Hintergrund: Was steckt hinter dem Bürgerservice?

"Das sind doch die mit den Arbeitslosen und den ABM-Maßnahmen." Dieses Bild haben viele Trierer im Kopf, wenn die Rede vom Trierer Bürgerservice ist. Dabei entspricht es längst nur noch zu einem kleinen Teil der Realität. Der TV erklärt, wie das Unternehmen strukturiert ist.

Wem gehört der Bürgerservice?
Die Anteile am Bürgerservice halten die Stadt Trier (49 Prozent) und der Verein Tina e.V. (51 Prozent). Tina steht für Trie rer Initiative für Arbeitslose. Diese wurde 1984 gegründet. Der Bürgerservice wurde im April 1987 zunächst als Abteilung der Tina ins Leben gerufen, 1994 wurde er zu einer gemeinnützigen GmbH.

Was bedeutet gemeinnützige GmbH?
Gemeinnützige GmbHs (gGmbH) bekommen vom Staat Steuervergünstigungen. Ihre Gewinne dürfen nicht an die Gesellschafter ausgezahlt werden, sondern sie müssen für den gemeinnützigen Zweck des Unternehmens verwendet werden.

Wie ist der Bürgerservice strukturiert?
Im Grunde hat der Bürgerservice zwei Ansätze, mit denen er arbeitet, erläutert Geschäftsführer Horst Schneider. Einerseits gibt es den Bereich der klassischen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen: Mit berufsvorbereitenden Kursen oder den Ein-Euro-Jobs werden, finanziert mit öffentlichen Mitteln, Menschen für den Arbeitsmarkt fit gemacht. In der öffentlichen Wahrnehmung ist das immer noch der Bereich, den die meisten mit dem Bürgerservice gleichsetzen. Dabei sind hier nur noch 50 bis 60 Mitarbeiter beschäftigt, noch vor zwei Jahren waren es 120. Dieser Bereich ist von den anstehenden Kürzungen am stärksten betroffen (siehe Text oben).
Der zweite Bereich ist mittlerweile deutlich größer: Der Bürgerservice tritt selbst als Arbeitgeber auf und ist unternehmerisch tätig. Ziel ist dabei, einer möglichst großen Zahl von Behinderten und Langzeitarbeitslosen dauerhafte, sozialversicherungspflichtige, unbefristete und tariflich bezahlte Jobs zu verschaffen. In diesem Sektor sind zurzeit 285 Mitarbeiter beschäftigt. Der Bürgerservice sieht sich hier als sozial orientiertes Unternehmen und er ist ein Integrationsbetrieb, das heißt, der Anteil von Menschen mit Behinderung bei den Beschäftigten liegt bei mindestens 25 Prozent. Geschäftsführung und Verwaltung sind für beide Bereiche gleichermaßen zuständig.

Auf welchen Feldern ist der Bürgerservice aktiv?
Der Bürgerservice bietet zahlreiche Dienstleistungen an: 100 Mitarbeiter sind im Recycling-Bereich beschäftigt. Der Bürgerservice sortiert als Kooperationspartner der ART den Müll aus gelben Säcken im Trierer Hafen, und in der Monaiserstraße verwerten Mitarbeiter Elektroschrott. 65 Mitarbeiter erledigen Arbeiten im Garten- und Landschaftsbau. 25 Mitarbeiter sind mit "Diensten aller Art" beschäftigt, beispielsweise Abrissarbeiten, Entrümpelungen, Bauarbeiten. Zehn Mitarbeiter sind als Bau- und Möbelschreiner beschäftigt, acht im Bereich Maler und Lackierer, zehn im Bereich Gebäudereinigung. Der Bürgerservice betreibt das Hostel und Jugendgästehaus Warsberger Hof in Trier (21 Mitarbeiter), die Zweiradwerkstatt und die Fahrradvermietung in der Trierer Hornstraße und am Bahnhof (acht Mitarbeiter) sowie die Textilwerkstatt in der Kaiserstraße mit fünf Mitarbeitern. Auch die dort angesiedelte Krabbelstube gehört zum Bürgerservice.
Daneben gibt es noch zwei selbstständige Tochtergesellschaften: die BSB (Beschäftigungs-, Service- & Beratungsgesellschaft mbH), die seit 2002 als klassische Personalberatungs- und Zeitarbeitsfirma am Markt ist. Zweites Tochterunternehmen ist die Best Energy Solutions Trier GmbH mit Sitz in Föhren, die sich auf die Errichtung großer Solaranlagen auf Dächern und Freiflächen spezialisiert hat.
Der Bürgerservice und seine Tochterfirmen haben außer in Trier und Föhren Standorte in Bitburg, Morbach und Saarburg. Letzterer wird im Zuge der Sparmaßnahmen laut der Geschäftsführung geschlossen. mic