Hilfe für den heiligen Antonius

Das Suchen von verschwundenen oder verlorenen Gegenständen ist des Öfteren Gegenstand dieser Kolumne. Die Rezepte sind vielfältig. Die einen Kollegen rufen den heiligen Antonius an. Doch der ist, glaube ich, einer der meist beschäftigten Heiligen in unserem Kulturkreis.

Andere entscheiden sich beispielsweise dafür, an einem bestimmten Punkt nicht mehr weiterzusuchen. Und siehe da, kurze Zeit später tauchen Geldbörse, Führerschein oder Reise ticket ganz von allein wieder auf.

Bei verlorenen Gegenständen setze ich persönlich auf das Gute im Menschen und habe damit schon viel Erfolg gehabt. Das hat mir sogar schon mal meine am Bankautomaten vergessene Scheckkarte zurückgebracht.

Schön ist es, wenn man sich für so viel Ehrlichkeit auch einmal revanchieren kann. Genau vor einem Jahr fanden mein Mann und ich am späten Abend die Handtasche einer jungen Frau auf der Straße, inklusive Portemonnaie, Schlüssel und Handy.

Der erste Gedanke galt der Besitzerin, der zu diesem Zeitpunkt wohl die Kirmeslaune gänzlich vergangen war. Aber wie möglichst schnell helfen? Bei einem Schausteller in der Nähe abgeben? Oder bei der Polizei?

Ein Anruf bei der jungen Frau zu Hause half nicht weiter. Dort ging - eigentlich logisch - niemand ans Telefon.

Meinem Mann kam die rettende Idee. Er rief die letzte Nummer an, die von dem Handy aus angerufen wurde und hatte den Freund der Handtaschen-Besitzerin an der Strippe.

Der atmete hörbar auf, als er den Grund des Anrufs vernahm. Minuten später traf man sich zur Übergabe der vermissten Tasche und zu einem Kirmesbier. So war der Abend der beiden jungen Leute gerettet. Und wir waren froh, dem heiligen Antonius mal etwas Arbeit abgenommen zu haben.