Hochschulen Region Trier - Auf der Jagd nach zusätzlichen Geldquellen

Campus : Hochschulen der Region Trier - Auf der Jagd nach zusätzlichen Geldquellen

Die Hochschulen ringen im harten Wettbewerb um Fördermittel für Forschungsprojekte. Dennoch: In der Region herrscht Optimismus.

15,2 Millionen Euro gab es im Jahr 2017 für die Universität Trier, sechs Millionen für die Hochschule.  Ohne die so genannten Drittmittel wären viele Forschungsprojekte in Rheinland-Pfalz nicht möglich. Denn die zielgerichtete Förderung von Projekten von öffentlichen oder privaten Stellen stehen den Einrichtungen zusätzlich zu dem regulären Hochschulhaushalt zu Verfügung.

So wäre an der Hochschule Trier beispielsweise die Forschung für einen berührungslosen Inkubator nicht möglich, der die Überlebenschancen von Frühgeborenen deutlich verbessern soll. 311 000 Euro zahlt das Bundesministeriums für Bildung und Forschung für dieses auf drei Jahre angelegte Projekt unter dem Namen „Sinope Neo“ (TV vom 22. Mai). An der Universität Trier wäre der Aufbau eine Expertenzentrums im Bereich Psychologie zur Erforschung der unbewussten Handgriffe, wie zum Beispiel der Griff zur Kaffeetasse beim Zeitungslesen oder der heftige Tritt auf die Bremse bei Gefahr, ohne Drittmittel nicht möglich. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt das mit 1,8 Millionen Euro. Aus dem regulären Haushalt der Universität wäre das nicht zu bezahlen.  

Universität Trier An der Universität entsprechen die eingeworbenen 15,2 Millionen Euro ungefähr 15 Prozent des regulären Hochschulhaushaltes, das die Einrichtung vom Land zur Verfügung gestellt wird. „Das Statistische Landesamt hat eine Steigerung zum Vorjahr von 22,5 Prozent errechnet. Das freut uns natürlich und bestätigt uns in der Schwerpunktsetzung“, kommentiert Unipräsident Michael Jäckel die aktuell veröffentlichten Zahlen. Er weiß, dass es Universitäten mit Schwerpunkt Geisteswissenschaften im Wettbewerb um zusätzliche Finanztöpfe ungleich schwerer haben als  solche mit naturwissenschaftlicher Ausrichtung. „Wir haben aber trotz der großen Konkurrenz das Potenzial, die Summe der Drittmittel weiter zu steigern.“

Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

Die Aussage von Wissenschaftsminister Konrad Wolff sieht Jäckel in den Zahlen des Statistischen Landesamtes bestätigt. Der hatte vor kurzem  der Universität bescheinigt, sie sein in vielen Bereichen auf dem richtigen Weg. Ende Juni werden die Zahlen für den neuen Haushalt erwartet. Jäckel: „Ich erwarte ein moderates Wachstum. Aber es wird ein hartes Ringen.“

Hochschule Trier Wenig erfreulich sind die aktuellen Erhebungen der Statistiker in Bad Ems für die Hochschule Trier. Der Rückgang der Drittmittel von 8,3 auf sechs Millionen Euro (minus 27,1 Prozent) sei die Folge mehrerer Faktoren, versichert  Vizepräsidentin Gisela Sparmann, die nach dem Rückzug von Präsident Norbert Kuhn gemeinsam mit Marc Regier übergangsweise die Hochschule leitet. „In der Statistik zeigt sich ein großes Problem bei der Mittelverteilung bei genehmigten Projekten. So wurden manche der Mittel für das Jahr 2017 bereits 2016, viele aber erst 2018 oder noch gar nicht an die Hochschule überwiesen.“ Auch die lange Phase der Regierungsbildung auf Bundesebene habe dazu geführt, dass einige national bewilligte Projekte nicht starten durften.  „Schließlich ist 2016 ein großes Projekt ausgelaufen, das durch den Qualitätspakt lehre geförfert wurde. Wir erhoffen uns im Rahmen des Hochschulpakts neue Programm und nachfolgende Bewilligungen.“

Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

Die Professorin für Umweltplanung, -technik und Informatik verweist auf die gute Platzierung im Vergleich mit den anderen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften im Land (siehe Grafik) und versichert, inzwischen befinde sich die Hochschule Trier wieder auf dem hohen Niveau der Jahre zuvor.  Dass bei den neu berufenen Lehrkräften eine besonderer Wert auf die Forschungsaffinität gelegt werde, zeige sich an dem Zuwachs der Antragsstellungen in Bundes- und EU-Programmen. „Aktuell gibt es eine ganze Reihe von Themen, die Deutshclandweit eine große Rolle spielen und bei denen die Hochschule Trier sich gut aufgestellt sieht.“ Künstliche Intelligenz, Gesundheitswissenschaften, Umwelt-und Klimaschutz sowie Energie- und Ressourceneffizienz nennt sie als Beispiel. In der Regel entsprechen an der Hochschule die Drittmittel ähnlich wie an der Universität etwa 15 Prozent des Gesamtetats.

Cusanus Hochschule Während an den Universitäten in Deutschland pro Professur im Jahr 2017 bis zu 253 000 Euro Drittmittel (TU Kaiserslautern) eingeworben wurden, wozu besonders die Fächergruppe Mathematik, Naturwissenschaften beitrug, lagen die zusätzlichen Projektbezogenen Fördermittel bei den Hochschulen deutlich niedriger. Klassenprimus ist hier die noch junge Cusanus Hochschule Bernkastel-Kues. aufgeteilt auf die sieben Professuren dieser Einrichtung ergaben sich rechnerisch jeweils fast 80 000 Euro Drittmitteleinnahmen.  

Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

 Wie kommt es zu dieser guten Platzieung? „Die Cusanus Hochschule ist eine Hochschule in freier Trägerschaft, die für eine unabhängige, kritische und gesellschaftsgestaltende Lehre und Forschung insbesondere in der Ökonomie steht“, anwortet Vizepräsidentin Silja Graupe auf diese Frage. „Wie groß der Bedarf an einem tiefgründig neuen ökonomischen Denken ist, zeigt das rege Interesse der Förderer, die die Hochschule etwa mit Stiftungsprofessuren, Projektförderungen und Stipendien bedenken und sich so als Stakeholder einer innovativen Form von Hochschule begreifen.“

Der Kreis der Förderpartner wachse ständig. Das Förderengagement komme aus ganz Deutschland, sagt Graupe und verrät das Erfolgskonzept: „Wir sind eine Hochschule ,zwischen’ Universität und Fachhochschule, da wir Forschung auf universitärem Niveau mit der Fähigkeit zur konkreten Problemlösung in Wirtschaft und Gesellschaft verbinden. Wie sehr Förderer genau diesen Mix schätzen, zeigt die aktuelle Statistik.“

Foto: TV/Scheidweiler, Jonas

Noch mehr Daten zu der Drittmittelstatistik des Landesamts finden sie in der online-Version dieses Artikels unter www.volksfreund.de

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