Hilfe für die Milchbauern

Kritisches Konsumverhalten fordert die KLB-Geschäftsführerin Barbara Schartz von den Verbrauchern. Nur so können ihrer Meinung nach kleine Betriebe unterstützt werden. Die KLB befürchtet ein Aussterben von Familienbetrieben.

Messerich. (red) Bessere Rahmenbedingungen für die Milchbauern hat die Katholische Landvolkbewegung (KLB) im Bistum Trier gefordert. "Die Politik muss die Menge der erzeugten Milch begrenzen", forderte KLB-Diözesanvorsitzender Rudolf Meyer bei einem Ortstermin in Messerich. Andernfalls drohe vielen der Bauern in der Region das Aus.

Einer dieser Betriebe ist der Bauernhof von Alfred Begon in Messerich. Mit knapp 80 Kühen liefert Begon im Jahr rund 650 000 Liter Milch bei der Hochwald-Molkerei ab und bekommt dafür 21 Cent pro Liter. "Mit diesem Preis kann ich nicht kostendeckend wirtschaften. Während die Erlöse in den Keller fallen, laufen meine Betriebskosten weiter und steigen sogar", klagt Begon. Auf Dauer bedeute ein Milchpreis auf dem heutigen Niveau das Ende für seinen Betrieb. Sollte der Milchpreis weiter unter den Herstellungskosten liegen, fürchtet die Landvolkbewegung ein "Aussterben der bäuerlichen Familienbetriebe". "Sie sichern unsere Ernährung, indem sie die natürlichen Ressourcen nachhaltig und verantwortungsvoll nutzen", sagt KLB-Geschäftsführerin Barbara Schartz. Von den Verbrauchern fordert sie daher, durch "kritisches Konsumverhalten" kleine Betriebe zu unterstützen und die "Marktmacht der Handelsketten zu brechen."

Als Betroffener von der Situation auf dem Milchmarkt fühlt Alfred Begon sich von der Politik "im Stich gelassen". "Regierung und EU fördern einseitig die industrielle Landwirtschaft, jahrhundertealte Familienbetriebe werden platt gemacht", wirft er den Verantwortlichen vor. Von der Politik käme die Aufforderung weiter zu wachsen und die Betriebe zu vergrößern. "Hier ist aber Ende der Fahnenstange", macht Begon klar. Außerdem sei auch die Grenze der Arbeitsbelastung erreicht. "Ich arbeite sieben Tage die Woche von früh bis spät, mehr geht nicht." Enttäuscht ist er auch von den Verbänden: Bauernverband und der Verband der Milchviehhalter seien sich nicht einig und schwächten dadurch die Situation der Bauern zusätzlich: Eigentlich will Alfred Begon den Betrieb, den er selbst 1981 von seinem Vater übernommen hat, gerne an seinen ältesten Sohn weitergeben. Sollte die Situation aber so bleiben, könne er seinem Erben nicht guten Gewissens empfehlen, den Hof zu übernehmen. "Dann muss er sich eine andere Arbeit suchen". Ähnliches befürchtet die KLB in den nächsten Jahren für die Hälfte der rund 1200 Haupterwerbsbetriebe in der Westeifel. Begon: "Dann kennen unsere Kinder Kühe irgendwann nur noch aus dem Fernsehen."

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