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Hochschule Trier - Medizinischer Schutz, der aus dem Drucker kommt

Trier : Medizinischer Schutz, der aus dem Drucker kommt

Labor-Team der Hochschule Trier optimiert frei verfügbare Software und baut Gesichtsmasken für die Corona-Klinik in Trier.

Der große 3D-Drucker im Labor der Hochschule auf dem Trierer Schneidershof steht seit einigen Tagen nicht still. Durch die Glastür lässt sich beobachten, wie jeweils fünf halbrunde Doppelreifen langsam Form annehmen. Ergänzt um eine Folie und das Gummiband zum Fixieren am Kopf ist jeder davon tragendes Elemente für einen medizinischen Gesichtsschutz, der besonders bei der Behandlung von Corona-Patienten auf der Intensivstation des Gemeinschaftskrankenhauses in Trier dringend benötigt wird.

„Um zehn der Halter zu drucken, benötigen wir etwa 1,5 Tage“, erläutert Michael Hoffmann, Leiter des Labors für Digitale Produktentwicklung und Fertigung (LDPF), das aufwendige Verfahren. Die ersten 20 Exemplare der mehrfach verwendbaren Schutzschilder haben er und sein kleines Projektteam am Montag dem Corona-Krankenhaus überlassen. Wie Dr. Angela Rzepecki-Jäger bestätigt, sind sie bereits im Einsatz auf der Intensivstation des Hauses.

Angeregt durch eine Pressemitteilung der Uni Freiburg hatte die Oberärztin vor wenigen Tagen Laborleiter Hoffmann angesprochen und auf den dringenden Bedarf der derzeit kaum erhältlichen Schutzausrüstung angesprochen. „Ich bin begeistert, wie schnell und unkompliziert das Team der Hochschule sich dieser Aufgabe gewidmet hat. So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Sie selbst habe den Schutz bereits ausprobiert. „Der ist in Funktion und Tragekomfort wirklich gut.“

Michael Hoffmann verweist bei solch lobenden Worten auf seine wissenschaftlichen Mitarbeiter Alexander Kaysen und Mark Hess. „Die haben bei dem Projekt die meiste Arbeit gemacht.“ Kaysen, Masterstudent im Wirtschaftsingenieurwesen, habe die frei verfügbare Bauanleitung des tschechischen Unternehmens Prusa Research konstruktiv weiterentwickelt. „Innerhalb von nur zwei Tagen sind die ersten Prototypen in unserem Drucker entstanden.“ Nachdem die Klinik diese mit Blick auf die Desinfektionsproblematik positiv getestet hatte, war die Produktion von zunächst 100 Exemplaren angefahren worden.

Verwendet wird dazu der teure und sehr hochwertige Kunststoff ABSPlus, der wegen seiner Haltbarkeit und Temperaturbeständigkeit auch in der industriellen Fertigung genutzt wird. Zur Finanzierung der Materialkosten von 2500 Euro hat sich spontan der Verein Förderkreis der Hochschule Trier bereit erklärt. „Natürlich ist die Herstellung im 3D-Verfahren mit etwa 24 Euro pro Maske sehr teuer“, weiß Michael Hoffmann. „In der Massenproduktion im Kunststoffspritzguss wäre das natürlich viel billiger. Ich hoffe, dass sich schnell ein Unternehmen findet, um das kurzfristig umzusetzen.“ Die Software für den Bau der Halterung, in die handelsübliche DIN A4-Klarsichtfoien mit einem Handgriff eingespannt werden können, werde die Hochschule zur Verfügung stellen.

Am Computer werden nach der Optimierung des Prototypen die Daten für den Druck der Folienhalterung für den Gesichtsschutz eingegeben. Foto: Moritze Leg/Hochschule Trier/Moritz Leg

Im nächsten Schritt wird nun getestet, ob die Halterung auch aus kostengünstigem PLA-Kunststoff gedruckt werden kann und dennoch die Anforderungen der Krankenhaushygiene und Desinfektionsbeständigkeit erfüllt wird. „Dann würden sich bestimmt noch mehr Menschen finden, die das an ihren 3D-Druckern nachbauen können.“