Hinein ins Mittelalter!

TRIER. Trier bietet weitaus mehr als Römer, Riesling und Rallye-WM. Zum Beispiel den Frankenturm. Das 900 Jahre alte Gemäuer aber steht im Abseits und ist verschlossen. Die Trier-Gesellschaft und der Trierische Volksfreund wollen das ändern und mit einer gemeinsamen Aktion den Frankenturm für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Die Leserinnen und Leser können dabei helfen!

Der Frankenturm könnte Geschichte(n) erzählen: Von seinen Anfängen um 1100, als er den Menschen wie ein Wolkenkratzer erschienen sein muss. Vom Leben und Bauen im mittelalterlichen Trier, das auf den Trümmern der römischen Metropole entstand und über Jahrhunderte keine Stadtmauer besaß. Vom Selbstbewusstsein seiner Erbauer aus dem Stadtadel, die im Dienst des Erzbischofs standen, aber längst selber nach Ruhm, Ehre und Macht lechzten. Von jüngeren Zeiten, als der einst wehrhafte Wohnturm zum Lagerraum verkommen und dem Verfall preisgegeben war. Und er könnte mit einem verbreiteten Irrtum aufräumen: Keine "Franken" erbauten ihn - Namensgeber ist Ritter Franco von Senheim, im 14. Jahrhundert sein Besitzer. Die Realität sieht (noch) anders aus. Der Frankenturm fristet ein Mauerblümchen-Dasein. Stumm und verschlossen steht er in der Dietrichstraße. Die Trier-Gesellschaft, die sich für die Erhaltung von Kulturdenkmälern engagiert, hat sich die Öffnung des Frankturms für Besichtigungen und kleinere Veranstaltungen auf die Fahne geschrieben. Dazu sind ein behutsamer Innenausbau und die Schaffung eines barrierefreien Zugangs nötig. Geschätzte Kosten: 250 000 Euro. Weil die Stadt als Besitzer sich ein solches Projekt nicht leisten kann, ist private Initiative gefragt. Der Grundstock besteht bereits: 100 000 Euro will die Trier-Gesellschaft unter Leitung von Gert Burscheid (Vorsitzender), Rainer E. Meyer (Vize) und Karlheinz Scheurer (Schatzmeister) aus Vereinsmitteln zur Verfügung stellen. Der Trierische Volksfreund unterstützt das Vorhaben und widmet dem Projekt eine Benefiz-Aktion. TV-Geschäftsführer J. Friedrich Orths: "Wer einmal im Frankenturm gewesen ist, kann sich seiner unglaublichen Atmosphäre nicht entziehen. Es ist schade, dass er ein so unbedeutendes Dasein fristet. Das Projekt der Trier-Gesellschaft hat uns angesprochen und überzeugt." Chefredakteur Walter W. Weber ist ebenfalls "Frankenturm-Fan": "Er verkörpert ein beeindruckendes Stück Stadtgeschichte. Ich habe es schon als Schüler bedauert, dass dieses Kleinod stets verschlossen blieb, wo es doch ein Pfund ist, mit dem Trier wuchern könnte. Mit der Trier-Gesellschaft und dem TV haben zwei Partner zusammengefunden, die das ändern wollen, um Deutschlands ältester Stadt zu einer weiteren Attraktionen zu verhelfen." Weber und Orths beurteilen die Erfolgsaussichten optimistisch: "Wir hoffen auf die Unterstützung unserer Leser und Kunden. Mit ihrer Hilfe können wir es schaffen." Die Benefiz-Aktion soll bis Jahresende laufen. Der TV berichtet in dieser Zeit über die Geschichte des Turms, seine Bedeutung, über Nutzungsmöglichkeiten und Aktionen, die das Öffnungs-Projekt unterstützen. Am Wochenende 10./11. September steht der Turm für Besucher offen. Der Sonntag ist großer Aktionstag unter Beteiligung des TV.