Hoffen auf den Stadtpatron

Verheerende Bilanz bei den Freibädern, durchwachsenes Fazit in der Gastronomie, positive Zahlen bei Museen und Kinos: Das ist das Ergebnis eines Sommers, der bisher ausblieb. Der TV hat sich in Trier und der Region umgehört.

Schwimmbäder: Der Regensommer beschert dem Trierer Südbad derzeit ungemütliches 19 bis 20 Grad Celsius kaltes Badewasser. Denn eine Wasserheizung war in der Generalsanierung, wegen der das Bad im Sommer 2009 geschlossen blieb, nicht vorgesehen. Lediglich eine Solaranlage wärmt das Wasser auf - was bei wolkenverhangenem Himmel allerdings nicht funktioniert. Und so sind die Besucherzahlen verheerend: Bis Anfang der Woche kamen ganze 15 369 Badegäste. Sogar im Kältesommer 2011 waren es bis zum gleichen Datum 28 967, im Sonnensommer 2010 sogar 81 097. Die Verluste treffen alleine die Stadt. Denn sie kassiert zwar die Eintrittsgelder, der private Betreiber des städtischen Bads erhält allerdings einen fixen monatlichen Zuschuss aus der Stadtkasse in Höhe von 44 000 Euro - unabhängig davon, wie viele Gäste kommen. Ins Nordbad - dessen Wasser konstant auf 24 Grad aufgeheizt ist - kamen bis jetzt 24 905 Besucher, 2010 waren es 33 602 Schwimmer.
Eisverkäufer: "Einen guten Sommer erkenne ich auch daran, ob ich bei der Arbeit ins Schwitzen komme", sagt Anita Calchera, Inhaberin des Trierer Eiscafés Dolomiti. "Aber das war in letzter Zeit weder beim Bedienen noch beim Eismachen wirklich der Fall." Der Umsatz liege weit unter dem eines normalen Sommers. Auch Michele Rongioletti von der Eisdiele San Marco kann sich an keinen so schlimmen Sommer erinnern. "Bis jetzt habe ich meine Kosten noch nicht gedeckt" sagt er.

Tourismus und Camping: Regenschauer und Wolkenbrüche haben auf den Tagestourismus in Trier keine nennenswerte Auswirkung. "Wir können keine großen Einbrüche bei den Besucherzahlen feststellen", sagt Hans-Albert Becker, Geschäftsführer des Vereins Tourist-Information Trier Stadt und Land. Während der Urlaubstourismus deutlich unter der nasskalten Witterung leide, sei die Stadt bei Tagestouristen auch bei Schmuddelwetter ein Publikumsmagnet. "Feriengäste aus dem Umland nutzen den Stadtbesuch als Alternative zu Wander- und Radtourtagen", sagt er. Helga Haag, Inhaberin des Camping- und Reisemobilparks Treveris, blickt hingegen besorgt auf die Saison: "Der Sommer läuft bei uns bisher bescheiden. Das ist eindeutig auf das schlechte Wetter zurückzuführen", sagt sie. Viele Reservierungen würden abgesagt, Gäste meldeten sich zunächst nur für ein bis zwei Tage an und reisten ab, sobald das Wetter nicht mitspiele.

Große Feste: "Es war das seit Jahren schlechteste Wetter für die Hermeskeiler Stadtwoche", sagt Volker König, zweiter Beigeordneter im Hermeskeiler Stadtrat. Bis zu 50 Prozent Einbußen mussten die 20 Schausteller an besonders nassen Tagen in der Festwoche hinnehmen. Ähnlich nass war es beim Konzer Heimat- und Weinfest. Die Konzer Stadtverwaltung schätzt den Besucherrückgang im Vergleich zum Vorjahr zwar auf 5000. Angesichts des vielen Regens sei man mit geschätzten 25 000 Besuchern aber zufrieden. Weniger Besucher kamen 2012 auch zu den Saarburger Markttagen, zum Trierer Altstadtfest und zum Moselfest im Trierer Stadtteil Zurlauben. Aber auch hier zogen die Verantwortlichen ein durchweg positives Fazit. "Wir hatten Glück, dass es nur an einem Tag geregnet hat", sagt etwa Christian Reichert, Cheforganisator bei Zurlauben.

Einzelhandel: Durchaus zufrieden ist Christoph Höptner, Centermanager der Trier Galerie. "Schön ist das Wetter natürlich nicht, aber wir sind nicht unzufrieden, eher im Gegenteil", sagt er. Bei Regenwetter suchten die Trierer und die Touristen in der Region Alternativen zum Schwimmen und Radfahren. "Dann bemerken wir gleich steigende Besucherzahlen." Beim Verkauf von Sommerkleidung sei freilich eine Kaufzurückhaltung zu beobachten. "Die ganz hochsommerlichen Artikel gehen nicht gut und werden nun im Schlussverkauf angeboten", sagt Höptner. Sabine Clabbers, Filialgeschäftsführerin der Galeria Kaufhof und Beisitzerin der City Initiative, pflichtet ihm bei: "Auch bei uns ist das Interesse an Sommerkleidung und Bademode gering, dafür liefen Langarmshirts und Übergangsware schon recht gut. Auch die Herbstware wird stärker beachtet", sagt sie.

Bauern und Winzer: "Für uns Winzer ist das Wetter nicht so schlimm", sagt Gerd Knebel, Geschäftsführer des Weinbauverbandes Mosel. Die Voraussetzungen für einen guten Jahrgang seien immer noch gegeben. "Es gab genug Wasser. Der Behang ist nicht so stark wie im Vorjahr, aber gut", sagt er. Der Temperaturdurchschnitt sei trotz Regen in Ordnung. "Die Feuchtigkeit bedeutet aber mehr Pflege, um Pilzbefall zu verhindern. Mit Pflanzenschutz und guter Laubarbeit ist aber alles im Griff", versichert Knebel. Aus Sicht der Landwirte sehe man das pessimistischer, sagt Walter Clüsserath, Vorsitzender des Kreisverbandes Trier-Saarburg der Bauern und Winzer. "Auf den Feldern steht teils das Wasser. Mit Maschinen kann man da nicht rein", erklärt er. Es komme sicher zu Verlusten für die Landwirte. Wie hoch sie werden, entscheide sich in den nächsten Wochen.

Gastronomie: Ein Drittel weniger Umsatz verzeichnet das Café Greco am Viehmarkt. "Aber die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Geschäftsführer Hubert Hoffmann. Rund 15 Prozent hinkt derzeit die Gaststätte Louisiana am Kornmarkt hinterher, die ihren Gästen 280 Außenplätze bietet. "Aber wer sein Geschäft solide führt, braucht auch keinen guten Sommer", sagt Betreiber Eric Naunheim. Das sieht Matthias Sonnen ähnlich. Der Gastronom, der unter anderem die Gaststätten New Mintons und Ziegels am Stockplatz betreibt, sagt: "Wir können bisher nicht klagen. 22 bis 23 Grad Celsius und bewölkt, das ist ideales Wetter für die Innenstadt. Wenn es zu heiß ist, ist die Stadt tot."

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Extra

Nicht alle leiden unter dem Regen: Dem Hallenbad an den Kaiserthermen beschert das Wetter einen Besucherrekord. Im Juni 2012 kamen 28 657 Gäste. Im ebenfalls verregneten Juni 2011 waren es 27 165. Weil mehr als 50 Feriengruppen, die Freibadbesuche geplant hatten, kurzerhand aufs Hallenbad umschwenkten, musste das Bad an mehreren Tagen seine Kassen wegen Überfüllung schließen. Während im Rheinischen Landesmuseum die Besucherzahlen um nicht ganz fünf Prozent anstiegen, verzeichnet das Stadtmuseum Simeonstift einen deutlichen Zuwachs. "Darunter sind viele Tagestouristen, die sich die Stadtgeschichte lieber im Trockenen ansehen", sagt Kathrin Schug. Auch die Trierer Kinos profitieren vom Regen. Dirk Ziesenhenne vom Broadway geht von zehnmal mehr Besuchern als bei gutem Wetter aus. Im Cinemaxx kamen zwar 10 000 Besucher weniger als im Vorjahreszeitraum. "Das liegt aber am Filmangebot und nicht am Wetter", sagt Geschäftsführer Bernhard Benischek. "Bei 30 Grad und Sonnenschein hätten wir nochmal deutlich weniger Besucher." woc/fas