Hörgeschädigte Kinder bauen Marionetten

Trier · An der Schule für Gehörlose und Schwerhörige ist aktuell die professionelle Marionettenspielerin Alice Therese Gottschalk mit einem Workshop zu Gast. Im Rahmen des Inklusionsprojektes von Hörbiz Trier unterweist sie die Kinder im Bau und im Umgang mit Tüchermarionetten.

Trier. Bunt und lustig leuchten die Tüchermarionetten in den Händen der Kinder. Die Schüler der Wilhelm-Hubert-Cüppers-Schule für Gehörlose und Schwerhörige sind ganz bei der Sache. Schon seit Stunden basteln sie an ihren Marionetten und lernen ganz nebenbei auch den Umgang mit ihnen. Noch müssen Fäden gekürzt oder neu angenäht werden, damit die knallbunten Figuren alle möglichen Bewegungen ausführen können.
Kinder spielen mit Marionetten


Die Kinder können es kaum erwarten, auszuprobieren, was "ihre" Marionette alles kann. Sie lernen schnell, und schon bald schweben die bunten Eigenkreationen durch den Raum, treffen andere Tücherpuppen, diskutieren miteinander oder führen Kunststücke auf. "Es fasziniert mich, was jedes einzelne Kind aus seiner Marionette herausholt", schwärmt Charlotte Böhm von der Organisation Hörbiz Trier, welche das Projekt veranstaltet. "Die Kinder können dabei über sich hinauswachsen."
Die Aktion besteht aus zwei Teilen. Zunächst erfolgt der zweitägige Workshop an der Schule, bei dem sich die gehörlosen oder schwerhörigen Kinder selbst an der Materie ausprobieren können. Am dritten Tag folgt die Aufführung eines Marionettentheaterstückes mit dem Titel "Wunderkammer - Betrachtungen über das Staunen". Das Besondere daran: Das Stück kommt ohne Sprache aus, und deshalb können auch gehörlose Menschen problemlos daran teilhaben.
Das Stück sei allerdings nicht ausschließlich für Gehörlose gedacht, sondern für alle Interessierten offen, betont Charlotte Böhm. Denn Ziel solcher Projekte sei es, Menschen mit einem Handicap ganz natürlich zu integrieren, Berührungsängste abzubauen und zu zeigen, dass sich Menschen mit und ohne Handicap auf Augenhöhe auch jenseits von Wohltätigkeitsveranstaltungen begegnen könnten. grf