Hochbegabte "Sitzenbleiber"

TRIER. "Schlaf ist für ein hochbegabtes Kind einfach nur vertane Zeit", sagt Monika Reinsch, Vorsitzende der Hochbegabten Initiative Trier (Hit). In der Katholischen Familienbildungsstätte informierte sie darüber, wie man wissbegierige "kleine Einsteins" erkennt.

"Eltern hochbegabter Kinder sind chronisch müde", sagt Monika Reinsch. Sie weiß, wovon sie spricht. Sie ist Mutter zweier hochbegabter Söhne und Gründungsmitglied von Hit, einem gemeinnützigen Verein, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, für die Rechte hochbegabter Kinder einzutreten und insbesondere Eltern, Lehrer und Erzieher über das "Phänomen Hochbegabung" aufzuklären. Viele Interessierte waren zu dem Infoabend in der Familienbildungsstätte mit der Frage "Ist mein Kind hochbegabt?" gekommen. "Hochbegabte Kinder sind ebenso weit von der Norm, dem Intelligenzquotienten 100, entfernt wie minderbegabte Kinder", sagte Reinsch. Der Unterschied jedoch sei, dass minderbegabte Kinder mehr Förderung erhielten als hochbegabte. Was aber ist ein hochbegabtes Kind? Etwa zwei Prozent aller Kinder zeichneten sich durch angeborene Begabung auf einem oder mehreren Gebieten aus. Ab einem Intelligenzquotienten von 130 spreche man von Hochbegabung. An einer Vielzahl von Merkmalen könnten die klugen Köpfe erkannt werden: Hochbegabte Kinder seien eher in Bücherecken als auf Fußballplätzen anzutreffen. Schon in den frühen Entwicklungsphasen seien Unterschiede zu normalbegabten Kindern zu erkennen. "Viele Hochbegabte krabbeln nicht und laufen sehr früh." Typisch sei auch eine schlechte Augen-Hand-Koordination und eine unterentwickelte Feinmotorik. "Über das Weltall, Dinosaurier oder Edelsteine wissen sie vieles, bis ins letzte Detail, aber ihre Schuhe zuzubinden, fällt ihnen schwer", sagte Reinsch. Hochbegabte zeichneten sich meist durch frühe sprachliche Finessen aus. Gleichaltrige seien für hochbegabte Kinder meist langweilig. Manche Spiele fänden sie einfach nur "doof". "Sie interessieren sich häufig für Themen, mit denen Gleichaltrige nichts anfangen können", sagte die Vorsitzende. Diskussionen über den Hunger in der Welt, Katastrophen oder über den Tod seien schon im Kindergartenalter keine Seltenheit. Von einem Jungen der Bilder von dem verheerenden Oderhochwasser gesehen hatte und nicht mehr vor die Tür ging, weil er fürchtete, die Mosel könne ansteigen und sein Elternhaus überschwemmen, erzählte Reinsch. "Das Haus stand auf der Höhe." Dieses Beispiel zeige eine tragische Seite der Hochbegabung: "Die Entwicklung verläuft asynchron. Oft sind sie intellektuell im Voraus, aber körperlich und emotional entsprechen sie ihrem Alter." Unterschiede zeigten sich auch im Verhalten von hochbegabten Mädchen und Jungs: "Hochbegabte Mädchen werden häufig nicht erkannt, weil sie sich anpassen und ihr Wissen verstecken." Sie seien in einem Konflikt zwischen zwei menschlichen Grundbedürfnissen: Sie wollen dazugehören, aber sich auch entfalten. Die Folge: "Oft treten psychosomatische Beschwerden auf. Mädchen sind in der Pubertät häufig wegen Ängsten in Behandlung", berichtete Reinsch. "Jungs reagieren auf nicht passende Umweltbedingungen eher auffälliger." Entgegen landläufiger Meinungen seien hochbegabte Kinder nicht immer die Klassenbesten. "Um nicht als Besserwisser oder Streber dazustehen, halten sie sich zurück, oder weil sie nicht entsprechend gefördert werden, langweilen sie sich. Manchmal sind Hochbegabte auch die Sitzenbleiber." Weitere Informationen unter www.hit-ev.de oder bei Monika Reinsch, 0651/3089602.

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