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Hospiz Trier bietet neuen Dienst, damit Menschen daheim in Würde sterben können

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesellschaft : Hospiz Trier ergänzt sein Angebot – Für ein würdevolles Sterben daheim

Das Hospiz Trier erweitert sein Angebot, denn einige Todkranke wollen lieber zu Hause statt im Krankenhaus sterben. Unterstützung erhalten sie dann von Ärzten und Pflegern, die einen neuen 24-Stunden-Bereitschaftsdienst anbieten.

Der neue Bereitschaftsdienst, den das Hospiz Trier seit Februar anbietet, kommt für Herbert K. (Name geändert) gerade noch rechtzeitig. Der 71-Jährige leidet an einem unheilbaren Darmkrebs und hat immer wieder so starke Schmerzattacken, dass er unter normalen Umständen mit dem Notarzt in eine Klinik gebracht werden müsste. Doch davon hat er nach vielen Krankenhausaufenthalten mehr als genug. „Ich will zu Hause sterben“, hat er seiner Frau deutlich gemacht, die ihm ihre Verunsicherung und die drohende Überforderung durch die Krankheit nicht zeigt. Doch der Anruf im Hospizhaus bringt die Lösung, von der ihr Mann und sie selbst profitieren.

Das SAPV-Team Hospiz Trier ist im Februar nach mehr als drei Jahren hartem Ringen mit Krankenkassen und Politik an den Start gegangen. Die Buchstabenkombination steht für Spezialisierte Ambulante Palliative Versorgung. In Ergänzung zu dem bereits etablierten ambulanten Pflegedienst kümmert sich nun ein multiprofessionelles Team aus qualifizierten Palliativärztinnen, Palliativpflegekräften und einer Psychologin in einem 24-Stunden-Bereitschaftsdienst um todkranke Menschen in ihrem Zuhause, in Pflegeheimen und in Einrichtungen des betreuten Wohnens.

„Wir lindern die Symptome einer Erkrankung, damit die Patienten weitgehend ohne Schmerzen in ihrem häuslichen Umfeld sterben können“, sagt Dr. Andrea Schmitz. Sie leitet das Team, in dem sich neun Ärzte und elf Pflegekräfte abwechseln, um rund um die Uhr für die Patienten und damit auch für deren Angehörige zur Verfügung zu stehen. „Wenn ein Betroffener unter belastenden Symptomen wie Schmerzen, Luftnot, Angst oder Erbrechen leidet, kann ein niedergelassener Arzt oder Facharzt die SAPV-Leistungen verordnen, die dann von den Krankenkassen bezahlt werden. Wir erstellen dann einen individuellen Behandlungsplan und auch eine Notfallplanung.“ Was das bedeutet – ein Sterben in Würde – durften seit Februar bereits 100 Menschen erfahren.

Auch Herbert K. nimmt die Anleitung zur Selbstmedikation gut an. „Ich habe keine Angst vor dem Tod, aber vor dem Sterben“, sagt er. Die Ärztin zeigt ihm, wie er Schmerzattacken mit Morphinen selbst lindern kann. Als er zu schwach dafür ist, übernimmt das seine Frau. Am Ende dosiert eine Schmerzpumpe das Medikament. Sein Leben endet im Kreis der Familie, vier Wochen nach dem ersten SAPV-Besuch. Viele Gespräche habe es in dieser Zeit gegeben, sagt Andrea Schmitz, auch mit seiner Frau. „Er ist so gestorben, wie er es sich gewünscht hat, ohne Angst.“

Der Hospizverein Trier ist Hauptträger der 2016 gegründeten gemeinnützigen Hospiz- und Palliativgesellschaft für die Stadt Trier und den Kreis Trier-Saarburg (siehe Info), die ein Netzwerk von ambulanter und stationärer Hilfe aus einer Hand bietet. Vorsitzende Ulrike Graßnick sieht die Begleitung von Herbert K. als „gutes Beispiel für Selbstbestimmung und Unterstützung der Angehörigen“, wie ihn das Hospiz Trier bieten will.

Weniger selbstbestimmt war allerdings der lange Anlauf für den neuen Dienst. Der sollte ursprünglich bereits 2016 starten. Weil die Leistungen aber nach einem Gerichtsurteil von den Krankenkassen nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten europaweit ausgeschrieben werden mussten und viele Dinge zu klären waren, verzögerte sich alles. Nach der Bewerbung wurde dem Hospiz Trier nur ein Teil des Kreises Trier-Saarburg als Los zugeteilt. Die Verbandsgemeinden Schweich, Ruwer und Hermeskeil sind an die Saarländische Streit-Gruppe (SAPV Saarschleife) gefallen, deren Zuständigkeit sich zudem mit dem des Hospiz’ Trier überschneidet. „Das schafft Unklarheiten und Erklärungsnöte“, sagt Graßnick. Und auch Geschäftsführer Hubert Schnabel hofft darauf, dass im neuen Jahr die Zuschnitte der Versorgungsgebiete angepasst werden.

Doch zunächst hat auch das Hospiz Trier und seine Stiftung Da-Sein mit den Folgen der Corona-Krise zu kämpfen. Dabei gehe es nicht nur um Patienten, die möglicherweise infiziert seien, verdeutlicht Marientraud Brill, Teamleiterin des ambulanten Pflege- und Beratungsdienstes (AHBP). „Wir sind darauf vorbereitet.“ Die Epidemie hat bislang aber verhindert, dass Ärzte und Öffentlichkeit umfassend informiert werden konnten. Und dann ist da auch beim Hospizverein Trier das Thema Spenden. Ulrike Graßnick: „Die sind in diesen Wochen fast komplett weggebrochen.“