Hochschule Trier: Präsident Norbert Kuhn zieht Bilanz seiner Amtszeit

Campus : Hochschule Trier hat St. Paulus auf dem Wunschzettel

Für Norbert Kuhn endet die Amtszeit als Präsident der Hochschule Trier. Für seine Nachfolge hat er viel auf den Weg gebracht. Vor allem in der City soll die Präsenz größer werden.

An der Hochschule Trier beginnt am 1. April das Sommersemester. Die Vorzeichen dafür haben sich verändert, auch wenn die 7500 Studierenden das nicht unmittelbar merken werden: Hochschulpräsident Norbert Kuhn wird dann seinen letzten Arbeitstag in dieser Funktion hinter sich haben. Nach einer Amtszeit von fast sechs Jahren hat sich der promovierte Informatiker im Herbst trotz Wiederwahl aus persönlichen Gründen entschieden, sich in Zukunft auf seine Funktion als Forscher und Lehrer im Umweltcampus Birkenfeld zu konzentrieren (TV vom 1. Oktober).

Für das Abschlussgespräch mit dem Trierischen Volksfreund muss sich Professor Norbert Kuhn zu einer Auszeit in dem dicht getakteten Arbeitstag zwingen. „Ich habe noch sehr viele Dinge zu erledigen“, entschuldigt sich der 62-Jährige und zeigt in seinem geräumigen Büro am Campus Schneidershof auf den mit Unterlagen und Plänen bedeckten Präsidentenschreibtisch. Sie zeugen davon, dass bauliche Dinge in seiner Amtszeit ebenso großen Raum eingenommen haben wie die inhaltliche Weiterentwicklung in den Bereichen Forschung und Lehre.

„Die Sichtbarkeit der Hochschule hat sich deutlich verbessert“, ist Kuhn beim Rückblick auf die vergangenen Jahre überzeugt. „Wir sind eine wichtiger Faktor für die Zukunftsentwicklung der Region, denn wir bilden dringend benötigte Fachkräfte aus. Wir können Unternehmen und Kommunen in relevanten Fragen unterstützen.“ Er verweist auf die Zukunft der Mobilität und muss dabei nicht den Benzinsparweltmeister Protron explizit erwähnen, das internationale Aushängeschild der Hochschule Trier im Bereich Technik. Auch die Kreativwirtschaft profitiere von der Entwicklung und dem Renommee der Hochschule.

Norbert Kuhn beendet zum Ende des Monats März 2019 seine Tätigkeit als Präsident der Hochschule Trier. Foto: Jannik Scheer/Hochschule Trier

Neben dem Hauptcampus am Schneidershof und dem Umweltcampus Birkenfeld soll sich in den kommenden Jahren besonders der Gestaltungscampus in der Trierer Innenstadt entwickeln. Zwischen Irminenfreihof und Paulusplatz liegt – auch baulich – viel Potenzial für boomende Bereiche wie Architektur, Intermedia Design, Mode- oder Kommunikationsdesign. „Ich hätte sehr gerne noch als Präsident erlebt, dass die ehemalige Staatsanwaltschaft in Betrieb geht“, sagt Kuhn. „Die Sanierung dieses Gebäudes hat für uns Priorität.“ Ideen gebe es auch für eine Nutzung der zum Verkauf stehenden Kirche St. Paulus. „Vorgespräche mit einem möglichen Investor haben wir bereits geführt. Aber natürlich ist das eine Frage der Finanzierung.“

Dass in anderen Bereichen die Zahl der Studierenden nicht mehr so steigt wie in den vergangenen Jahren, liegt nach Ansicht des Noch-Präsidenten an der Magnetwirkung der größeren Hochschulen in vermeintlich attraktiveren Regionen. „Wir müssen bei der Internationalisierung vorangehen“, ist er überzeugt. „Wir müssen aber auch gemeinsam mit der TTM und der Universität die Initiativen für ein besseres Image von Trier als lebenswerter Stadt verstärken. Schließlich ist es eine Symbiose: Trier braucht Fachkräfte, und wir brauchen junge Leute.“ Neue Auftritte im Netz, auch auf Instagram, soll es zum Beispiel geben. Die Neuauflage des City-Campus in Kombination mit der Illuminale im September sei bereits beschlossene Sache.

Der starke Umbruch im Kollegium in den vergangenen Jahren begünstige die notwendige Dynamik, auch auf dem Gebiet der Forschung. „Wir sind viel wissenschaftlicher, als es vor 50 Jahren bei der Gründung der Fachhochschulen gedacht wurde. Heute erwarten wir von jedem Professor ein Forschungsprofil. Wir entwickeln dadurch auch sehr praxisorientierte Studiengänge.“ Als Beleg dafür nennt Kuhn die zahlreichen Kooperationen, zum Beispiel mit Opel, Siemens oder SAP. Die Bitburger Brauerei, Natus, Hochwald-Sprudel, Wagner Lebensmittel oder Tesla-Grohmann stehen beispielhaft für regionale Partner.

Die Qualität der Lehre ist für Norbert Kuhn ein wesentlicher Erfolgsfaktor. So ist es kein Wunder, dass er die Berücksichtigung beim Bund-Länder-Programm Qualitätspakt Lehre als einen der größten Erfolge seiner Amtszeit bezeichnet. Gleichzeitig sei es eine der größten Enttäuschungen gewesen, als dieses Programm 2015 nicht verlängert wurde. „Dadurch haben wir pro Jahr 1,2 Millionen Euro Zuschüsse verloren.“ Mit der Robotix Academie, einem europäischen Interreg-Programm zur Erforschung der Möglichkeiten des Zusammenspiels von Mensch und Robotern, wirbt die Hochschule auf dem Campus Birkenfeld allerdings eine Fördersumme in ähnlicher Dimension ein.

„Unsere geografische Lage ist für die grenzüberschreitende Forschung und Zusammenarbeit ein Pfund, mit dem wir arbeiten müssen“, appelliert Kuhn an seinen Nachfolger, der natürlich auch eine Nachfolgerin sein kann. „Ich wünsche mir, das Amt ist zum Start des Wintersemsters wieder besetzt. Bis dahin werden die beiden Vizepräsidenten Gisela Sparmann und Marc Regier gemeinsam die Führungsfunktionen übernehmen.“

Dass er sich nicht weiter intensiv in die politische Diskussion über die Zukunft der Hochschulen und Universitäten in Rheinland-Pfalz einbringen muss, kann Norbert Kuhn verschmerzen. Wenn es allerdings um die Frage geht, ob Fachhochschulen – wie in Hessen – in Zukunft Promotionen eigenständig und ohne Kooperation mit einer Universität verleihen können, verbirgt er seine Enttäuschung nicht. „Es ist schade, dass Wissenschaftsminister Konrad Wolff so stark auf die kooperativen Promotionen setzt. Für uns wäre das eine Chance, kompetente Mitarbeiter zu halten.“

Norbert Kuhn könnte noch viel über Projekte und Visionen an der Hochschule Trier sprechen. Doch die nächste Arbeitssitzung wartet. Schließlich ist für den Präsidenten bis zum 1. April noch viel zu tun.

Informationen zur Hochschule Trier finden Sie unter: 
www.hochschule-trier.de

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