Hip, hipper, meine Oma

Meine Oma wäre heute ein echter Hipster - und das nicht wegen ihres Damenbarts. Nein, sie hat Gelee eingemacht, Torten gebacken, Strümpfe gestrickt, Eintöpfe gekocht, Hefeteige aufgehen lassen.

Nicht zuletzt, um Geld zu sparen. Heute muss man sich das erstmal leisten können! Also, nicht das Sparen (obwohl sich das heute ja tatsächlich viele nicht mehr leisten können), sondern das in kleiner Stückzahl Handgemachte. Das vermeintlich Einfache ist zum Statussymbol einer ganz bestimmten Bevölkerungsschicht (heute sagt man: Blase) avanciert. "Manufaktur" heißt das Schlüsselwort, so hip, dass es noch kein Tu-Wort dazu gibt - selbst in Trier-Ost sagt man nicht "manufaktuiert" - noch nicht! Die kleine Trierer Petrus-Brauerei kann gar nicht so viel handgemachtes Bier mit handgeklebten Etiketten liefern, wie die Leute trinken wollen. In der Saarstraße gibt's seit Neustem eine Törtchen-Manufaktur, und am Stockplatz eine Pizza-Manufaktur (obwohl wohl noch bei keinem echten Italiener der Welt je eine nicht-manufaktuierte Pizza serviert wurde). In der Neustraße, in der etliche Läden in den vergangenen Jahren dichtgemacht haben, läuft einer wie geschmiert: "Die Krämerie. Die Lebensmittelhandwerker." Klingt doch auch irgendwie nach Oma. Kolumne Viezjupp

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