Hohe Posten, dicke Schlitten

Wer ein hohes Amt bekleidet, fährt gerne luxuriös und komfortabel, am liebsten mit Chauffeur. Ein weit verbreiteter Glaube, doch trifft er in der Region auch zu? Der TV hat sich einige Dienstwagen in Stadt und Kreis angesehen - mit überraschenden Ergebnissen.

Trier. Dicke Dienstwagen sind ein beliebtes Diskussionsthema. Wer hat den größten, wer den kleinsten? Umweltverbände überprüfen den Schadstoffausstoß, hier hat vor kurzem das rheinland-pfälzische Bildungsministerium besonders schlecht abgeschnitten. Doch die beliebteste Diskussionsbasis ist die pure Größe. Je höher die Stellung, desto dicker das Auto - stimmt das?
Die Recherche: Der TV hat untersucht, mit welchen Fahrzeugen eine nicht repräsentative Auswahl regionaler Verantwortungsträger zu ihren Terminen kommt. Im Voraus lässt sich bereits eines sicher sagen: Die regionalen Repräsentanten reisen größtenteils umweltfreundlicher als die Vertreter des Landes.
Der Größte und der Kleinste: Die bevorzugten Marken kommen aus Deutschland und heißen BMW, Audi oder Mercedes. Die dicksten Karren rollen für den Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz (BMW 735d, 245 PS, 180 Gramm CO-Ausstoß) und für Stadtwerke-Vorstand Olaf Hornfeck (Audi A8, 250 PS, 169 Gramm CO-Ausstoß). Der kleinste Wagen, ein VW Polo 1,6 Liter Turbodiesel mit 90 PS und 109 Gramm CO-Ausstoß, gehört der Verbandsgemeindeverwaltung Ruwer. Bürgermeister Bernhard Busch teilt ihn sich mit seinen Mitarbeitern.
Die Fahrer: Landrat Schartz und Stadtwerke-Chef Hornfeck haben einen Chauffeur für dienstliche Fahrten. Diese beiden Mitarbeiter sind allerdings keine hauptamtlichen Fahrer, sondern übernehmen auch andere Aufgaben wie Hausmeisterarbeiten in der Kreisverwaltung und die Wartung des Stadtwerke-Fuhrparks. Der Landrat nutzt für private Fahrten sein eigenes Auto.
Vier Amtsträger, drei Fahrzeuge, zwei Fahrer: Triers Oberbürgermeister Klaus Jensen und die drei Dezernenten Thomas Egger, Angelika Birk und Simone Kaes-Torchiani teilen sich drei Mercedes-Modelle der E- und C-Klasse und zwei Fahrer, die sie je nach Bedarf nutzen. Sollten einmal alle vier parallel einen Wagen brauchen, geht einer leer aus und muss den Bus, das Rad oder das eigene Auto nutzen. Wenn sie ein Fahrtenbuch nutzen, können die Stadtoberen die drei Autos auch privat nutzen. "Davon machen sie aber keinen Gebrauch", meldet das Trierer Presseamt.
Mit dem BMW zur Kirche: Bischof Stephan Ackermann hat im Gegensatz zum päpstlichen Papa-Mobil ein weniger offenes Auto. Ein hauptamtlicher Chauffeur bringt den Trierer Bischof mit einem BMW 530d zu seinen dienstlichen Terminen. Privat ist Ackermann sehr bescheiden unterwegs: Er fährt einen VW Golf.
Die fahrenden Amtsträger: "Selbst ist der Mann", bringt Karl-Heinz Frieden, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Konz, die Einstellung vieler Amtsträger in der Region auf den Punkt. Er fährt einen Audi A4. Einen Fahrer braucht er nicht. Die privat gefahrenen Kilometer werden genau abgerechnet und bei der Verbandsgemeinde bezahlt. Genauso machen es seine Amtskollegen Bertold Biwer (VG Schweich, BMW 320d), Wolfgang Reiland (VG Trier-Land, BMW 320d) und auch Bernhard Busch (VG Ruwer, VW Polo), wenn sie ihre Dienstautos privat nutzen.
Die privaten Autos: Die Bürgermeister Leo Lauer (VG Saarburg), Werner Angsten (VG Kell am See) und Michael Hülpes (VG Hermeskeil) nutzen ihre Privatautos auch dienstlich. Dafür bekommen sie nach dem Landesdienstreisegesetz (siehe Extra) eine Entschädigung.Extra

Das Landesreisekostengesetz regelt unter anderem, inwiefern Beamte und Staatsbedienstete für dienstliche Fahrten mit ihrem privaten Fahrzeug entschädigt werden. Bei Dienstfahrtlängen von mindestens 3000 Kilometern pro Jahr gilt, dass ein Kraftfahrzeug überwiegend im dienstlichen Interesse gehalten wird. Die Wegstreckenentschädigung beträgt bei einer dienstlichen Fahrleistung von 10 000 Kilometern 35 Cent pro Kilometer, bei mindestens 1500 Kilometern 30 Cent, bei kürzeren Strecken 25 Cent. cmk

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