Horror mit der kalten Pracht

TRIER. Die Wetterdienste hatten am Vorabend zwar vor dem heftigen Wintereinbruch rechtzeitig gewarnt - doch in Trier und Umgebung führten Schnee und Glatteis wie alle Jahre wieder zum Chaos auf den Straßen.

Kaum vorwärts zu kommen ist am Vormittag auf der Zurmaiener Straße. Nur Krankenwagen, Polizei oder Räumdienste fahren schneller als 30 km/h. Bei allen anderen läuft wenig bis gar nichts. Stadtauswärts hat sich zwischen Südallee und Moselstadion ein kleiner Stau gebildet. Doch nicht etwa ein Unfall oder eine Baustelle sind der Grund. Es ist die Angst einiger Autofahrer, bei den widrigen Wetterverhältnissen - sprich Schneefall - schneller zu fahren. Kurz nach 8 Uhr hat es angefangen zu schneien, und auch die tiefer gelegenen Regionen werden nicht verschont.Die Natur als zeitweiliger Sieger

Der über Stunden anhaltende Schneefall zeigt bald die Grenzen von Mensch und Maschine auf. Obwohl die Trierer Stadtreinigung und die Straßenmeistereien mit allen Kräften und zusätzlichen Mietfahrzeugen im Einsatz sind, erweist sich die Natur als zeitweiliger Sieger. Die Stadtreinigung Trier ist mit 150 Mitarbeitern und 19 Fahrzeugen bei der Arbeit. Die Straßenmeisterei Trier in Trierweiler-Sirzenich ist nach Auskunft von Einsatzleiter Peter Hinkes seit 8.30 Uhr mit acht Räum- und Streufahrzeugen im Einsatz. Insgesamt werden fast 100 Tonnen Salz allein von der Straßenmeisterei Trier ausgebracht. Die Auskünfte bei den Polizeidienststellen in Trier, Saarburg und Schweich klingen am Vormittag ähnlich. Edgar Kugel von der Trierer Einsatzzentrale: "Bei uns geht nichts mehr. Die Steigungen werden von liegen gebliebenen LKW blockiert." In Trier sind gegen Mittag alle Streifenwagen zwecks "Aufnahme von Bagatellunfällen" unterwegs. Auch am späten Nachmittag steht die genaue Zahl der Kleinunfälle in Trier nicht genau fest - die Beamten sind immer noch draußen. Elf Unfälle mit insgesamt drei Leichtverletzten registriert die Polizei in Saarburg. Anders im Hochwald: "In unserem Bereich wurde nur ein Unfall mit Blechschaden gemeldet, der sich am Vormittag auf der L 143 bei Hinzenburg ereignete", sagt ein Polizeisprecher. Doch die Straßenverhältnisse bereiten auch im Hochwald Probleme: Obwohl alle neun Streuwagen der Straßenmeisterei Hermeskeil seit Beginn der Schneefälle im Einsatz sind und ihre Runden fahren, liegen selbst die Hauptstraßen in und um Hermeskeil mehrere Stunden lang unter einer Schneedecke. Erschwert wird die Arbeit des Räumdienstes auch dort durch mehrere querstehende LKW. Zunächst geht Arnold Eiden, Leiter der Straßenmeisterei Hermeskeil, davon aus, dass der vom Wetterdienst angekündigte Schneeregen bis in die Nacht für eine angespannte Situation auf den Straßen sorgen könnte. Am späten Nachmittag kommt die Entwarnung, doch gegen 18 Uhr verschlechtert sich die Wetterlage wieder. Wie in jedem Winter ist von der Trierer Polizei das alte Klagelied zu hören - wieder haben zu viele Moselstädter den Kauf von Winterreifen als "Luxus" betrachtet. Das rächt sich bei der ersten Steigung - nichts geht mehr, und die Hinterleute sitzen mit fest.Auch der ÖPNV gerät ins Stocken

Doch schon im näheren Umland ändert sich diese Einstellung. Bernd Porten von der Polizei Schweich: "In unserem Bereich sind wesentlich mehr winterfeste Fahrzeuge unterwegs als in Trier." Mit 20 leichteren Karambolagen muss sich bis zum Nachmittag die Autobahnpolizei in Schweich herumschlagen. Auf der A 1 am Mehringer Berg legen die LKW eine Zwangspause auf dem Seitenstreifen ein, und Gefahrgutlaster werden auf die Parkplätze geleitet. Zum Problem wird ein Sattelzug, der sich auf der A 64 hinter Ehrang querstellt und den Verkehr von und in Richtung Luxemburg blockiert. Gegen 15 Uhr - die Schneefallgrenze ist auf über 500 Meter gestiegen - sind alle Autobahnen wieder frei. "Winterfreuden" auch beim Verkehrsbetrieb der Stadtwerke Trier. Am Morgen muss der Linienbetrieb auf den Steigungsstrecken wie Kohlen- oder St.-Anna-Straße teilweise eingestellt werden. Ein Bus sitzt auf der Höhe zwischen Kasel und Mertesdorf fest. Die Linie 30 von Pluwig wird ganz gestrichen. Frank Birkheuer vom Verkehrsbetrieb: "Unser Subunternehmer kam mit seinem Bus nicht vom Hof."