Hinweis auf Gottes andere Welt

Hinweis auf Gottes andere Welt

Christoph Pistorius, Jahrgang 1962, ist Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Trier. Die Geschichte seiner Heimatstadt fasziniert ihn bis heute. Dem Trierischen Volksfreund erzählt er, weshalb ihn die Basilika besonders beeindruckt.

Wenn ich durch die Trierer Innenstadt gehe, dann treffe ich Menschen, die ich kenne. Und die Menschen haben auch keine Scheu, mich anzusprechen. Die Stadt ist mein Zuhause, und deswegen möchte ich auch gerne hierbleiben.
Nach meinem Studium in Wuppertal und Heidelberg und dem Vikariat in Saarbrücken war ich acht Jahre lang Gemeindepfarrer in Hermeskeil und Standortpfarrer der Hochwaldkaserne. Es war eine schöne Zeit, aber es hat mich gereizt, 1998 mit meiner Familie nach Trier zurückzugehen. Meine Frau ist auch Triererin, und wir kennen uns schon von Kindesbeinen an.
Trier atmet so viel Kultur und Geschichte, auch Kirchengeschichte. Hier gab es nachweislich die erste Gemeindeversammlung nördlich der Alpen. Das Gebäude der Basilika fasziniert mich nach wie vor. Bis heute berührt mich der Raum, der eine Weite ausstrahlt, die man sonst nicht findet. Er wirkt nicht gemütlich wie ein Wohnzimmer, wie man es heute in manchen Kirchen findet, sondern bietet wenig Möglichkeiten zur Ablenkung und hilft, sich zu konzentrieren. In seiner Fremdheit ist er zugleich ein Hinweis auf Gottes Welt, die anders ist. Außerdem steht die ehemalige kaiserliche Palastaula mit ihrer Geschichte für den Wechsel von staatlicher Macht zu göttlicher Herrschaft.
Weil ich ein Faible für Wassersport habe, mag ich Orte, die an einem Fluss liegen. Früher war ich Ruderer, heute bin ich eher mit dem Segel- oder Motorboot unterwegs. Wegen meines Amtes als Superintendent bin ich natürlich in vielen Gremien vertreten, dadurch sind die meisten Abende ausgebucht. So bleibt leider viel zu selten Zeit, ins Theater zu gehen. In meiner Freizeit musiziere ich auch gerne, ich spiele Saxofon und Klarinette, außerdem etwas Gitarre und Klavier - und das am liebsten gemeinsam mit meiner Frau.
Als Kind habe ich mich in Trier allerdings zeitweise aus der Gemeinschaft herausgerissen gefühlt. Damals gab es noch konfessionelle Grundschulen. Ich konnte nicht verstehen, warum ich anders als die Nachbarskinder den weiten Weg zur Schule am Zuckerberg gehen musste. Heute habe ich Lust darauf, neue Erfahrungen zu machen, mich an der Ökumene zu beteiligen. In Trier funktioniert das gut, es gibt keine Eiszeit, das Miteinander ist von einem großen Vertrauen geprägt. Ökumenisches Lernen heißt, den anderen so wahrzunehmen wie er ist - und bislang wollte mich noch niemand katholisch machen.
Trier ist zwar recht beschaulich, bietet aber trotzdem die Möglichkeiten einer Großstadt. "Ist das toll, was es hier an Angeboten gibt", fanden meine drei Töchter, als wir vom Hochwald hierher umzogen. Vor allem konnten sie alleine etwas unternehmen, mussten nicht immer von den Eltern gefahren werden. Für eine wichtige Herausforderung halte ich es, den demografischen Wandel bewusst zu gestalten und immer die Kinder im Blick zu behalten. Außerdem sollte Trier fahrradfreundicher werden und auch bei knapper werdenden Ressourcen soziale Projekte weiter vorantreiben.
Was mir als überzeugtem Europäer besonders an Trier gefällt, ist die Lage - die Nähe zu Luxemburg, zu Frankreich und zu Belgien. Das weitet den Horizont. Berufliche Angebote, von hier wegzuziehen, habe ich abglehnt - ich bin nach wie vor gerne Superintendent des Kirchenkreises und lebe gern in meiner Heimatstadt.
Aufgezeichnet von Daniel John

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