Hochwaldorte zittern vor der Mopsfledermaus

Hochwaldorte zittern vor der Mopsfledermaus

Eine kleine Kreatur, die schon einmal am Flughafen Hahn für viel Furore sorgte, versetzt jetzt die Politiker in drei Verbandsgemeinden (VG) in helle Aufregung. Im Osburger Hochwald ist die Mopsfledermaus aufgetaucht. Das streng geschützte Tier könnte das Aus für mehrere geplante Windkraftstandorte in den VG Hermeskeil, Kell und Ruwer bedeuten.

Osburg/Kell/Hermeskeil. Bis zu 50 Windräder sollen in der VG Ruwer im Bereich Osburger Hochwald aufgestellt werden, und dafür sind im Vorfeld viele Gutachten nötig. Deshalb hat die Betreiberfirma Jade Fachleute in die Wälder geschickt. Was diese an drei geplanten Windkraftstandorten bei Osburg, bei Farschweiler und bei Bonerath/Schöndorf fanden, lässt bei VG-Bürgermeister Bernhard Busch die Alarmglocken schrillen: "Die Mopsfledermaus ist massiv aufgetaucht. Wenn es beim momentanen Schutzstatus bleibt, dann haben wir hier bei der Windkraft das Ende aller Dinge."
Denn: Die Mopsfledermaus gilt als streng geschützte Art. Windräder bedeuten für die kleinen, hochfliegenden Kreaturen ein "erhöhtes Tötungsrisiko". So steht es im Gutachten der staatlichen Vogelschutzwarte Frankfurt vom 13. September 2012. Auftraggeber war das Mainzer Umweltministerium, das im Hinblick auf das neue Landesentwicklungsprogramm (LEP IV) den "naturschutzfachlichen Rahmen zum Ausbau der Windenergienutzung" abstecken will.
Was Busch dabei in Unruhe versetzt, ist eine Empfehlung der Gutachter. Wenn sogenannte Wochenstubenquartiere und Kolonien von Mopsfledermäusen gefunden werden, sollte drum herum eine Tabuzone im Fünf-Kilometer-Radius gezogen werden. Hubert Rommelfanger, Ortschef von Osburg, wo acht Räder gebaut werden sollen, sagt deshalb klipp und klar: "Ich sehe unsere Windkraftpläne definitiv in Gefahr."
Durch die Fledermaus tritt eine weitere Hürde für den Windradbau in den Hintergrund, über die der VG-Rat Ruwer am Mittwoch in nichtöffentlicher Sitzung diskutiert hat: 20 geplante Standorte liegen im Wasserschutzgebiet rund um die Riveristalsperre. Taucht die Fledermaus auch dort auf, sind diese Areale ohnehin tabu.
Der Hermeskeiler VG-Chef Michael Hülpes bezeichnet den Fund der Mopsfledermaus als "großen Unsicherheitsfaktor". Jenseits der Hohen Wurzel haben beispielsweise die Gemeinden Beuren und Reinsfeld schon Verträge mit Investoren. Auch sie könnten von einer Fünf-Kilometer-Schutzzone betroffen sein. Der Keller Rathauschef Werner Angsten stellt fest: "Bei solch einem Riesenradius würde bei uns nicht mehr viel gehen. Allerdings sind die Informationen noch sehr vage." Die VG Kell hat im Osburger Hochwald mit dem Keller Gebrüch einen Windpark im Visier.
"Man ist bösgläubig geworden"



Hinzu kommt, dass nun auch Mopsfledermäuse im Schwarzwälder Hochwald vermutet werden. Busch begründet das so: "Man ist sozusagen bösgläubig geworden und geht davon aus, dass die Tiere auch in Gebieten vorkommen können, die geologisch mit dem Osburger Hochwald vergleichbar sind." Deshalb geht auch in Waldweiler - die Gemeinde plant einen Windpark auf dem Teufelskopf - die Angst um. Ortschef Manfred Rauber hat die Gerüchte über die Mopsfledermaus schon gehört: "Ich mag gar nicht darüber nachdenken und hoffe, dass sich die Vermutungen nicht bestätigen. Sonst können wir hier alles einpacken." Das von der Windkraftfirma Juwi erstellte Gutachten für den Teufelskopf soll im Januar 2013 fertig sein.
Busch hat zwischenzeitlich einen Brief an die Umweltministerin geschrieben. Darin bittet er Ulrike Hoefken darum, den Schutzstatus der Mopsfledermaus zu überprüfen. "Wenn sie an so vielen Stellen festgestellt wird, kann sie ja so selten nicht sein", sagt Busch. Aus seiner Sicht würde auch ein Ein-Kilometer-Schutzradius ausreichen.
Manfred Weishaar vom Naturschutzbund (Nabu) in der Region Trier kommentiert die aktuellen Ereignisse so: "Meines Wissens ist mit erheblichen Beständen zu rechnen. Die Gemeinden haben bei der Windkraft das Fell des Bären schon verteilt, aber nicht aufgepasst, ob auch geschossen werden darf."Extra

Peter Sound von der Naturschutzabteilung im Mainzer Umweltministerium, bestätigt auf TV-Anfrage, dass dem Land die Existenz von Mopsfledermäusen im Bereich des Hochwaldkamms "seit Jahren bekannt ist". Er sagt aber weiter: "Das Vorkommen der Art ist grundsätzlich kein K.o.-Kriterium für den Bau von Windkraftanlagen. Dies obliegt der Einzelfallprüfung. Vorstellbar wäre das Versagen einer Baugenehmigung nur bei einem sehr bedeutenden Vorkommen und der direkten Nachbarschaft des Bauvorhabens." Mit Blick auf die Schutzzonen weist Sound darauf hin, dass sich die Empfehlung eines Fünf-Kilometer-Radius auf "bedeutende Vorkommen" bezieht. Als Beispiel nennt er eine Basaltgrube bei Mayen mit bis zu 100 000 Tieren. "Die Abstandsempfehlungen von 1000 Metern beziehen sich auf den Regelfall", so Sound. axExtra

Zwischen 2004 und 2006 machte die Mopsfledermaus bundesweit Schlagzeilen. Bei der geplanten Verlängerung der Start- und Landebahn auf dem Flughafen Hahn wurde das seltene Tier im Rodungsgebiet Ahringsbachtal entdeckt. Naturschutzverbände klagten daher gegen den Flughafen-Ausbau. Sie zogen die Klage erst zurück, als sich die Flughafen-Betreiber zu zusätzlichen Naturschutzmaßnahmen verpflichteten. Deswegen kam jedoch die ursprünglich vorgesehene Verlegung der Hunsrückhöhenstraße (B 327) nicht zustande. Bis heute müssen Autofahrer in der Nähe des Hahn auf eine Umleitungsstrecke bei Bärenbach ausweichen. Eine Langzeitstudie der Uni Trier kam 2011 zu dem Ergebnis, dass es der Mopsfledermaus am Airport gutgeht und es dort sogar mehr Tiere als 2004 gibt. ax

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