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Hubert Rommelfanger tritt zurück

Hubert Rommelfanger tritt zurück

Mitte Oktober hat Silke Bigge, die Ortsbürgermeisterin von Farschweiler, ihren Rücktritt erklärt (der TV berichtete). Nun streicht schon wieder ein Gemeindeoberhaupt aus der Verbandsgemeinde Ruwer die Segel: Hubert Rommelfanger aus Osburg. Beide führen als Mitgrund die hohe Arbeitsbelastung und eine gestiegene Erwartungshaltung an das Amt an.

Osburg. Er sei kein Typ, der die Brocken hinwerfe, sagt Hubert Rommelfanger (55). Jetzt tut er es doch - um mehr Zeit für seine pflegebedürftige Frau zu haben. Der Osburger Ortsbürgermeister gibt Ende Januar sein Amt ab. Im März könnten die Osburger ein neues Gemeindeoberhaupt wählen (siehe Extra).
Rommelfanger (55), der seit Anfang 2012 der großen Hochwaldgemeinde Osburg vorsteht (2550 Einwohner), hat kürzlich im Gemeinderat seinen Rücktritt bekanntgegeben. Im Gespräch mit dem TV spricht der gebürtige Zerfer offen über die familiären Gründe, die letztlich ausschlaggebend waren. "Meine Frau ist ein Pflegefall und auf ständige Hilfe angewiesen. Mein Beruf, die Ortsbürgermeistertätigkeit und das stärkere Einbringen im Haushalt - das wurde irgendwann einfach zu viel." Rommelfanger ist bei der Kreisverwaltung Trier-Saarburg für die Wirtschaftsförderung und die Beteiligungen zuständig.
Zeitlich nicht mehr leistbar


Im Oktober 2014 sei seine Frau schwer erkrankt, berichtet Hubert Rommelfanger. 2015 habe er durch den Abbau von Urlaub und Überstunden noch freitags frei machen können und so mehr Zeit für die Betreuung seiner Frau gehabt. 2016 sei das nicht mehr gegangen, und so sei "einiges auf der Strecke geblieben", wie Rommelfanger einräumt. Die Freiräume für die Ortsbürgermeister-Aufgaben seien kleiner geworden. Obwohl er viele Gemeindeangelegenheiten noch bis spät abends erledige, sei zunehmend auch Kritik an seiner Amtsführung laut geworden. Insbesondere bei einigen Ratsmitgliedern von CDU und SPD. "Sie haben Dinge von mir eingefordert, die zeitlich nicht mehr leistbar waren." Die Freien Wähler, denen auch Rommelfanger angehört, haben mit neun Mandaten die Mehrheit, die SPD hat fünf Sitze, die CDU zwei.
Die Ratssitzung am 17. November erzeugte schließlich jenen Tropfen, der das Fass für Rommelfanger zum Überlaufen brachte: CDU und SPD hätten ihm vorgeworfen, Ratsbeschlüsse nicht auszuführen und Niederschriften bewusst zu verzögern oder falsch darzustellen.
Die beiden Fraktionen hatten den Antrag gestellt, der Rat möge über diese Verfehlungen diskutieren. Daraufhin tat der Ortschef das, worüber er schon länger nachgedacht hatte: Er verkündete seinen Rücktritt. Die persönliche Erklärung gab er im letzten Tagesordnungspunkt "Mitteilungen" ab.
Differenzen mit dem Rat


Rommelfanger sagt, CDU und SPD hätten ihn "vor Publikum" vorführen wollen und deshalb die Aussprache gleich als ersten Tagesordnungspunkt beantragt - zu einem Zeitpunkt, als wegen eines Straßenausbau-Themas viele Zuhörer anwesend waren. In Absprache mit der Verwaltung und der FWG habe er den Antrag in der Tagesordnung nach hinten gerückt. Es sei üblich, sagt Rommelfanger, dass Beratungen mit Planern und Publikum vorgezogen würden, um die Gäste nicht unnötig warten zu lassen.
Der innerörtliche Straßenbau ist ein Thema von vielen, die in Osburg anstehen. Laut Hubert Rommelfanger soll das Gewerbegebiet erweitert werden, wofür aber noch Grunderwerb nötig sei. Hier und auch bei der Ausweisung eines weiteren Neubaugebiets seien viele zeitaufwendige Einzelgespräche mit Grundstückseigentümern zu führen. Auch beim Ausbau des Kindergartens ist die Gemeinde als Bauträger am Brett.
Differenzen zwischen Rat und Ortsbürgermeister hatten sich angedeutet. So hatte der Gemeinderat beispielsweise gegen den Willen des Ortsbürgermeisters beschlossen, eine Gaststätte zu kaufen. Dadurch sollten weiterhin im Ort Familienfeiern möglich sein. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Kreis schon angeklopft, um die Immobilie zur Unterbringung von Asylbewerbern zu erwerben. Der Notartermin stand schon fest. Der Konflikt hat sich in Wohlgefallen aufgelöst, weil weniger Flüchtlinge gekommen sind und die Gemeinde mittlerweile einen Pächter gefunden hat.Extra

Wie geht's nun weiter? Vor-aussichtlich wird der Gemeinderat Osburg in seiner Sitzung am 15. Dezember (19 Uhr, Restaurant Schornstein) einen Termin für die Ortsbürgermeisterwahl festlegen. Die etwa 1800 Wahlberechtigten aus Osburg könnten im März 2017 ihr neues Gemeindeoberhaupt wählen - vorausgesetzt, es kandidiert jemand. Geht keine gültige Bewerbung ein, so ist der Ortsbürgermeister laut Gemeindeordnung spätestens acht Wochen nach dem ausgefallenen Wahltermin vom Gemeinderat zu wählen. alf