Hüte, Holz und heiße Luft
Trier · Selbst einige Aussteller waren nicht gekommen: Fast 40 Grad Lufttemperatur machten allen, die am Wochenende zum Trierer Handwerkermarkt gekommen waren, zu schaffen. Doch wer durchhielt, konnte handgefertigte Glocken, jede Menge Schmuck und Schmiede bei der Arbeit sehen.
Trier. Adelheid Siegeroth gehört zu den Ausstellern, die auf dem Trierer Handwerkermarkt durchhalten - obwohl sie mit ihrem Pavillon auf dem glühenden Pflaster des Portavorplatzes steht. Die Lufttemperatur: fast 40 Grad. Aus Aachen ist sie mit ihren Schmuckkästchen und Büchern aus verzierten Papiercollagen angereist. "Ich bin trotzdem gekommen, weil die Trierer viel draußen sind, hier geht man am Wochenende besonders gern in die Stadt" sagt sie, die Füße in einem kühlen Wasserbad und den Ventilator auf ihre Beine gerichtet. Die Künstlerin besucht Handwerkermärkte in der ganzen Republik, sie kann also vergleichen. Sie kann trotz der Hitze nicht über ausbleibende Kundschaft klagen.
Der Trierer Handwerkermarkt findet zum 35. Mal statt und dieses Mal ist alles etwas anders. Die Sonne, über die sich Besucher und Verkäufer üblicherweise freuen, wird zur Last. Die Besucherzahl liegt zwar noch im niedrigen vierstelligen Bereich - hat sich aber wegen der Hitze gegenüber dem Vorjahr halbiert. Auch rund ein Dutzend der angekündigten 120 Aussteller ist nicht gekommen oder bricht die Zelte in der Mittagshitze ab.Auch Ausstellern ist es zu heiß
Viele der Besucher haben den Markt durch Zufall entdeckt, wie etwa Natja Berthold und Oliver Rathsach. "Auf dem Weg zum Lebensmittel kaufen sind wir auf die Stände gestoßen und haben beschlossen, uns den Markt anzusehen", sagt Berthold. Gekauft haben sie bisher noch nichts, aber gerade sind sie vor einer handgemachten Umhängetasche aus LKW-Plane hängengeblieben - vielleicht werden sie doch mit mehr als nur Lebensmitteln nach Hause gehen.
Neben zahlreichen Goldschmieden bieten auch Töpfer, Glockengießer, Korbmacher, Schreiner, Buchbinder, Bildhauer und Hutmacher ihre Werke zum Verkauf an. Die Kaffeerösterei Mondo del Café zeigt in einer kleinen Ausstellung, wie Kaffee angebaut und hergestellt wird. Das weckt das Interesse der Kunden - heute bestellen die meisten aber keinen Kaffee, sondern doch die kühle Orangenlimonade.
Auch die Trierer Simon Aurnhammer und Jasmin Riem besuchen den Markt zum ersten Mal. "Wir haben die Stände aus dem Auto heraus gesehen und spontan beschlossen, ein wenig zu bummeln", sagt Aurnhammer. Aus dem Bummel ist bereits ein Kauf geworden: Riem zeigt einen handgemachten, dunkelbraunen Ledergürtel, den sie gerade gekauft hat.
Kunstschmied Paul Kreten aus Bekond im Landkreis Trier-Saarburg lässt die Besucher unter Anleitung selbst schmieden. Seit 35 Jahren waren er und seine Frau Annemie Kreten jedes Mal auf dem Trierer Handwerkermarkt. Trotz der Hitze lohne sich der Besuch, sagt sie. "Und das Wetter können wir nicht ändern - man muss es so holen, wie es kommt."
Mehr Fotos zum Handwerkermarkt in Trier finden Sie im Internet unter www.volksfreund.de/fotos