagement. Dafür ist sie bei ihrem letzten Besuch in Deutschland mit dem Ehrenbrief der Stadt Trier ausgezeichnet worden.

„Work for it! “, hatte der damaligeBürgermeister von Fort Worth auf Hilde Horchlers Vorschlag, eine Partnerstadt zu finden, gesagt – arbeite dafür.

In der Mission, Menschen einander näher zu bringen, wird sie das auch weiterhin tun.